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Siders / Salgesch / Noch in der vergangenen Saison
dachte er über einen vorzeitigen Rücktritt nach. Doch ein Angebot
des HC Siders-Anniviers brachte ihn zurück ins Geschäft. Heute
hat Matthias Lauber (28) zu seinem Spiel zurückgefunden und mit Siders-Anniviers
den Einzug ins Playoff-Finale geschafft. Im RZ-Frontalinterview spricht
er über seine neue Motiva-tion, die Chancen der Sonnenstädter
gegen den EHC Basel und verspricht: Wir werden alles daran setzen,
den Pot zu gewinnen!
Von Walter Bellwald
Markus Pianzola
Der HC Siders-Anniviers steht im Playoff-Finale
der Nationalliga B. Überrascht?
Doch, ein wenig überrascht bin ich schon. Anfangs Saison hätte
uns wohl kaum jemand zugetraut, dass wir bis ins Playoff-Finale kommen.
Wir haben uns zwar das Erreichen der Playoffs als Minimalziel gesetzt,
aber der Einzug ins Finale übertrifft alle unsere Erwartungen.
Was gab den Ausschlag, dass Sie im Halbfinale
gegen die favorisierten Bieler die Oberhand behielten?
Unser Teamgeist und die Mannschaftsgeschlossenheit waren die entscheidenden
Faktoren. Biel ist sicher individuell stärker besetzt als wir, aber
mit unserer Mannschaftsleistung konnten wir dieses Manko wettmachen.
Im Playoff-Finale haftet Ihnen wieder die Aussenseiterrolle
an. Was für Chancen rechnen Sie sich gegen den EHC Basel aus?
Natürlich sind wir die Underdogs. Aber die Hockey-Playoffs haben
ihre eigenen Gesetze. Schon im Viertelfinale gegen Morges hatte man uns
abgeschrieben und auch gegen Biel, gegen die wir im Vorjahr das Finale
verloren, hatte man uns wenig Kredit gegeben. Aber wir haben das Gegenteil
bewiesen und stehen im Finale. Auch hier haben wir überhaupt nichts
zu verlieren. Wir können locker und unbeschwert aufspielen; im Gegensatz
zu Basel, das den Aufstieg als erklärtes Saisonziel angegeben hat.
Können Sie mit Basel Schritt halten oder
sehen Sie sich eher als Sparringpartner?
Keineswegs. Wir werden unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen
und versuchen, den Baslern ein ebenbürtiger Gegner zu sein. Schliesslich
geht es um den Meistertitel in der Nationalliga B. Wir werden alles daran
setzen, den Pot zu gewinnen.
Wie realistisch ist es, den EHC Basel in die Knie
zu zwingen?
Alles ist möglich. Das beweisen die Resultate aus der Qualifikation.
Wir haben zweimal gegen Basel gewonnen und zweimal verloren. Das zeigt
auf, dass wir uns nicht verstecken müssen und uns auf unsere Kräfte
besinnen können. Auch die Regelung, dass wir vier Ausländer
einsetzen können, kommt uns sicher entgegen. Und mit der Verpflichtung
von Dale McTavish haben wir einen starken Trumpf in der Hinterhand.
Was spricht für Ihre Mannschaft?
Das Kollektiv spricht für uns. Es gibt nicht viele Teams in der
Nationalliga B, die als Mannschaft so stark aufspielen wie wir. Wir müssen
unsere spielerischen Stärken in der Defensive ausspielen und versuchen,
über Konter die Tore einzufahren. Dann ist alles möglich.
Was spricht für Basel?
Der EHC Basel hat ein viel breiteres Kader als wir. Das kann sich
vor allem gegen Ende der Saison, wenn man langsam die Müdigkeit spürt,
positiv auswirken. Dazu kann das Team auf eine grosse Erfahrung zurückgreifen.
