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Wallis / Zwiespältige Bilanz ein halbes Jahr nach der Einführung der 0,5-Promillegrenze: Die Zahl der Unfälle im Strassenverkehr im Kanton Wallis ist zwar um 14 Prozent zurückgegangen, dennoch sind immer noch (zu) viele alkoholisierte Fahrer unterwegs.
Von Walter Bellwald
„Wir haben unser Ziel erreicht“, stellt Renato Kalbermatten, Pressesprecher der Kantonspolizei, mit Genugtuung fest. Sechs Monate nach der Einführung der 0,5-Promillegrenze ging die Zahl der Unfälle auf Walliser Strassen drastisch zurück. Trotzdem: Die Zahl derer, die unter Alkoholeinfluss fahren, ist weiterhin extrem hoch.
Alarmierende Zahlen
Seit Inkrafttreten der neuen Regelung mussten nicht weniger als 184 Automobilisten mit einem Alkoholwert zwischen 0,5 und 0,79 Promille verzeigt werden. Noch drastischer fällt die Bilanz jener Fahrer aus, die über 0,8 Promille im Blut hatten: 601 Personen mussten das Permis an Ort und Stelle abgeben, was einer Zunahme von 18 Prozent der angehaltenen Personen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das ergibt im Schnitt hundert Personen pro Monat oder drei Lenker pro Tag(!), die stark alkoholisiert auf unseren Strassen unterwegs sind und sich und andere Automobilisten gefährden. Alarmierende Zahlen! Das sieht auch Renato Kalbermatten so: „Unser Ziel bleibt es weiterhin, die Zahl derer, die unter Alkoholeinfluss fahren, durch rigorose Kontrollen weiter zu mindern.“
Keine Jagd auf Autofahrer
Dennoch will die Walliser Kantonspolizei nach Aussagen von Kalbermatten nicht explizit Jagd auf Alkoholsünder machen. „Unsere Kontrollen wurden diesbezüglich nicht erhöht. Wir sind zwar Tag und Nacht unterwegs, machen aber keine eigentliche Jagd auf die Automobilisten.“ Wer dennoch in eine Kontrolle kommt, der kann ohne ersichtlichen Grund zum Blasen aufgefordert werden: „Bei jeder Kontrolle der Kantonspolizei kann ein Alkoholtest angeordnet werden. Verweigert jemand die Kontrolle, droht im ein Führerausweisentzug von drei Monaten“, so der Polizeisprecher. Wird die Polizei zu einem Unfall gerufen, wird automatisch bei jedem der Beteiligten ein Alkoholtest durchgeführt. „Die meisten Automobilisten reagieren gelassen auf die neuen Massnahmen. Wenn jemand getrunken hat, reagiert er verständlicherweise nicht immer sehr höflich.“
Busse und Gefängnis
Wer mit einem Alkoholwert zwischen 0,5 und 0,79 Promille verzeigt wird, dem droht eine Verwarnung. Dazu muss er eine Verkehrsbusse entrichten. „In gewissen Fällen kann der Ausweis für einen Monat entzogen werden.“ Bei einem Alkoholwert von über 0,8 Promille wird das Permis für mindestens drei Monate entzogen. Und neben einer happigen Busse droht dem Sünder sogar eine Gefängisstrafe. Vor diesem Hintergrund habe sich das Trinkverhalten der Walliser/-innen geändert, ist Kalbermatten überzeugt. „Wir stellen vor allem bei jungen Leuten fest, dass sie sich heute anders organisieren, wenn sie in den Ausgang gehen. Meistens wird ein Fahrer bestimmt, der dann nicht trinkt.“ Auch den Organisatoren von Festanlässen widmet er ein Kränzchen. „Immer mehr Festveranstalter bieten Pendelbusse an. Das bewährt sich sehr gut.“
„Angstmacher-Kampagne“
Trotz der vorwiegend positiven Bilanz im Strassenverkehr fühlen sich vor allem Wirte und Hoteliers von der neuen Gesetzgebung überfahren. Die Werbekampagne „Zwei Glas sind zuviel“, sei unverhältnismässig und schrecke viele Gäste davon ab, ihr Feierabendbier zu trinken. „Es ist eine Angstmacher-Kampagne, wenn man die Leute so hinters Licht führt“, ärgert sich Odilo Zumthurm, Vizepräsident von Gastro Valais (s. Interview). Demgegenüber appelliert Renato Kalbermatten an das Verständnis und die Verkehrssicherheit: „ Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Situation für die Wirte seit der Einführung der neuen Gesetzgebung nicht einfacher geworden ist. Dennoch sollte man vor allem an die vielen Opfer denken, die auf unseren Strassen wegen Alkoholeinfluss unschuldig ihr Leben verlieren. Ein solcher Schicksalsschlag, welcher immer eine ganze Familie trifft, kann nicht mit Geld aufgewogen werden.“
Gommer Gourmet-Taxi
Clevere Idee
Goms / Schluss mit Jammern: Fünf innovative Gommer Wirte haben aus der Not eine Tugend gemacht und holen sich die Gäste seit einem halben Jahr mit dem Gourmet-Taxi direkt ins Haus. Eine Gommer Erfolgsgeschichte.
