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Kurz vor der Abstimmung über die Abkommen von Schengen und Dublin sind die Meinungen im Grenzdorf Gondo gemacht
Das Grenzdorf Gondo – und Schengen


 

Gondo / Oberwallis / Die Abstimmung vom kommenden Sonntag über die Abkommen von Schengen und Dublin wirft hohe Wellen in der gesamten Schweiz. Befürworter und Gegner halten sich mittlerweile fast die Waage. Viele Stimmberechtigte sind noch unschlüssig. Zu kompliziert die Vorlage für die einen, zu unsicher die gemachten Aussagen für die anderen. Doch in Gondo, im einzigen Oberwalliser Grenzort, sind die Meinungen mehrheitlich gemacht. Auch wenn sich viele, unter anderem auch der Gemeindepräsident, nicht äussern wollten – mehrheitlich wird Schengen/Dublin abgelehnt. Die RZ hat sich vor Ort umgehört.

Von Ruth Seeholzer

Annemarie Squaratti (41):
"Keine Angst vor Schengen"
„Ich habe keine Angst, dass unser Grenzposten geschlossen wird. Schliesslich kommen gar wieder zwei neue Beamte auf anfangs August nach Gondo. Sie ziehen mit ihren Familien hierher. Und das ist für unser Dorf sehr wichtig. Ich habe auch grosses Vertrauen in unsere Zöllner. Mit ihrer Menschenkenntnis erkennen sie sofort, wenn bei jemandem etwas nicht in Ordnung ist.“

Simon Squaratti (46):
„Alles kann hereinkommen“
„Es kann sicher ein Vorteil sein, wenn man frei über die Grenze gehen kann, ohne kontrolliert zu werden. Der Nachteil an Schengen ist, dass danach alle möglichen Leute über die Grenze kommen können. Das gefällt mir gar nicht. Und so viel ich weiss, werden nachher einige Arbeitsplätze beim Zoll abgebaut. Für einige mag Schengen gut sein. Für uns in Gondo ist es das nicht.“

Josef Sarbach, Pfarrer von Gondo und Simplon-Dorf:
„Hier ist man mit dem Fremden vertraut“
Auf die Stimmung in Gondo bezüglich der Abstimmung vom diesem Sonntag angesprochen, will Pfarrer Josef Sarbach keine Prognose abgeben. Doch er ist der Überzeugung, dass die Bewohner der Simplon-Südseite ein offenes Herz haben und die Begegnung mit den ‚Fremden‘ gewohnt sind. „Schon von früher her hatte man hier, gerade wenn der Pass im Winter noch gesperrt war, recht enge Beziehungen zum Nachbarland Italien“, weiss der Dorfpfarrer. Auch heute noch würden sehr viele Bewohner von Gondo und Simplon-Dorf gerne „ins Welsche“ gehen, wie man hier für Italien sagt, um eine feine Pizza zu essen oder einen schönen Einkaufsbummel zu machen.
„Zu Schengen möchte ich nur soviel sagen: Wir dürfen uns nicht einigeln. Mit dem Internet lassen wir auch jeden Tag alles mögliche Fremde bis in unsere gute Stube hinein. Warum wollen wir dann die Türe verschliessen?“ Ein Grenzort lebe doch vom Hin und Her, meint Pfarrer Sarbach weiter. Und: „Wir können nicht den Füüfer und das Weggli haben.“
Er ist sich allerdings auch bewusst, dass das weitere Bestehen der Zollstation in Gondo sehr wichtig ist für die Bewohner der Simplon-Südseite. „Falls beim Zoll abgebaut wird, werden die Leute nein stimmen.“

Gondoneser Zollbeamte:
„Kein Kommentar!“
Alle diensthabenden Zölllner wie auch der Gemeindepräsident von Gondo wollten keine Stellung zur Abstimmung von Schengen/Dublin beziehen.

Marion Minnig (21) und Jules Minnig (68):
„Schengen bringt Ärger“
Für Marion Minnig, die den Tankstellenshop ihrer Eltern in Gondo übernehmen will, ist der Fall klar: „Wenn die Grenzen geöffnet werden, hat niemand mehr eine Kontrolle, wer alles in die Schweiz kommt. Die Grenzstation gibt uns eine gewisse Sicherheit. Es sollte einfach alles so bleiben, wie es ist.“ – Auf die Frage, dass doch die Bewohner von Gondo die „Fremden“ gewohnt seien und ob denn das alles böse Menschen seien, antwortet die junge Frau: „Nein, denn wir wissen, dass sie kontrolliert worden sind von unseren Zöllnern.“
Ihr Vater, Jules Minnig, ist nicht ganz derselben Meinung wie seine Tochter: „Ich war eigentlich immer für Schengen. Aber das Abkommen hat Vor- und Nachteile. Für mich wäre eigentlich wichtiger der freie Warenverkehr, nicht der freie Personenverkehr.“ Woran wiederum die Schweizer Bauern keine Freude hätten. „Ja, die Bauern müssten sich halt auch umstellen“, ist Jules Minnig überzeugt.

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