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Am eidgenössischen Jodlerfest: Aargauer Käse im Walliser Festzelt
Käse-Konsument in die Irre geführt?


 

Sitten / Aargau / Käse-Verwirrung am eidgenössischen Jodlerfest: Ahnungslosen Festbesuchern wur-de im Walliser Zelt industriell gefertigter Aargauer Raclettekäse serviert. Urs Guntern, Vizedirektor des Walliser Milchverbandes, ist verärgert und sagt: „Das Beispiel zeigt, wie wichtig der AOC-Schutz für den Walliser Raclettekäse ist.“

Von German Escher

Das Eidgenössische Jodlerfest von Mitte Juni in Aarau war ein toller Erfolg. Rund 250’000 Personen hatten das viertägige Fest besucht – viele von ihnen auch das Walliser Zelt, wo unter anderem Raclette serviert wurde. Trotzdem mag sich Urs Guntern, Vizedirektor des Walliser Milchverbandes, nicht freuen: „Es hat uns geärgert, dass im Walliser Zelt fremder Käse verkauft wurde. Da wird der Konsument indirekt in die Irre geführt.“ Wer in einem Walliser Zelt ein Raclette bestellt, geht davon aus, auch Walliser Käse vorgesetzt zu bekommen. „Das wollten wir auch. Aber wir hatten keine andere Wahl“, rechtfertigt sich das Walliser Wirtepaar, das den Raclettestand betreute. Der Grund: Die Betreiber von Festzelten und Bars waren laut Edwin Illi, Ressortleiter Gastronomie, verpflichtet, ihre Waren über die Sponsoren des Jodlerfestes zu beziehen – und dazu gehörte auch die Aargauer Zentralmolkerei (AZM). „Wir konnten schliesslich nur 10,8 Kilogramm in Rechnung stellen“, beklagt AZM-Vertreter Hans-Ruedi Zihlmann: „Wir hatten einen wesentlich höheren Umsatz erwartet. Da muss noch anderswo Käse eingekauft worden sein.“ „Stimmt nicht“, entgegnen die Verantwortlichen des Walliser Zeltes: „Der Festbetrieb blieb weit unter den Erwartungen.“ Ob es letztlich am falschen Käse lag, mögen wohl nur böse Zungen mit Augenzwinkern hinzufügen.

Ursprungsbezeichnung ist wichtig
Das Beispiel zeige – so Urs Guntern gegenüber der RZ – wie wichtig der AOC-Schutz für Walliser Raclettekäse ist. Ein Schutz auf Gesetzes­ebene würde auch verhindern, dass beispielsweise fremder Raclettekäse mit Walliser Fotosujet dem Konsumenten suggeriert, dass er ein Produkt aus dem Wallis kauft. Aber ist Käse nicht gleich Käse, mag sich der Durchschnittskonsument fragen. „Im Unterschied zu industriell produziertem Raclettekäse stellen wir unseren Käse in Handarbeit aus Rohmilch her. Deshalb ist das Aroma des Walliser Raclettekäses auch intensiver“, erklärt Guntern weiter. Weil es sich um eine Spezialität handle, sei ein etwas höherer Preis gerechtfertigt. Den besseren Preis und damit die höhere Wertschöpfung lässt sich aber nur erzielen, wenn der Name Raclettekäse als Ursprungsbezeichnung geschützt werden kann. Deshalb hat der Walliser Milchverband vor vier Jahren ein Gesuch um die Registrierung der geschützten Ursprungsbezeichung (AOC) für den Namen Raclette eingereicht.

AOC-Streit vor Bundesgericht
Im November 2003 hat das Bundesamt dem Walliser Begehren zugestimmt. Somit dürften die Raclette-Produzenten von ausserhalb des Wallis künftig ihre Produkte nicht mehr unter der Bezeichung Raclette verkaufen. Der Widerstand der grossen ausserkantonalen Produzenten war absehbar. Insgesamt 45 Beschwerden gingen beim Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD) ein. Laut Guntern ist das EVD auf 34 Beschwerden aus Verfahrensgründen erst gar nicht eingetreten. Vier der abgewiesenen Beschwerdeführer, nämlich die Kantone Freiburg, Bern, Graubünden und das französische Unternehmen Atla, zogen den Departementsentscheid weiter ans Bundesgericht. Mit einem Entscheid der Bundesrichter wird auf Ende Jahr gerechnet. Erst dann will das Volkswirtschaftsdepartement sich auch inhaltlich mit den übrigen elf noch hängigen Beschwerden auseinander setzen.

Einzelne Ausnahmen denkbar...
In der Zwischenzeit sind die verschiedenen Interessensvertreter unter Leitung eines Mediators dabei, nach möglichen Kompromissen zu suchen. Denkbar wäre, dass nebst dem Walliser Raclette noch einzelne kleine, ausserkantonale Marken, die vor 1996 bestanden, ebenfalls den Begriff Raclette führen könnten. „Aber wir werden unsere Haut so teuer wie nur möglich verkaufen“, beteuert Urs Guntern. „Das Verfahren könnte sich noch einige Jahre hinauszögern. Aber das lohnt sich. Die französischen Bauern, die heute Milch für AOC-Käse liefern, erzielen mitunter den höheren Milchpreis als die Schweizer Bauern.“

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