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Marlise Schnyder, Frau des abgetretenen Staatsrates Wilhelm Schnyder
„Ich erteile meinem Mann keine politischen Ratschläge“


 

Steg / „Die Frau eines Politikers sollte sich in politischen Dingen nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen“, sagt Marlise Schnyder (59), die Frau des abgetretenen Staatsrates Wilhelm Schnyder. Im RZ-Frontalinterview spricht sie über ihre Rolle als Hausfrau und Mutter, ihre Aufgabe bei politischen Anlässen, den Rücktritt ihres Mannes und meint: „Nach zwölf Jahren ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sich aus dem Staatsrat zu verabschieden.“

Von Walter Bellwald
Markus Pianzola

Bei Ihnen ist es schon fast schwieriger einen Gesprächstermin zu finden, als bei Ihrem Mann. Womit sind Sie derart beschäftigt?
Das ist eine absolute Ausnahme. Dieser Tage stand die Verabschiedung meines Mannes als Staatsrat auf dem Programm. Zudem war ich als Tunnelpatin beim Durchschlag des Lötschberg-Basistunnels eingeladen. Jetzt folgt aber wieder eine ruhigere Phase.

Machen Ihnen solche Anlässe Spass, oder ist es mehr eine Pflicht?
Ich bin diesen Verpflichtungen immer sehr gerne nach-gekommen. Es gab immer einen interessanten und regen Gedankenaustausch. Aber es war nicht so, dass ich jetzt andauernd unterwegs war. Die Zahl dieser Anlässe war limitiert.

Nach zwölf Jahren ist Ihr Mann als Staatsrat abgetreten. Sind Sie traurig oder ein bisschen erleichtert?
(überlegt lange) Ich bin froh für meinen Mann, dass er jetzt mehr Zeit findet, sich anderen Dingen zu widmen. Ich glaube, nach zwölf Jahren ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sich aus dem Staatsrat zu verabschieden.

Mussten Sie die vergangenen zwölf Jahre Ihre Ansprüche gegenüber Ihrem Mann zurückschrauben?
Nein, ich musste in dieser Zeit nicht kürzer treten. Mein Mann war seit jeher viel beschäftigt. Das brachte schon seine Arbeit als Advokat und Notar mit sich. Dann war er als Gemeindepräsident im Amt und auch im Militär stark engagiert. Darum war es für mich keine grosse Änderung, als er zum Staatsrat gewählt wurde.

Trotzdem werden Sie Ihre Interessen wieder vermehrt anmelden?
Ich bin eigentlich bisher recht gut zum Zug gekommen (lacht). Darum muss ich mich jetzt auch nicht vermehrt einbringen.

Wie stark sind Sie politisch interessiert?
Ich komme aus einer Familie, in der Politik eine wichige Rolle spielte. Mein Vater war CSP-Gemeinderat in Brig und auch später politisch immer auf dem Laufenden. Durch die Tätigkeit meines Mannes habe ich mich immer mehr für das politische Geschehen interessiert. Und das hat sich bis heute so gehalten.

Hatten Sie diesbezüglich eine Vorgabe aus Ihrem Elternhaus, sich nur einen CSP-Mann auszusuchen?
Um Gottes Willen, nein (lacht herzlich)! Ich habe meinen Mann auch nicht an einer politischen Veranstaltung kennen gelernt, sondern an einem Eishockeymatch in Visp.

Haben Sie nach der Wahl Ihres Mannes zum Staatsrat auch daheim am Küchentisch über Politik diskutiert?
Natürlich. Das hat sich aus der beruflichen Situation meines Mannes ergeben. Nachdem die Kinder langsam erwachsen wurden, haben sie viele Dinge sehr kritisch hinterfragt. Das war natürlich Anlass genug, ausgiebig darüber zu diskutieren.

Hat Ihr Mann vor einem wichtigen Entscheid auch mal einen Rat bei Ihnen eingeholt?
Nein. Ich würde mir nicht anmassen, meinem Mann politische Ratschläge zu erteilen. Er wusste eigentlich immer sehr genau, was er tat. Wir haben wohl über dieses und jenes diskutiert, aber ich habe mich immer bemüht, mich zurückzuhalten. Die Frau eines Politikers sollte sich in politischen Dingen nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen.

Haben Sie Ihn auch wegen seiner Politik getadelt?
Ich habe seine Entscheide oft hinterfragt. Vor allem in den Anfängen seiner politischen Amtszeit habe ich ihn oft gefragt, warum er in diesem oder jenem so entschieden habe. Mein Mann hat sich immer die Zeit genommen, mir seine Beweggründe mitzuteilen. Eine eigentliche Rüge habe ich ihm nur gelegentlich erteilt.

