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Gemeinderatsmitglied reicht Beschwerde gegen seine Ratskollegen beim Staatsrat ein
Verletzt Ernen das Gemeindegesetz?


 

Ernen / Dicke Luft im Übergangsgemeinderat der Fusionsgemeinde Ernen: Weil der Gemeinderat der Urversammlung entgegen den Vorschriften des neuen Gemeindegesetzes keinen Finanzplan vorlegen wollte, hat Gemeinderat Bruno Hiltmann gegen seine Ratskollegen beim Staatsrat Beschwerde eingereicht.

Von German Escher

„Ich finde es unglaublich, dass der Gemeinderat vorsätzlich das Gesetz nicht einhält“, kritisiert Bruno Hiltmann. Der einstige Gemeinderat von Ausserbinn und Mitglied im Übergangsgemeinderat der Fusionsgemeinde Ernen fährt scharfes Geschütz auf und verweist auf das neue Gemeindegesetz.

Klare Vorschriften
Entgegen der bisherigen Praxis schreibt das neue Gesetz im Artikel 75 klar vor: „Der Gemeinderat erstellt für eine Dauer von mindestens vier Jahren eine Finanzplanung, die er der Urversammlung oder dem Generalrat zur Kenntnis bringt.“ Hiltmann hat deshalb an der Urversammlung Ende Februar Rückweisung des Budgets 2005 und die Erarbeitung eines Finanzplanes verlangt – ohne Erfolg. Er hat deshalb das getan, was er an der Urversammlung auch angedroht hatte: Er reichte beim Staatsrat gleich mehrere Beschwerden ein.

Der Bürger habe das Recht zu wissen, was auf die Gemeinde in den nächsten Jahren zukommen werde, argumentiert Hiltmann. Besonders für eine neue, fusionierte Gemeinde sei es naheliegend, der Urversammlung den Finanzplan als weitere Entscheidungsgrundlage zur Beschlussfassung über das Budget 2005 zu unterbreiten. Weil die Unterstützungsgelder des Kantons an die Fusionsgemeinde Ernen von insgesamt rund zwei Millionen Franken auf vier Jahre beschränkt sind, hat Hiltmann zudem einen Finanzplan für insgesamt fünf Jahre gefordert, in denen die Szenarien mit und ohne Verpflichtungen gegegenüber dem Skigebiet Ernergalen dargelegt werden. Hiltmann wirft dem Gemeinderat zudem vor, dass die Kantonsgelder auch für die Laufende Rechnung verwendet würden.

„Finanzplan wäre unseriös“
Dass die Gemeinde einen Finanzplan brauche, stellt Gemeindepräsident Willy Clausen nicht in Abrede. Gegenüber der RZ hält Clausen fest: „Zum jetzigen Zeitpunkt einen Finanzplan zu präsentieren, wäre nicht seriös. Dazu brauchen wir die Rechnungsabschlüsse 2004 der einzelnen Gemeinden. Wir haben uns deshalb auf die Rechnungen 2003 und die Finanzberichte zur Fusion abgestützt.“ Zudem wollte der Gemeinderat die Urversammlung nicht weiter ausschieben. Der Präsident räumt allerdings auch ein, dass das Vorgehen „vermutlich nicht ganz den Buchstaben des Gesetzes entspricht“. Clausen ist dennoch überzeugt, dass der Staatsrat aufgrund der besonderen Ausgangssituation das Vorgehen des Gemeinderates stützen wird. Der erforderliche Finanzplan soll gemäss Clausen bis zur Rechnungsurversammlung vorliegen. Die finanzpolitischen Vorwürfe des Ratskollegen Hiltmann weist Clausen entschieden zurück: „Gemäss Budget 2005 werden die Kantonsgelder vollumfänglich für die Schuldentilgung eingesetzt.“

Kein Fusions-Frust
Bruno Hiltmann hat sich als Gemeinderat von Ausserbinn vehement gegen die Fusion mit Ernen, Mühlebach und Steinhaus gewehrt. Bleibt die Frage, ob nach der Zwangsfusion jetzt der Frust hochkommt. „Das Kapitel ist abgeschlossen. Ich habe den Entscheid akzeptiert, stehe jetzt aber auch in der Verantwortung des Übergangsgemeinderates. Und dieses Amt nehme ich ernst“, entgegnet Hiltmann. Nur schon deshalb sei es seine Pflicht gewesen, Beschwerde einzureichen und sich so der Verantwortung des seiner Ansicht nach gesetzeswidrigen Verhaltens zu entziehen. – Eine Verantwortung, die er künftig wohl kaum mehr zu tragen hat. Im neuen fünfköpfigen Erner Gemeinderat, der am 8. Mai nach Majorz-Wahlsystem gewählt wird, hätte es für den unbequemen Querdenker wohl kaum noch Platz.

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