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Brig / Gondo / Der Autoverlad am Simplon erfreut sich steigender Beliebtheit: Rund 32’000 Autos verkehrten seit der Inbetriebnahme im Dezember vergangenen Jahres auf dem Zug durch den Simplon. Während sich die SBB freuen, schaut man auf der Simplonsüdseite in die Röhre. Durch den Autoverlad bleiben die Gäste aus. Die Folge: Leere Kassen und lange Gesichter.
Von Walter Bellwald
Tankstellenbesitzer Anton Jordan spricht Klartext: „Mit dem Autoverlad hat man uns alles genommen. Es verkehren weniger Autos über den Simplon und dadurch kommen weniger Gäste zu uns.“ Auch Stefan Guntern vom Hotel Simplonblick sieht schwarz für die Zukunft der Region: „Ohne Passverkehr ist unsere Ex-istenz gefährdet.“
Passfahrer bleiben aus
Seit der Inbetriebnahme des Autoverlads durch den Simplontunnel am 12. Dezember vergangenen Jahres sind die Simpiler und Gondonesi nicht mehr gut auf die SBB zu sprechen. Der Grund: Immer mehr Einheimische und Gäste fahren statt über den Simplonpass durch den Simplontunnel in den Süden. Dadurch geht dem Gewerbe auf der Simplonsüdseite eine überlebenswichtige Einnahmequelle verloren. Kommt hinzu, dass in den vergangenen Wochen durch die Sperrung der Passstrasse auf italienischer Seite sogar die letzten Reiselustigen ausblieben. „Es ist eine Katastrophe“, wettert Anton Jordan, „wir haben nicht nur einen argen Geschäftsrückgang zu verzeichnen. Bei uns lief die letzten drei Wochen rein gar nichts, null.“ Trotz mehreren Interventionen bei den italienischen Behörden zeigten diese kein Verständnis für die Anliegen der Gondonesi und liessen sich nicht davon abbringen, die Strassenarbeiten zu verrichten.
Kanton im Kreuzfeuer
Inzwischen ist die Passstrasse wieder durchwegs befahrbar. Trotzdem bleiben die Sommerfrischlinge mehrheitlich aus und das Gewerbe auf der Simplonsüdseite schaut buchstäblich in die Röhre. Die Schuld für die eigentliche Misere sieht Jordan in der Politik des Kantons. „Dass der Kanton Wallis eine Defizitgarantie von zwei Millionen Franken für den Autoverlad am Simplon übernimmt, finde ich sehr fragwürdig. Damit werden alle Geschäfte auf der Simplonsüdseite ruiniert.“ Auch Stefan Guntern sieht die Existenz einer ganzen Region gefährdet: „Wenn der Transitverkehr nicht mehr gewährleistet ist, können wir zumachen.“ Seiner Meinung nach müsste sich auch Wallis Tourismus mehr für die Belange der Region einsetzen: „Die wenigsten Urlauber wissen, dass die Simplonpassstrasse nach der Sperre auf italienischer Seite wieder offen und normal befahrbar ist. Hier sind die Touristiker gefordert, um die Gäste darauf aufmerksam zu machen, dass der Verkehr am Simplon wieder reibungslos funktioniert.“
Bis zu 700 Fahrzeuge täglich
Derweil freuen sich die SBB über die steigenden Zahlen am Simplon-Autoverlad. 32’000 Fahrzeuge wurden seit der Inbetriebnahme vor rund sechs Monaten befördert. Tendenz steigend. „Ja, das ist richtig“, bestätigt Andreas Maurer, Regionsleiter Personenverkehr Wallis, den Trend. „Durch die Schliessung der Passstrasse auf italienischer Seite sind unsere Frequenzen stark gestiegen. An Spitzentagen verkehrten bis zu 700 Fahrzeuge durch den Simplontunnel.“ Aber auch sonst zeigt man sich mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. „Unser Ziel bleibt es nach wie vor, bis Ende Jahr rund 50’000 Fahrzeuge zu transportieren. Das ist durchaus realistisch.“ Um der steigenden Nachfrage ge-recht zu werden, setzen die SBB seit dem vergangenen Samstag eine zusätzliche Zugskomposition ein. „Damit wollen wir die Taktfahrplanlücke über Mittag schliessen.“ Auf die negativen Auswirkungen des Autoverlads auf der Simplonsüdseite angesprochen, gibt sich Maurer kämpferisch: „Ich glaube nicht, dass durch den Autoverlad viel weniger Gäste auf der Simplonsüdseite einkehren. Dass die Gewerbetreibenden dadurch einen grossen Verlust einfahren, ist wohl leicht übertrieben.“
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