Gibt es ein Ereignis, das Ihnen in den vergangenen zwölf Jahren, in denen Ihr Mann als Staatsrat tätig war, in Erinnerung geblieben ist?
Es gab viele wertvolle Begegnungen hier im Wallis und auch ausserhalb des Kantons, an die ich mich gerne zurückerinnere. Vor allem Besuche bei anderen Kantonsregierungen habe ich immer sehr geschätzt. Das war jeweils eine sehr unterhaltsame und lehrreiche Reise.

Haben Sie in dieser Zeit auch Freundschaften geschlossen?
Es gibt viele Politikerpaare, mit denen wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegen. Ich fühle mich auch mit den Frauen der Staatsräte, mit denen mein Mann zusammen gearbeitet hat, freundschaftlich verbunden. Aber auch Deutschschweizer Politiker und ihre Frauen schauen hin und wieder bei uns vorbei.

Welchen Politiker, neben Ihrem Mann, schätzen Sie besonders?
Ich habe sehr viele Politikerinnen und Politiker kennen und schätzen gelernt. Eine einzige Person zu nennen wäre ungerecht.

Seit dem 30. April ist Ihr Mann, zumindest vorerst, im politischen Ruhestand. Demzufolge wird er mehr Zeit zu Hause verbringen. Keine Angst, dass er Ihnen unter den Füssen ist?
Ich glaube nicht. Er hat viele Hobbies und noch einige Verpflichtungen, so dass er kaum nur in der Stube herumsitzen wird. Darum glaube ich nicht, dass wir einander unter den Füssen sind. Sollte es sich anders ergeben, werde ich ihn schon zurechtweisen (lacht).

Ihr Mann war schon in jungen Jahren politisch engagiert. Waren Sie vorwiegend für die Erziehung der Kinder verantwortlich?
So kann man es nicht formulieren. Ich habe zwar, wie andere Mütter auch, die meiste Zeit mit unseren Kinder verbracht, aber letztendlich hatte er meistens das Sagen.

War Ihr Mann ein strenger Vater?
(überlegt lange) Er war zwar nicht überall streng, aber es kam auch vor, dass er durchgegriffen hat.

Und Sie? Waren Sie eine strenge Mutter?
Ich habe das Gefühl, dass ich eher gutmütig war. Oliver hat immer zu seiner Schwester Alexandra gesagt: „Mit der Mama müäsch es immer zersch ä biz ifädlu, nachher geits!“

Wie haben Sie Ihre Mutterrolle erlebt?
Ich war und bin sehr gerne Mutter. Es ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und das Schönste überhaupt, den Kindern den Weg ins Leben aufzuzeigen.

Wie einfach ist es Ihnen gefallen, das Hausfrauendasein mit der politischen Vorzeigedame zu verbinden?
Das war für mich kein Problem. Ich habe auch nicht gross zwischen meiner Rolle als Hausfrau und Mutter und meiner Rolle als Frau eines Staatsrats unterschieden. Vielleicht ist es mir darum auch leicht gefallen, mich in politischen Kreisen schnell zu integrieren.

Immer mehr Frauen sind beruflich so stark eingebunden, dass ihnen keine Zeit mehr für die eigentliche Mutterrolle bleibt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Ich habe Verständnis dafür, dass die Frauen von heute sich beruflich engagieren und demnach weniger Zeit zu Hause verbringen können. Sie sind genauso gut ausgebildet wie ihre männlichen Kollegen und haben einen langen Ausbildungsweg hinter sich. Davon sollen sie letztendlich auch profitieren. Kommt hinzu, dass vielen Frauen gar keine andere Wahl bleibt, als zu arbeiten. Das Leben ist teurer geworden und die Ansprüche sind gestiegen.

Würden Sie auch gerne in die Rolle einer Berufsfrau schlüpfen?
Nein. Die Mutterrolle war für mich sehr befriedigend und ich habe auch nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich würde es wieder genauso machen.

Am 8. Mai ist Muttertag. Was ist Ihnen von früheren Muttertagen in Erinnerung geblieben?
Vor allem als Kinder haben wir uns immer darüber gefreut, unsere Mutter mit einem kleinen Geschenk zu überraschen. Später haben unsere Kinder mir ihre gebastelten Geschenke überreicht.

Was war das schönste Geschenk, das Ihnen Ihre Kinder je gemacht haben?
Alexandra und Oliver haben mir viele schöne Geschenke gemacht. Ich erinnere mich aber natürlich vor allem an das erste Geschenk von Oliver, als er drei Jahre alt war. Meine Schwägerin hat mit ihm zusammen einen Gugelhopf gebacken. Am Muttertag hat er mir den Kuchen dann überreicht. Ich hatte eine Riesenfreude. Noch heute habe ich ein Foto, das mich daran erinnert.

Wie werden Sie den diesjährigen Muttertag verbringen?
Noch haben wir nichts geplant. Aber es wird sicher ein spezieller Muttertag.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
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