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Reckingen / Heute vor 35 Jahren, am 24. Februar
1970, ereignete sich in Reckingen ein schreckliches Lawinenunglück.
Die Bächital-Lawine riss 30 Menschen in den Tod. Darunter befanden
sich 11 Zivilpersonen und 19 Wehrmänner der Fliegerabwehrtruppen.
Von Walter Bellwald
Das Unglück ereignete sich kurz nach fünf
Uhr früh. Die Lawine überraschte die Menschen im Schlaf und
verschüttete insgesamt 48 Personen. 19 von ihnen konnten lebend aus
den Schneemassen befreit werden. Eine der lebend geretteten Personen starb
später im Spital.
Dramatische Minuten
Der damalige Kommandant des Flab-Schiessplatzes Reckingen, Oberst im Generalstab
Hermann Schild, beschreibt in seinem Bericht die Einzelheiten der Katastrophe:
Ich habe im zweiten Stock der Bäckerei gewohnt und wurde um
5.05 Uhr von einem orkanartigen Sturm aus dem Schlaf gerissen. Ein kalter
Windstoss durch die Wohnung, spürbarer Schneestaub und das erdbebenartige
Erzittern des Hauses waren Anzeichen genug um zu erkennen, dass eine Lawine
niedergeht. Kein elektrisches Licht mehr, nur noch fahle Helligkeit durch
den Vollmond über der dichten Wolkendecke gestattete zirka zehn Sekunden
später den Blick durch ein nach Westen gerichtetes Fenster. Eindeutig
war zu erkennen, dass das dreissig Meter entfernte Nachbarhaus Carlen
und die in zirka achtzig Meter westlich davon gelegenen Häuser, darunter
die Offizierskaserne, nicht mehr standen. Der Schneestaub senkte sich
und Totenstille trat ein, unterbrochen von Hilfeschreien aus der näheren
und ferneren Umgebung.
Grossalarm ausgelöst
Sofort machte sich Hermann Schild auf den Weg, um zu helfen: Bei
meinem Eintreffen nach Überquerung des Lawinenzuges um 5.20 Uhr im
Hotel Blinnenhorn waren die Schiessplatzwache und die ersten Zivilpersonen
bereits daran, Verschütteten aus der Bedrängnis zu helfen. Die
Truppe im Lager wurde alarmiert und telefonisch über Nummer 17 der
Grossalarm im Wallis augelöst, sowie das EMD über das Notruftelefon
von der Katastrophe in Kenntnis gesetzt. Im beissenden Schneetreiben gelang
es schliesslich unter Mithilfe rettungskundlicher Zivilpersonen, bis zum
Tagesanbruch um 6.30 Uhr 19 Menschen lebend zu bergen.
Grossangelegte Suchaktion
Mit der Nachricht über die Lawinenkatastrophe in Reckingen setzte
die grösste Lawinenrettungsaktion ein, die je in den Schweizer Alpen
stattgefunden hatte. Neben vielen zivilen Rettungskräften standen
auch militärische Hilfskräfte im Einsatz, um den Verschütteten
zu helfen. Trotz der grossangelegten Suchaktion dauerte es vier Tage,
bis das letzte Opfer geborgen werden konnte. Auch der angerichtete Sachschaden
war enorm und belief sich auf mehr als elf Millionen Franken. Insgesamt
wurden vier Wohnhäuser, zwei Ställe, eine Remise und fünf
Militärgebäude gänzlich zerstört. Während Monaten
standen zweihundert Mann mit zwölf Baumaschinen und Lastwagen im
Einsatz, um die Überreste der Lawine zu beseitigen.
Militärgerichtliche Untersuchung
Das Ausmass dieser Katastrophe zog ein grosses Interesse nach sich.
So wurde auch eine militärgerichtliche Untersuchung eingeleitet,
um die mögliche Ursache des Lawinenabgangs zu erforschen. Darin hält
der zuständige Untersuchungsrichter fest, dass keiner militärischen
Dienst- oder Kommandostelle ein Verschulden irgendwelcher Art an der Lawinenkatastrophe
zukomme. Insbesondere stellt der Bericht fest, dass kein Kausalzusammenhang
zwischen dem am 23. Februar 1970 durchgeführten Flabschiessen und
dem katastrophalen Lawinenniedergang vom 24. Februar 1970 nachgewiesen
werden kann. Der Untersuchungsrichter stützt sich dabei auf
ein Gutachten des eidgenössischen Instituts für Schnee- und
Lawinenforschung, in welchem nachgewiesen wird, dass alle am 23.
Februar 1970 vorgekommenen menschlichen Einflüsse auf die Schneedecke
weit unter der Intensität natürlicher Unruhequellen, insbesondere
dem Winddruck liegen und deshalb eine Verursachung der Lawine durch diese
menschlichen Einflüsse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen sei.
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