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Geimen / Naters / Luzern / Er ist Direktor der Schweizerischen Hotelfachschule und Heimweh-Walliser: Die RZ hat Kurt Imhof in seinem Feriendomizil in Geimen ob Naters zum Interview getroffen, in dem er über die Fernsehserie zur Hotelfachschule Luzern, die Probleme der Hotellerie und die Vergleiche mit Österreich spricht.
Von German Escher
Markus Pianzola
Am Sonntag beginnt die Doku-Serie über die Hotelfachschule. Was darf der Fernsehzuschauer erwarten?
Die siebenteilige Doku-Serie zeigt den Alltag in der Hotelfachschule. Es wird auch die eine oder andere Situa
tionskomik zu sehen sein, handelt es sich doch um junge Erwachsene, die beispielsweise in der Küche oder im Service arbeiten. Die Zusammenarbeit mit dem TV-Team jedenfalls hat Spass gemacht.
Die Fernsehkritiken am „Traumjob“ mit Herrn Marquard sind durchwegs schlecht. Haben Sie keine Angst, von TV-Kritikern zerrissen zu werden?
Eigentlich nicht. Als die Anfrage vom Schweizer Fernsehen kam, haben mich einige Leute vor möglichen Gefahren gewarnt. Trotzdem habe ich spontan zugesagt: Letztlich kann auch das Fernsehen nur das zeigen, was sich bei uns auch wirklich ereignet hat. Und zu dem stehen wir. Wahrscheinlich werden wir nicht nur Lob, sondern auch Kritik erhalten – sicherlich jedoch Beachtung, wie es immer bei solchen Sendungen ist. Die Verantwortung trägt aber letztlich SF DRS.
Welche Rolle spielen Sie in der Serie?
Eine sehr zurückhaltende. Da ist mein Hund Miro, das Maskottchen der Schule, schon häufiger zu sehen und er ist auch telegener als ich (lacht herzhaft).
Die Sendung ist auch eine einmalige Werbeplattform für die Schule?
Ich hoffe es. Sicher, für uns ist es eine einmalige Gelegenheit, auch Menschen ausserhalb der
Hotelbranche einen Blick in unsere Schule zu ermöglichen.
Hat die Hotelfachschule Rekrutierungsschwierigkeiten?
Überhaupt nicht. Die Hotelfachschule hat eine Warteliste bis Herbst 2007. Uns geht es auch nicht darum, mit der TV-Sendung zusätzlich Studenten anzuwerben. Wir wollen den TV-Zuschauern diesen Einblick in den Schulalltag ermöglichen. Das ist eine einmalige Chance. Deshalb haben wir auch zugesagt.
Der Ruf der Schweizer Hotellerie hat in den letzten Jahren gelitten. Spürt das auch die Hotelfachschule?
Nein. Aber wir fühlen uns mitverantwortlich. Allerdings: Die Vergleiche sind oft nicht ganz fair. Man darf nicht Ferienhotellerie im Ausland mit Alltagsgastronomie in der Schweiz vergleichen. Wenn ich in Wien in einem Restaurant sitze, werde ich unter Umständen von einem Pakistani bedient. Wenn ich beispielsweise ins „Ferienart“ nach Saas Fee gehe, werde ich von freundlichem Schweizer Personal bedient.
Wie gross ist eigentlich das Interesse der Oberwalliser an der Schweizerischen Hotelfachschule in Luzern?
Erfreulicherweise sehr gross. Das Wallis ist für uns der siebtwichtigste Herkunftskanton. An der Schweizerischen Hotelfachschule in Luzern wird auf Deutsch unterrichtet. Deshalb haben wir nur wenige ausländische Studenten, die vorwiegend aus Deutschland stammen.
Immer mehr Hotels kämpfen ums Überleben – auch im Oberwallis. Was läuft falsch?
Zum einen hat die Hotellerie strukturelle Probleme. Im Wallis gibt es auf 110 Einwohner einen alkoholführenden Betrieb. Das kann volkswirtschaftlich nicht aufgehen. Früher wurden die Hotelbetriebe oft als Nebenerwerb geführt. Solche Kleinhotels bieten heute eine zu schmale wirtschaftliche Basis, um eine ganze Familie zu ernähren. Zum andern haben gerade im Wallis Generationen auf den Hotelbetrieben gelebt, ohne an die Erneuerungen zu denken. Das Investitionsdefizit in der Hotellerie ist enorm. Das kann eine Generation fast nicht mehr aufholen.
Also haben wir zu viele Hotels im Oberwallis?
Das stimmt. Oder anders formuliert: Es gibt zu wenig gute Hotels im Oberwallis.
Wer die Oberwalliser Hotellerie analysiert, stellt fest: Wir haben sehr wenig Vierstern- und praktisch keine Fünfstern-Häuser. Sind unsere Hotels schlechter als jene im Bündnerland?
Das glaube ich nicht. Man darf nicht zu selbstkritisch sein. Dieselben Fragen stellen sich nämlich auch die Bündner. Wir müssen uns im Oberwallis primär auf unsere Stärken besinnen. Konkret heisst das: Saas Fee spricht nicht dasselbe Gästesegment wie Zermatt an. Brig als Etappenort beispielsweise hat ein anderes Zielpublikum als Leukerbad. Wer für sich das richtige Segment findet, hat durchaus gute Chancen. So skeptisch, wie die Stimmung in der Hotellerie dargestellt wird, bin ich nicht. Aber eines ist klar: Der Hote-lier muss seine Hausaufgaben richtig machen.