Basel hat viele Spieler, die auch schon in der Nationalliga A gespielt
haben. Das ist sicher von Vorteil.
Ein Blick auf die Torhüterstatistik zeigt,
dass Ihr Gegenüber, der Basler Goalie Patrick Schöpf, ein sicherer
Rückhalt für seine Mannschaft ist. Wie gut kennen Sie Ihren
direkten Kontrahenten?
Ich kenne Patrick Schöpf schon länger. In den letzten Jahren
konnte er in der Nationalliga A wertvolle Erfahrungen sammeln und hat
sich dadurch weiterentwickelt. Er ist eine wichtige Stütze für
seine Mannschaft und hat viel dazu beigetragen, dass Basel im Playoff-Finale
steht.
Auch Ihre Werte können sich durchaus sehen
lassen: Mit durchschnittlich 2,8 Gegentoren liegen Sie im vorderen Mittelfeld
in der Torhüterstatistik der Nationalliga B. Wie sind Sie zufrieden
mit Ihren bisherigen Leistungen?
Über die ganze Saison gesehen darf ich mit meinen gezeigten Leistungen
zufrieden sein. Sicher ist es schwierig, über mehrere Monate eine
konstante Leistung zu bringen, aber ich denke, alles in allem ist die
bisherige Saison ganz gut gelaufen. Nach der vergangenen Saison als Reservist
bei den SCL Tigers habe ich in Siders die Freude am Eishockey wiedergefunden.
Von aussen hat man den Eindruck, dass Ihre Leistungen
in den Playoffspielen konstant angestiegen sind. Täuscht das?
Dass es über eine ganze Saison hinweg zu Leistungsschwankungen
kommt, ist völlig normal. Man darf nicht vergessen, dass die meisten
Spieler in der Nationalliga B nur Halbprofis sind und nebenbei noch einem
anderen Broterwerb nachgehen müssen. Das hat sicher einen Einfluss
auf die Leistungen. Rückblickend darf ich sagen, dass ich zu Beginn
der Saison einen sehr guten Einstand hatte. Dann kam ein kurzer Durchhänger,
aber just auf die Playoffs habe ich zu meiner Höchstform gefunden.
Kommt hinzu, dass mit jedem Sieg auch das Selbstvertrauen steigt.
Haben Sie ein bestimmtes Ritual, bevor Sie das
Eisfeld betreten?
Meine Spielvorbereitung läuft nach einem ganz bestimmten Schema
ab. Das fängt mit dem Anziehen der Schlittschuhe und Schoner an und
geht bis kurz vor Spielbeginn, wo mir unser Materialwart die Trinkflasche
reicht. Das sind alles bestimmte Automatismen, die ich mir über die
Jahre hinweg so angeeignet habe und die mir sehr wichtig sind. Wenn diese
Vorbereitung gestört wird, bringt das meine ganze Konzentration durcheinander.
Sind Sie abergläubisch?
Ich bin ziemlich abergläubisch. Zuerst ziehe ich mir immer den
linken Schlittschuh an und dann erst den rechten. Auch bei den Beinschonern
fange ich zuerst immer mit links an. Ein weiterer Spleen von mir ist,
dass ich meine Goalie-Schutzmaske auf dem Eis niemals abziehe. Auch nicht
beim abschliessenden Shake-Hands nach dem Spiel.
Haben Sie einen Glücksbringer?
Nein, ich habe keinen eigentlichen Glücksbringer. Wichtig ist
mir die genaue Vorbereitung vor dem Spiel, damit ich konzentriert in den
Match steigen kann.
Die Rückseite Ihres Helms ziert ein Bild
Ihrer Frau. Haben Sie Ihre Angetraute auch während den Spielen im
Hinterkopf?
Im wörtlichen Sinn (lacht). Im Ernst, während den Spielen
bleibt keine Zeit für solche Gedanken. Da muss ich mich voll auf
das Spiel konzentrieren. Gerade als Goalie ist man diesbezüglich
gefordert. Die Feldspieler hingegen können während ihren Pausen
auf der Spielerbank ein bisschen abschalten. Diese Aussetzer kann sich
ein Torhüter nicht leisten.
