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Bernd van Doornick, Helipilot der Air Glaciers
„Als Helikopterpilot bewegt man sich oft am Limit“


 

Visp / Er ist einer der erfahrensten Gebirgs-Helikopterpiloten in Europa und hat eine Erfahrung von über 23’000 Flugstunden auf. Bernd van Doornick (60) ist Helipilot bei der Air Glaciers und am kommenden Wochenende mit sei­­­­-ner Flugshow an den Rarner Flugtagen zu sehen. Im RZ-Frontalinterview spricht er über seine Leidenschaft zur Fliegerei, erinnert sich an heikle Momente und sagt: „Zwischendurch stosse auch ich an meine Grenzen.“

Von Walter Bellwald

Sie kommen gerade von einem Transportflug zurück...
Ich habe mehrere Skiliftmasten nach Zinal geflogen.

Sind solche Flüge eher Routine oder ist immer noch eine Herausforderung?
Solche Arbeiten sind doch eher eine Routinesache, obwohl es viel Konzentration und vor allem Fluggenauigkeit braucht. Die Schwierigkeit besteht darin, keine natürlichen Hindernisse zu touchieren und die einzelnen Masten exakt und präzise abzusetzen, damit die Mechaniker die Stützen montieren können. Während dieser Zeit befinde ich mich ein bis zwei Minuten im Schwebeflug über der Baustelle.

Sind solche Flüge?
Das ist immer relativ. Ein gewisses Risiko gibt es überall. Aber grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Helikopterfliegerei sehr sicher ist. Die Technik ist sehr ausgereift und die Maschinen sind sehr gut gewartet. Dazu kommt ein hoher Ausbildungsstandard der Piloten.

Was umfasst Ihr Tätigkeitsgebiet?
Im Sommer stehen vermehrt Transport- oder Montageflüge auf dem Programm. Es kann auch mal vorkommen, dass wir zu einem Rundflug starten. In den Wintermonaten sind es vor allem Heliskiingflüge und Rettungseinsätze, zu denen wir gerufen werden.

Viele Umweltschutzorganisationen fordern ein Verbot von Helikopterlandungen im Gebirge zu rein touristischen Zwecken…
Dafür habe ich kein Verständnis. Im Gegenteil, es ist eine Bereicherung des touristischen Angebots für unsere Region. Die Einwände der Umweltorganisationen sind grundlos. Auch die Waldtiere reagieren bei weitem nicht so sensibel auf den Helikopterlärm, wie das die Umweltschützer wahr haben wollen. Dazu kommt, dass solche Flüge ein unabdingbares Training für die Piloten sind. Davon können wir bei einem Ernstfall letztendlich nur profitieren.

Wie oft wurden Sie bisher zu einem Rettungseinsatz gerufen?
Bis heute habe ich über 5’000 Rettungsflüge gemacht. Dabei konnten wir 136 Menschen aus prekären Situationen retten. Die meisten Einsätze sind aber relativ einfach. Einzig die Bergrettungsaktionen mit Seilwinden gehören zu den anspruchsvolleren Aufgaben.

Wie erleben Sie solche Einsätze?
Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt immer auf die Art des Einsatzes an. Wenn man zu einer schwierigen Rettung gerufen wird, ist die ganze Helikopter- und Rettungscrew gefordert. Dann kommt es auf jeden einzelnen an. Kann man jemanden aus seiner misslichen Situation befreien und ihm helfen, gibt einem das schon ein gutes Gefühl. Andererseits ist es frustrierend, wenn man eine Person nur noch tot bergen kann.

Kommen wir zu Ihren Anfängen. Ihr Werdegang zum Meisterpiloten ist sehr ungewöhnlich...
In der Tat. Ich habe nach meiner Schulzeit in Grenchen eine Lehre als Werkzeugmacher in der Uhrenindustrie gemacht. Weil ich mich schon als kleiner Junge immer für die Fliegerei interessierte, wollte ich später unbedingt das Helikopterbrevet machen. Aber leider blieb mir dieser Traum verwehrt, weil es mir am nötigen Kleingeld fehlte. Schliesslich entschloss ich mich, nach Kanada auszuwandern und dort das Brevet zu machen.

Wie kamen Sie auf diese verrückte Idee?
Nachdem ich bei der „Swiss Army“ mit meinem Vorschlag nach einer Helikopterausbildung abgeblitzt war und die Ausbildung zum Helikopterpilot ganz einfach zu teuer war, blieb mir keine andere Wahl, als mich in einem anderen Land umzusehen, um meinen Bubentraum zu verwirklichen. So bin ich auf die kanadische Botschaft nach Bern gegangen und habe ein Visum beantragt. Innert drei Wochen bekam ich grünes Licht aus Montréal. Schliesslich bin ich mit 22 Jahren in die kanadische Metropole ausgewandert und habe hier auf meinem Beruf gearbeitet. Als ich 7’500 Dollar zusammengespart hatte, habe ich in Toronto das Helikopterbrevet gemacht.

Wie lange sind Sie letztendlich in Kanada geblieben?
Bereits zweieinhalb Monate nach meiner Ausbildung bekam ich eine Anstellung und unternahm meine ersten alleinigen Flüge. Insgesamt blieb ich schliesslich acht Jahre in Kanada.