Trotzdem: Es werden laufend Hotels in Appartements umgebaut?
Wir sind in einem Hochpreisland. Da stimme ich Peter Bodenmann zu: In der Schweiz ist alles zu teuer. Wenn die Rentabilität nicht mehr stimmt, bleibt oft nur der Umbau in Appartements. Der Markt reguliert hier selber – und das nicht zum Schlechten.
Müssen wir uns im Hochpreissegment profilieren?
Richtig. Es gibt Kunden, die bereit sind, den Preis für die entsprechende Leistung zu bezahlen. Aber es gibt auch andere Segmente: Was beispielsweise Peter Bodenmann mit seinem Hotel macht, stimmt. Er hat das passende Hotel, um den Busunternehmen entsprechende Arrangements anzubieten. Und letztlich profitiert das ganze Städtchen von den Gästen.
A propos Preis: Sind wir wirklich soviel teurer?
Nein. Norditalien beispielsweise ist teurer. Aber wir sehen primär das Schlechte. Ein kleines Beispiel: Wenn ich in Italien durch die Küche gehen muss, um zur Toilette zu gelangen, findet man das noch amüsant. Bei uns würden wir so etwas nie akzeptieren.
Solche Situationen gibts bei uns aber auch. Sie haben den gigantischen Investitionsbedarf bereits erwähnt.
Da wurde wirklich gesündigt. Die Erben, die heute ein Hotel übernehmen, sind oft mit einem enormen Renovationsbedarf konfrontiert. Es gibt an unserer Schule immer wieder Studenten, die sich fragen, ob sie wirklich den elterlichen Betrieb übernehmen sollen oder nicht. Ganz schwierig ist die Situation, wenn der Junghotelier noch seine Geschwister auszahlen muss.
Sollte der Staat die Hotellerie finanziell stärker stützen oder handelt es sich um einen notwendigen Strukturwandel?
Die Unterstützung darf nicht nach dem Giesskannenprinzip erfolgen. Es muss der Grundsatz Hilfe zur Selbsthilfe angewandt werden. Der Tourismus und auch die Hotellerie haben volkswirtschaftlich im Wallis eine enorme Bedeutung und verdienen deshalb auch eine flankierende Unterstützung.
Die Gebäude sind das eine, die Ausbildung das andere.
Richtig. Man kann ein Hotel nicht mehr so nebenbei führen. Viele unserer Hotels kranken am Management. Viele Hoteliers können kaum Erfolgsrechnungen und Bilanzen interpretieren. Einmal pro Jahr mit dem Treuhänder zusammensitzen und sich nach dem Gewinn erkundigen, das geht heute nicht mehr. Die Ausbildung ist zentral.
Trotzdem hat das Wallis die Wirte- und Hotelierkurse gekürzt?
Ich habe die Aufhebung der bisherigen Wirtekurse begrüsst. Es gilt die Handels- und Gewerbefreiheit. Jeder, der einen Betrieb übernehmen will, muss sich selber um seine Aus- und Weiterbildung bemühen.
Viele Jugendliche wollen nicht in die Hotelbranche einsteigen, weil die Aufstiegsmöglichkeiten gering sind. Teilen Sie diese Einschätzung?
Die Abgänger unserer Schule müssen vor dem letzten Semester bereits in einer Kaderposition sein. Wenn ich die Stellen sehe, die unseren Studenten unterbreitet werden, muss ich sagen: Das Angebot ist beachtlich. Allerdings: Rund ein Drittel unserer Absolventen arbeiten später im Ausland. Wer einmal in die Grosshotellerie einsteigt, bleibt häufig auch dort.
Ist unsere Hotellerie zu klein strukturiert?
Es gibt das sogenannte 100-Prinzip: Ein Hotel sollte 100 Einheiten zum Schlafen haben, eine Hotelkette müsste 100 Betriebe haben, damit sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt. Kleine Familienbetriebe sind heute benachteiligt. Damit will ich nicht sagen, dass Kleinhotels bei uns keine Chancen mehr haben. Aber es braucht ein professionelles Engagement.
Müssten die kleineren Hotels nicht Kooperationen prüfen, um beispielsweise gemeinsam den Wareneinkauf zu tätigen und so Kosten zu sparen?
Hotelkooperationen wären wünschenswert. In Südtirol gibts beispielsweise eine zentrale Stelle, die für alle Hotels die Löhne und Abrechnungen mit den Sozialkassen macht. Das setzt aber einen Willen zur Kooperation voraus.
Da gäbe es auch einheitlichere Löhne?
Nicht die Löhne, sondern die Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter sind das primäre Problem in unserer Branche. Die Hotellerie braucht neue Arbeitszeitmodelle. Jeder Mitarbeiter sollte mindestens drei Wochen im voraus wissen, wann er arbeiten muss. Zudem sollte er seine Arbeit in Blockzeiten machen können. Mitarbeiterführung ist eine wesentliche Aufgabe. Während 80 Prozent der Arbeitszeit spricht der Hotelier mit Menschen, mit seinen Gästen, den Mitarbeitern und den Lieferanten. Ein Buchhalter muss mit Zahlen umgehen können, ein Koch mit Lebensmitteln. Ein Mechaniker muss mit Maschinen und ein Hotelier muss mit Menschen umgehen können. Ein Gastgeber ohne Gefühl für Menschen ist wie ein Schreiner ohne Gefühl für Holz. Oder anders ausgedrückt: für den Gastgeberberuf braucht es die 4 M: Man muss Menschen mögen.
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