Mit durchschnittlich über 4000 Fans in den
Playoff-Spielen führt der HC Siders-Anniviers die Liga-Zuschauertabelle
an, während der EHC Basel knapp 1600 Zuschauer mobilisieren kann.
Wie nachhaltig können die Fans den Ausgang eines Spiels beeinflussen?
Die Fans sind für eine Mannschaft sehr wichtig. Gerade in einer
entscheidenden Phase können sie dem Spiel eine Wende geben. Wir werden
diesbezüglich verwöhnt. Unsere Fans sind Spitze und unterstützen
uns lautstark bei jedem Spiel. Das beflügelt jeden Spieler und wirkt
sich dadurch sehr positiv auf das Spiel aus. Im letzten Heimspiel gegen
Biel beispielsweise haben wir zu Beginn des letzten Drittels ein Tor kassiert
und waren dadurch ein wenig verunsichert. Durch die lautstarke Unterstützung
des Publikums haben wir wieder zu unserem Spiel gefunden und den entscheidenden
Sieg eingefahren.
Der HC Siders ist bereits die achte Station Ihrer
Hockey-Karriere. Warum sind Sie von den SCL Tigers zurück ins Wallis
gekommen?
In Langnau hat es mir überhaupt nicht gefallen. Nach einem schlechten
Match stand ich klubintern in der Kritik und bekam keine Chance mehr,
mich zu rehabilitieren. Auch mit der Mentalität hatte ich meine Probleme.
Es hat einfach nichts zusammengepasst. Dadurch ist es mir schnell verleidet
und ich verlor den Spass am Spiel. Ich stand kurz davor, meine Schlittschuhe
an den Nagel zu hängen. Als ich dann das Angebot von Siders bekam,
habe ich keine Minute gezögert. Heute bin ich überglücklich
und habe meine Freude am Hockeyspiel wieder gefunden. Ich fühle mich
rundum wohl in Siders.
Sie haben mit verschiedenen Klubs in der Nationalliga
A gespielt und mit Lugano vor zwei Jahren sogar den Schweizer-Meistertitel
geholt. War Ihre Rückkehr nach Siders nicht ein sportlicher Rückschritt?
Von der Ligazugehörigkeit her ist es sicher ein Rückschritt.
Für mich persönlich ist es aber ein grosser Fortschritt. Ich
habe lieber bei einem B-Verein einen Stammplatz, als bei einem A-Klub
ein Reservistendasein zu fristen, wo es mir überdies nicht gefällt.
Da verzichte ich lieber auf das Geld oder die A-Zugehörigkeit. Darum
sehe ich meine Rückkehr ins Wallis nicht als Abstieg, sondern als
persönlichen Aufstieg. Die letzten anderthalb Jahre musste ich hartes
Brot essen. Trotzdem bin ich heute froh, dass ich diese Erfahrungen gemacht
habe, weil sie mich persönlich sehr viel weiter gebracht haben, als
alle bisherigen sportlichen Erfolge.
Können Sie sich eine Rückkehr in die
Nationalliga A vorstellen?
Möglich ist alles. Aber ich werde nicht
mehr um jeden Preis in die höchste Spielklasse wechseln. Als Zwanzigjähriger
wollte ich unbedingt einmal bei einem A-Klub zwischen den Pfosten stehen.
Das habe ich geschafft und darauf bin ich stolz. Heute ist es für
mich nicht mehr wichtig, ob ich einem A- oder B-Klub angehöre. Wenn
eine entsprechende Anfrage kommen sollte, werde ich das Angebot sicher
prüfen. Aber ich werde mir einen erneuten Wechsel genau überlegen.
Ihre
Meinung interessiert uns!
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