D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
Peter Oggier, Biologe und Geschäftsführer des Erlebnisraumes Pfyn-Finges
„Das Wallis hat ein absolut unglaubliches Naturpotenzial“


 

Pfyn / Salgesch / Er ist kein Grüner. Aber die Natur mit ihren Wundern ist sein Leben. Peter Oggier ist Biologe und Geschäftsführer des Erlebnisraumes Pfyn-Finges. Wer ihn einmal als Leiter einer ornithologischen Exkursion erlebt hat, schwärmt von seinem ansteckenden Enthusiasmus, von seiner Art, die Vorzüge der Walliser Natur den Menschen näher zu bringen. Zudem generiert Peter Oggier mit seinen Exkursionen Geld. Ziemlich viel Geld sogar. Er sagt: „Ich muss den Leuten zeigen, dass wir mit der Natur einen Mehrwert für die ganze Region erzeugen können.“

Von Ruth Seeholzer
Walter Bellwald

Sie kommen gerade von einer geführten Vogelbeobachtung. Konnten Sie Ihren Gästen etwas Interessantes bieten?
Ja. Ich war die letzten Tage mit Privatkunden unterwegs. Dabei haben wir ein paar ganz schöne Sachen gesehen, unter anderem Wiedehopfe und Steinrötel, beides sehr seltene Vogelarten, wobei letzterer sich auch in der Luft speziell präsentiert. Die ganze Gruppe war extrem beeindruckt.

Welche Leute lassen sich von Ihnen durch den Pfynwald führen?
Wir haben eine grosse Palette von verschiedenen Leuten. Bei den ornithologischen Führungen handelt es sich momentan ausschliesslich um Deutschschweizer im Alter von vierzig an aufwärts. Diese haben einen guten Job, können mal einen Tag frei nehmen und unsere Angebote, die ihren Preis haben, auch bezahlen.

Also ist das eine Art Marktlücke, was Sie anbieten?
Ja, auf alle Fälle. Untersuchungen zeigen, dass der Natur- und Ökotourismus eine der grossen Wachstumsbranchen ist für die nächsten Jahre. In der Schweiz ist diese Art von Tourismus noch gar nicht etabliert. In England zum Beispiel sind grosse Reiseveranstalter nur auf diese Branche spezialisiert. Und sie boomt. Unser Gebiet hier rund um den Pfynwald ist in dem Sinn speziell, als dass wir eine sehr grosse Artenvielfalt besitzen, die Interessierte aus Nah und Fern anzieht.

Sie haben Erfolg?
Ja, unsere Angebote laufen sehr gut. Wir konnten letztes Jahr bis zu zweihundert Übernachtungen kreieren, und das nur innerhalb von sechs Wochenenden. Für ornithologische Beobachtungen gibt es eine relativ kurze Zeitspanne pro Jahr.

Warum kommen diese Leute ausgerechnet in den Pfynwald und Umgebung?
Die ganzen Gebiete ringsum sind sehr interessant. Die Trockenhänge, die alpine Zone, der Pfynwald selber, die Landwirtschaft an den Hängen. Der Pfynwald hat, was seine Artenvielfalt anbelangt, europäische Bedeutung.

Kommen auch Einheimische auf Ihre Führungen?
Es kommen viele zu den Führungen im Pfynwald selber. Wir haben Nachmittags- und Tagesexkursionen mit Fachleuten, zum Beispiel über Reptilien, Amphibien oder Käfer. Da gibt es einen ganzen Katalog von Angeboten. Diese nehmen die Walliser gerne wahr. Häufig kommen ganze Familien.

Aber der grösste Teil sind Touristen?
In der Zwischensaison sind es eher die Einheimischen. Aber jetzt fängt es dann an mit den Touristen, auch von den Campingplätzen. Die Vogelbeobachtungen zum Beispiel sind ein Nischenprodukt, weil wir die nur von Januar bis Juli machen können. Aber das ist gerade das Interessante daran. Auch von der wirtschaftlichen Seite, weil wir damit in der Zwischensaison liegen. Wir haben neu Angebote wie zum Beispiel „Goût und Natur“. Da beobachten wir am Tag die Fische. Am Abend zeigt uns ein Experte, wie man sie filetiert. Danach kochen wir zusammen. Dasselbe Angebot gibt es mit Pilzen und Schnecken.

