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Visp / Der Staatsrat des Kantons Wallis verspricht
im neusten A9-Info-Bulletin die vorzeitige Inbetriebnahme einer Autobahnröhre
zur Umfahrung von Visp im Jahr 2010. Ein Versprechen, das wohl nicht eingehalten
werden kann: Gemäss RZ-Recherchen stellt das Bundesamt für Strassen
eine Etappierung aus technischen und logistischen, finanziellen und Sicherheitsgründen
ernsthaft in Frage. Die Folge: Ohne provisorische Umfahrungsstrasse stehen
wir rund um Visp noch zehn weitere Jahre im Stau!
Von German Escher
Freude anfangs Woche in Visp: In Beisein von Staatsrat
Rey-Bel-let wurde offiziell mit dem Bau des sogenannten Schutterstollens
Schwarzer Graben bis Chatzuhüs begonnen. Das jetzige Bauprogramm
sieht vor, dass Visp im Jahr 2010 in einer Röhre umfahren werden
kann, verkündet der Vorsteher des Departements für Verkehr,
Bau und Umwelt im neuesten A9-Infobulletin. Eine etwas gar optimistische
Einschätzung der Situation. Jolanda van de Graaf, Mediensprecherin
des Bundesamtes für Strassen (ASTRA), betont gegenüber der RhoneZeitung:
Das ASTRA geht nach wie vor davon aus, dass beide Tunnelröhren
gleichzeitig eröffnet werden.
Auch Sicherheitsbedenken
Falls der Kanton eine Etappierung ernsthaft in Betracht zieht, sind
die Bundesstellen zwar gewillt, einen solchen Antrag zu prüfen. Laut
ASTRA bevorzugen die Bundesbehörden aber eine Baumethode, die eine
Beschleunigung der Arbeiten bringen würde, so dass beide Tunnelröhren
gleichzeitig realisiert werden könnten. Gegen eine Etappierung werden
seitens des Bundes verschiedene Bedenken aufgeführt: Lüftungstechnisch
stellt Gegenverkehr in einem Tunnel spezielle Anforderungen. Bei einer
Etappierung müssten diese Anforderungen in baulicher Art berücksichtigt
werden. Allenfalls müsste am Ende der totalen Bauzeit mit teuren
Umbauten gerechnet werden. Zudem müsste laut ASTRA auch bei
einer vorzeitigen Inbetriebnahme eines Tunnels die Elektromechanik für
beide Tunnelröhren betriebsbereit sein. Schliesslich gehen die Bundeststellen
davon aus, dass bei einer Etappierung logistische und sicherheitstechnische
Probleme unvermeidbar sind, weil in Verkehrsnähe an der zweiten Röhre
gebaut würde.
Zeitgewinn fraglich
Die Bundesstellen führen aber auch grundsätzliche Bedenken
an. Der in Aussicht gestellte Zeitgewinn bei einer Etappierung ist
fraglich, erklärt Mediensprecherin Jolanda van de Graaf der
RZ. Weil dieses Vorgehen laut ASTRA einige Um- und Rückbauten sowie
zusätzliche Installationen nötig macht, sind die Kosten um
einiges höher.
Trotz dieser Bedenken aus Bern hält Sektionschef
Christian Pfammatter die Etappierung für machbar. Der vorhandene
Sondierstollen sei als Fluchtweg zwar etwas gar klein, räumt auch
er ein. Man sei jetzt aber dabei, verschiedene Verkehrsführungen
zu prüfen. Doch auch der für den Autobahnbau im Oberwallis verantwortliche
kantonale Sektionschef dämpft gegenüber der RZ die Erwartungen:
Wir werden Visp nicht so schnell helfen, wie viele hoffen.
Provisorium frühestens 2006
Fakt bleibt also: Visp wird frühestens in acht bis zehn Jahren
im Süden umfahren werden. Der Bau einer provisorischen Umfahrungsstrasse
über Lalden und Baltschieder ist nötiger denn je. Nachdem das
Bundesgericht die Einsprachen im letzten Jahr gutgeheissen hat, muss der
Kanton nochmals über die Bücher. Das haben auch die Oberwalliser
Staatsratskandidaten im Wahlkampf versprochen. Auf den Sommer 2006
muss eine Lösung her, bekräftigte der Visper Staatsrat
Thomas Burgener vergangene Woche gegenüber der RZ. Gegenwärtig
wird das Projekt der Rhonekorrektur auf diesem Abschnitt erarbeitet. In
diesem Zusammenhang wird auch die provisorische Umfahrung nochmals auf
den Tisch kommen. Laut Burgener muss ein neues Auflageprojekt mit den
Gemeinden Lalden und Baltschieder sowie mit den Umweltverbänden diskutiert
werden. Neue Einsprachen müssen sofern irgendwie möglich
verhindert werden.
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