Warum sind Sie wieder in die Schweiz zurückgekommen?
Nach einem ferienbedingten Aufenthalt in der Schweiz bewarb ich mich ganz unverbindlich bei der Rega. Hier empfahl man mir dann, mit meiner Flugerfahrung bei der Air Zermatt vorstellig zu werden. So kam es, dass ich eines Tages unangemeldet nach Zermatt gefahren bin und bei der Air Zermatt vorgesprochen habe. Schon nach kurzer Zeit waren wir uns einig und ich konnte meine Stelle antreten. Schliesslich bin ich 17 Jahre lang bei der Air Zermatt geblieben, bevor ich 1992 zur Air Glaciers wechselte.

Was fasziniert Sie am Fliegen?

Vor allem die Mobilität und Beweglichkeit faszinieren mich. Dazu kommt die Präzision und Genauigkeit, mit der man diese Maschinen lenken kann. Schliesslich sind es auch die vielen Einsatzmöglichkeiten, die das Helikopterfliegen so interessant machen.

Sind Sie dabei auch schon mal ans Limit gekommen?
Als Helipilot bewegt man sich oft am Limit. Wichtig ist, dass man seine eigenen Grenzen und Fähigkeiten kennt und sich nicht überschätzt. Ich probiere jeweils, mein Bestmöglichstes an Erfahrung in jeden Flug einzubringen. Aber zwischendurch stosse auch ich an meine Grenzen und muss Nein sagen, sonst wäre ich nicht mehr am Leben. Es gibt Situationen, vor allem wetterbedingt, wo man aus Sicherheitsgründen einen Flug abbrechen muss. Dann ist es wichtig, sich das auch einzugestehen und nicht das Limit zu überschreiten. Ich versuche prinzipiell nur drei Anflüge. Wenn ich es beim dritten Anlauf nicht schaffe, breche ich die Übung ab. Das ist meine Grundregel.

Hatten Sie auch schon heikle Momente zu überstehen?
Auf der Bortelalp übersah ich einmal beim Anflug auf eine Baustelle den Kranausleger und touchierte ihn mit dem Rotor. Durch den heftigen Schlag kam der Helikopter ins Trudeln und sackte ab. Irgendwie reagierte ich instinktiv richtig und landete den Heli auf einer naheliegenden Strasse. Obwohl die Maschine stark beschädigt war, blieb ich unverletzt und kam mit dem Schrecken davon. Aber auch bei Bergrettungen am Matterhorn hatte ich einige heikle Momente zu überstehen. Wenn man Nachts bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern und dichtem Nebel eine Bergrettung machen muss, ist man froh, wenn man heil wieder runterkommt.

Fliegt die Angst im Cockpit mit?
Nein. Angst ist ein schlechter Begleiter. Aber ich habe Respekt: vor den Bergen, vor den Wettereinflüssen und vor der Technik.

Hatten Sie schon einen technischen Defekt?
Ja, ich musste schon viermal notlanden, weil die Turbine ausgefallen ist. Das passiert statistisch gesehen alle 100’000 Flugstunden. Wir trainieren solche Situationen zwar, aber es ist nicht vergleichbar mit dem Ernstfall. Wenn eine Turbine explodiert oder abstellt, dann wird es todernst. Innert Sekundenbruchteilen sackt die Maschine brutal ab. Dann muss der Pilot sofort reagieren und mittels Autorotation versuchen, den Helikopter sicher zu Boden bringen. Das ist nicht ganz einfach und braucht auch viel Glück.

Am Wochenende sind Sie an den Flug-tagen in Raron mit einer Helikoptershow zu sehen…
Ich bin Mitglied der Fluggruppe Oberwallis und habe schon vor 25 Jahren mit einem Heli einen Showakt geflogen. Seit ein paar Jahren zeige ich eine Helikoptershow bestehend aus Pirouetten, Präzi-sionsflug und Akrobatik. Es macht mir sehr viel Spass, dieses Programm zu fliegen und damit den Zuschauern eine Freude zu machen. Wenn ich mich auf dem Sitz der Lama anschnalle, dann bin ich wie verschweisst mit der Maschine. Dann sind wir eins

Sind solche Darbietungen nicht gefährlich?
Nein. Ich gehe zwar mit meiner Flugshow fast bis ans Limit, aber nicht darüber hinaus. Solche Show­einsätze sind ein gutes Training für mich und helfen mir bei meinen täglichen Transport- oder Rettungseinsätzen.

Sie standen auch schon mal bei „Wetten, dass...“ im Einsatz..
Das war 1986 im St. Jakobstadion in Basel. Die Idee dazu hatten Art Furrer und Kurt Felix. Ich packte mit einem Helikopter und einem eigens hierfür konstruierten Greifarm, der am Helikopter montiert war, eine Weinflasche und schenkte vier Gläser ein. Am Schluss der Sendung stiessen wir zusammen mit Frank Elstner auf die gelungene Wette an. Aber statt Wein war Essig in den Gläsern. Was die Fernsehcrew nicht wusste, dass Kurt Felix als Bordmechaniker dabei war und alles für seine Sendung „Verstehen Sie Spass?“ filmte. Es war eine Riesengaudi.

Sie haben im vergangenen Januar Ihren 60. Geburtstag gefeiert. In viereinhalb Jahren verlieren Sie Ihre Lizenz…
Das ist so. Ich kann zwar weiterhin der privaten Fliegerei frönen, darf aber keine kommerziellen Flüge mehr machen.

Kommt da ein nicht bisschen Wehmut auf?
Nein, überhaupt nicht. In vier Jahren habe ich 41 Jahre lang meinem liebsten Hobby gefrönt. Wer kann das schon von sich sagen?

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
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