Was erhoffen Sie sich davon?
Damit wollen wir auch einen grösseren Kreis von Interessierten ansprechen. Wir möchten die Leute von einer anderen Seite an die Natur heran bringen. Denn wir haben hier ein Naturpotenzial, das absolut unglaublich ist. Es gibt Möglichkeiten, mit der Natur zusammen etwas aufzubauen, das auch einträglich ist. Und das möchten wir unserer Bevölkerung hier aufzeigen. Zudem müssen wir nicht erst teure Infrastruktur aufstellen. Die Natur ist bereits da. Wir müssen sie nur sehen. Sie den Interessierten zeigen. Und sie valorisieren, also ihnen einen Wert geben.

Welchen Bezug haben die Walliser zur Natur?
Einen sehr guten. Nur sind sie sich dessen manchmal gar nicht bewusst. Wir müssen aufhören, die Walliser für etwas zu beschuldigen, das sie gar nicht gemacht haben. Im Wallis existiert immer noch eine wunderschöne Natur. Vor allem im Oberwallis. Wenn man sich die Talebene ansieht, da gibt es immer noch viele schöne Orte zum Spazieren. An den Hängen sowieso. Der Walliser hat eine enge Beziehung zur Natur. Nur kennt er eben die Details nicht. Das ist aber auch klar.

Und Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, den Einheimischen die Details zu zeigen?
Ja, ich möchte den Leuten zeigen, welche Naturwerte sie hier haben. Ich kann zum Beispiel nicht zum Hoteldirektor gehen und sagen: Schau, welch seltenes Blümlein ich hier habe. Ich muss ihm zeigen, dass die Existenz eines solchen Blümleins ihm viele Übernachtungen bringen kann. Es ist natürlich schon etwas desillusionierend, wenn man nur über Geld spricht. Aber Geld ist nun mal unser kleinster gemeinsamer Nenner. Das ist die Sprache, die alle verstehen. Wir haben bereits Arbeitsplätze geschaffen im Pfyn-Finges. Ich muss den Leuten zeigen, dass wir mit der Natur einen Mehrwert erzeugen können.

Der Erlebnisraum Pfyn-Finges soll, wenn es nach dem Willen seiner Initianten geht, zu einem Naturpark Wallis werden. Diese Bezeichnung würde vor allem das Fliessen von öffentlichen Geldern ermöglichen?
Das ist klar. Erstens wollen wir eine Unterstützung. Dann aber auch eine Anerkennung, eine Positionierung. Momentan sind wir ein Verein, getragen von allen Gemeinden und Burgergemeinden der Region. Aber wir haben einen rechtlichen Status wie jeder andere Verein auch. Wenn wir jedoch ein Park sind, haben wir einen offiziellen Status. Wir bekommen dann vom Staat nicht einfach nur Geld, sondern auch einen Leistungsauftrag. Im Übrigen weiss man, dass jeder in einen Park investierte Franken zwei bis drei Franken hereinspielt. Es ist also eine sinnvolle Unterstützung.

Wie gross würde ein Naturpark Wallis im Pfynwald sein?
Momentan ist beim Kanton Wallis ein Gesuch hängig, damit der Erlebnisraum Pfyn-Finges zu einem Naturpark Wallis wird. Der ist siebzehn Quadratkilometer gross, von der Ebene bis hinauf zum Gorwätsch. Wir machen zuerst einen Naturpark nach Walliser Gesetzgebung. Denn der Kanton Wallis ist der einzige Schweizer Kanton, der eine solche Gesetzgebung hat. Beim Bund existiert sie noch nicht.

Was muss gemacht werden, damit ein Gebiet neu zu einem Naturpark gehört?
Der Pfynwald ist seit 1997 unter Schutz gestellt. Zuerst wollen wir nur dieses Gebiet betrachten. Die Gemeinden und Burgergemeinden von Siders, Salgesch, Varen und Leuk haben für Pfyn-Finges schon viel investiert. Später schaut man dann weiter, Richtung Agarn, Emserberge, Turtmanntal, Mollens und so weiter. Aber das ist ganz klar ein zweites Projekt.

