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Oberwallis / Von der Gier nach Pulverschnee hinter
die Pistenmarkierungen getrieben und vom weissen Tod heimgesucht: Lawinenunfälle
sind auch heute trauriger Alltag der Rettungskräfte.
Von Rahel Escher
Die Januar-Bilanz ist erschreckend: 163 Mal musste
die Air Zermatt bereits für Rettungseinsätze ausrücken.
Davon zwei in Folge eines Lawinenniedergangs mit einem Todesopfer. Damit
ist der letztjährige Wert bereits überschritten. Im Jahre 2004
flog die Air Zermatt insgesamt 1196 Rettungseinsätze, 117 davon im
Januar. Sieben Einsätze in Folge einer Lawine, Todesopfer gab es
dabei eines zu beklagen.
Nicht nur die Kids...
Doch wieso zieht es immer mehr Leute ins unberechenbare Weiss? Früher
war es nur für Könner möglich, in diesen Verhältnissen
zu fahren. Aber mit den Sportgeräten, die auf dem Markt sind, ist
dies nun auch für unerfahrene Sportler möglich, erklärt
Bruno Jelk. Doch nicht nur Jugendliche suchen den Kick im Tiefschnee,
wie Moritz Schwery, Pisten- und Rettungschef auf der Belalp weiss: Neben
den Jungen beobachte ich auch Erwachsene im Pistenabseits. Da hat es Sportler
jeden Alters. Vorsichtiger scheinen sich die Tourengänger zu
verhalten. Bei uns besuchen über siebzig Prozent der Gäste
freiwillig einen Sicherheitskurs, erklärt Wolfgang Loretan
von den Luftseilbahnen Leukerbad.
Bussen bringen nichts
Doch dass Strafen oder Bussen die falschen Massnahmen wären,
sind sich die beiden Rettungschefs einig: Polizei spielen würde
nicht viel bewirken, da verärgert man nur die Leute, meint
dazu Moritz Schwery und Bruno Jelk fügt hinzu: Es ist schwierig,
jemanden zu bestrafen. Denn es ist alles tolerierbar, solange keine Dritten
verletzt werden. Von Bestrafungen sieht auch Heinz Imhalsy, Direktor
der Fiesch-Eggishorn Bahnen ab: Wir greifen aber ein, wenn sich
jemand grob fahrlässig verhält. Auch Bernhard Pfammatter,
Geschäftsführer Saas Fee Bergbahnen, sieht das Problem ähnlich:
Früher wurde durch Skipassentzug gegen die Pistenabgänger
vorgegangen. Heute gehen wir das Problem anders an. Bei Neuschnee präparieren
wir gewisse Pisten absichtlich einige Tage nicht, damit sich Pulverschnee-Fans
nicht ins Pistenabseits wagen.
Im Ernstfall zählt jede Minute
Und wenn es dann doch passiert? Dann gilt es innert Minuten,
den Transport von Geräten, Material, Personal und Hunden zu koordinieren.
In Bereitschaft sind wir immer, erklärt der Zermatter Rettungsobmann.
Dennoch vergehen einige Minuten, bis die Retter auch vor Ort sein können.
Daher ist es wichtig, folgende Punkte zu beachten: Wer sich ausserhalb
der Pisten begibt, sollte immer mit einem Lawinenverschütteten-Suchgerät
(LVS), einer Suchsonde und Schneeschaufel ausgerüstet sein und nie
alleine fahren. Bei der Rettung kommt der Kameradenhilfe eine
grosse Bedeutung zu, da die Überlebens-chance im Schnee rapide abnimmt.
Raphael Erbetta, Einsatzleiter der Air Zermatt: Unverschüttete
Begleiter können mit ihrem Suchgerät die Verschütteten
suchen und sofort helfen. Bis das Rettungsteam eintrifft, vergehen meist
zwanzig Minuten. Nach fünfzehn Minuten sinkt die Überlebenschance
aber bereits auf fünfzig Prozent, vorausgesetzt, die Person ist nicht
noch zusätzlich verletzt.
Übrigens: Die Rettungskosten übernimmt
immer der Verursacher, nie die Alarm schlagende Person. Der Verunfallte
kann die Rechnung an seine Versicherung weiterleiten. Bei nachweisbarer
Fahrlässigkeit, wie etwa Fahren ausserhalb der Markierungen, kann
die Versicherung ihre Leistungen verweigern oder Regress auf den Versicherten
nehmen.
Eigenes Leben riskieren
Ist es ärgerlich, sein Leben zu gefährden, um jene zu retten,
die alle Warnungen missachten? Markus Schwery: Nein, da denkt man
nur ans Helfen. Solche Gedanken kommen höchstens im Nachhinein.
Auch Bruno Jelk verneint: Sonst hat man den falschen Beruf.
Aber bei jeder Rettung müsse das Eigenrisiko abgeschätzt werden.
Wenn in einem sehr gefährlichen Gebiet kaum eine Überlebenschance
bestehe oder das Opferrisiko kleiner sei als jenes der Retter, müsse
mit der Rettung aus Gründen des Selbstschutzes abgewartet werden.
Aber man müsse sich nach jedem Einsatz sagen können: Ich
habe alles versucht und das Maximale getan.
Ihre
Meinung interessiert uns!
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