„Die Leute sind begeistert von diesem Angebot“, strahlt Brigitte Gschwendtner vom „Castle“ in Blitzingen. „Sie können ohne schlechtes Gewissen ein Glas trinken und werden wieder nach Hause gefahren.“ Zusammen mit vier anderen Gommer Restaurationsbetrieben, der „Tenne“ in Gluringen, dem „Hubertus“ in Obergesteln, der „Gommerstuba“ in Niederernen und dem Hotel und Restaurant „Zur alten Gasse“ in Bellwald, hat Familie Gschwendtner vor einem halben Jahr das Gourmet-Taxi ins Leben gerufen. Dabei wird Gästen, die in einem der fünf obgenannten Betriebe essen, zwischen Brig-Glis und Oberwald ein Taxi-Dienst für nur fünf Franken pro Person und einfache Fahrt zur Verfügung gestellt. „Es läuft wie verrückt“, stellt Franziska Gruber von der „Gommerstuba“ mit Genugtuung fest. Auch Heinz Seiler, der die Taxifahrten organisiert, ist zufrieden mit der Nachfrage. „Bisher haben wir im ersten Halbjahr rund 1500 Personen transportiert.“ Noch bis im Dezember wird das Angebot aufrechterhalten. Dann will man sich zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen. „Das Bedürfnis ist da. Darum muss man auch in Zukunft etwas anbieten“, ist Seiler überzeugt.
Odilo Zumthurm, Vizepräsident Gastro Valais
„Schikane für Beizer“
Brig-Glis / Oberwallis / Wie wirkt sich die Senkung der Promillegrenze auf die Oberwalliser Gastbetriebe aus? Odilo Zumthurm, Vizepräsident von Gastro Valais, gibt Auskunft. Wie stark spürt das Gastgewerbe die neue Regelung?
Das fällt unterschiedlich aus. Vor allem die Dorfrestaurants und -beizen mussten Umsatzeinbussen in Kauf nehmen. Demgegenüber haben einige Feriendestinationen parktisch keine Einbussen zu verzeichnen, weil ihr Gästesegment mehr auf Touristen ausgerichtet ist, die nicht mit dem Auto unterwegs sind.
Begrüssen Sie die neue Gesetzgebung?
Jede Einschränkung von Gesetzes wegen ist eine Schikane. Damit werden nicht nur die Beizer bevormundet, sondern auch die Gäste.
Die Verkehrskampagne „Zwei Glas sind zuviel“ hat viele Wirte verärgert...
...weil dieser Ansatz nicht für alle Gäste zutrifft. Viele Leute können mehr als zwei Gläser trinken, ohne dass sie die 0,5-Promillegrenze überschreiten.
Trotzdem wäre weniger mehr...
Natürlich plädieren wir nicht für das Fahren in betrunkenem Zustand. Dennoch: Es ist eine Angstmacher-Kampagne, wenn man die Leute so hinters Licht führt.
Trinken Sie noch Ihr Feierabend-Bier?
Wieso auch nicht? Ich trinke sogar drei Bier, ohne das sich dass auf meine Fahrweise auswirken würde.
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