Weckt das Ängste in der Bevölkerung?
Ganz klar. Es ist unsere Aufgabe, der Bevölkerung nicht nur die Einschränkungen, die ein Park mit sich bringt, aufzuzeigen, sondern auch die enormen Chancen. Dann aber ist es an den Gemeinden und Burgergemeinden selber, diese Chancen zu packen oder nicht. Pfyn-Finges und andere Parkprojekte müssen immer von den Standortgemeinden getragen werden, sonst funktionieren sie nicht.

Was könnte der Ansporn sein für solche Gemeinden, um Teile ihres Gebietes in einen Naturpark auszuscheiden?
Die Ausscheidung von Parks ist für Randregionen wie das Wallis eine einmalige Chance. Aber wie gesagt, das ist momentan alles noch in der Schwebe. Aber wir haben wenigstens den grossen Vorteil, dass wir kantonal eine sehr gute Gesetzgebung haben. Andere Regionen der Schweiz, die einen Park aufbauen wollen, müssen immer noch auf den Bund warten.

Ihr Anliegen kommt vor den Walliser Grossen Rat?
Ja, wir rechnen damit, dass dies in allernächster Zeit passiert. Das wird spannende Diskussionen geben. Als erstes hinterlegtes Parkprojekt werden wir wohl auch viele Grundsatzdiskussionen auslösen. Wie stellen sich Ober- und Unterwalliser zu einem Projekt im Mittelwallis? Erkennt man die Chancen solcher Parks im Parlament? Aber das sind wichtige Diskussionen, die geführt werden müssen.

Sobald die Kantonsstrasse, die heute noch durch den Pfynwald geht, auf das alte Bahntrassee der SBB am rechten Rottenufer verlegt wird, haben Sie freie Bahn für die Errichtung des Erlebnisraumes Pfyn-Finges, der schon lange geplant ist?
Der Bau der Autobahn beeinflusst unsere Planung natürlich stark. Danach wird sich einiges ändern. Die Zugänge werden künftig ganz anders sein. Es wird separate Wege für Velofahrer, Wanderer oder Reiter geben. Ein Teil des Pfynwaldes darf künftig nur noch auf beschilderten Wegen begangen werden.

Das Projekt dieses Naturparkes Pfyn-Finges ist in der Bevölkerung nicht unumstritten?
Wir müssen den Leuten mittels Nutzungsplänen ganz klar aufzeigen, dass man auch künftig immer noch sehr viel machen kann im Pfynwald. Es gibt z.B. Gebiete fürs Reiten und Gebiete für Naturbeobachtungen. Und wenn man erklären kann, dass so ein Park auch einen finanziellen Wert aufweist, der Gäste in die Region bringt, dann sieht das mit den Einschränkungen schon wieder anders aus.

Etwas Entscheidendes, das in dieser Region fehlt, sind Übernachtungsmöglichkeiten. Ein paar Hotelbetten und zwei, drei Campingplätze genügen doch nicht für das touristische Konzept, wie es im Pfynwald vorgesehen ist?
Ich habe die Hoffnung, dass wir eines Tages Briefe schreiben dürfen im Sinne von: ‚Wir haben solch einen grossen Zulauf bei unseren Projekten und Angeboten, bitte kümmern Sie sich darum, dass in der Region weitere Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden.’ Auch gibt es in unserer Region einige leer stehende Hotels, die wieder in Betrieb ge-nommen werden könnten, sowie interessante Initiativen zur Schaffung von mehr Übernachtungsmöglichkeiten.

Eine Hypothese: Wir laufen im Jahr 2015 durch den Pfynwald. Was sehen und erleben wir?
Es wird möglich sein, dass ich Ihnen einen ganzen Tag Natur pur bieten kann. Sie werden kaum Verkehrsmittel sehen und hören. Sie hören nur die Natur. Sie spüren die Natur, die Hitze, die Kälte. Und Sie werden es sehr speziell finden, dass es mitten in der Talsohle ein solch grosses Naturparadies gibt.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
Heute & morgen

/

/


RZ-Newsletter
Email-Adresse eingeben und Sie werden informiert:
Suchen


Have a look at: