|
Gamsen / Oberwallis / Wenn es nach dem Willen
des Gemeindeverbandes Oberwallis für die Abfallbewirtschaftung (GVO)
geht, soll in Gamsen neben der Kehrichtverbrennungsanlage künftig
eine zentrale Kompostieranlage entstehen. Die Delegierten der GVO stimmen
morgen Freitag über das Grossprojekt ab.
Von Ruth Seeholzer
Das Problem der kompostierbaren Abfälle
ist eines der letzten ungelösten Probleme im Bereich der Abfallbewirtschaftung
in unserer Region, erklärt Odilo Schmid, Präsident des
Verwaltungsausschusses des GVO, gegenüber der RZ. Was liegt
näher, als eine Kompostieranlage neben der heutigen Kehrichtverbrennungsanlage
in Gamsen zu planen? Der Oberwalliser Abfallberater sieht das ebenfalls
so. Amadeus Zenzünen: Bis heute haben wir keine geregelte Grünabfuhr
im Oberwallis. Gartenabfälle werden in regionalen oder in gemeindeeigenen
Deponien gesammelt. Ein gewichtiger Punkt sind jedoch die Küchenabfälle,
die vor allem in den Tourismus-Orten in grossen Mengen anfallen. Früher
gingen diese in die Schweinemasten, so Zenzünen. Doch heute
gibt es kaum mehr Abnehmer für Küchenabfälle.
Oberwalliser Abfallhaufen!
Warum soll denn diese zentrale Kompostieranlage ausgerechnet in Gamsen
gebaut werden? Das fragen sich auch die Gamsner. Der Vorstand der IG Gamsen
ist gar nicht begeistert über das neue Vorhaben. Wir Gamsner
haben bereits die Kehrichtverbrennungsanlage. Aber dann sind noch verschiedene
andere Deponien auf unserem Gemeindegebiet. Und jetzt soll auch der Kompost
noch kommen? Die Dorfschaft Gamsen kämpft seit Jahren für
eine bessere Wohnqualität. Die Gemeinde Brig-Glis zeigt nach
Westen hin wirklich keine sehr schöne Visitenkarte, erklärt
die IG gegenüber der RZ. Verständlich, dass so jedes weitere
Deponie-Vorhaben in Gamsen zuerst einmal Abwehr und Kopfschütteln
verursacht. Und ausgerechnet eine Kompostier-Anlage! Das bedeutet
für Gamsen nebst dem ständigen Staub weitere Emissionen. Wir
werden darauf bestehen, dass wir über das weitere Vorgehen in dieser
Sache informiert werden.
Geschlossene Anlage
GVO-Präsident Odilo Schmid beruhigt die Gamsner: Wir wollen
nicht einfach den gesamten Oberwalliser Kompost den Gamsnern vor die Haustüre
türmen. In Gamsen ist eine sogenannte Kompogas-Anlage in einem
geschlossenen Gebäude vorgesehen. Um aus Garten- und Küchenabfällen
Energie zu gewinnen, wird der Bioabfall zuerst von Fremdstoffen befreit
und anschliessend dem Gärreaktor zugeführt. Im vollkommen abgeschlossenen,
anaerob (unter Sauerstoffausschluss) arbeitenden Reaktor wandeln Mikroorganismen
die vorhandene organische Substanz in Kompost und Biogas um. Das beim
Abbauprozess gewonnene Biogas wird in elektrische Energie und Wärme
umgewandelt. Die KVA liefert bereits heute über 22 Millionen
Kilowattstunden Strom, erklärt Odilo Schmid. Die Kompogas-Anlage
würde nochmals rund 3 Millionen Kilowattstunden beitragen.
Für Schmid macht es Sinn, die Anlage auf dem Gelände der KVA
zu bauen. Damit können wir maschinelle und personelle Ressourcen
ausschöpfen. Am Freitagabend entscheiden die Delegierten, ob
der GVO eine Kompogas-Anlage bauen soll.
Ihre
Meinung interessiert uns!
|