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Leukerbad / Sie ist seit drei Jahren bei der Unterwalliser Band „Glen of Guinness“ und spielt leidenschaftlich gern Flöte. Jennifer Skolovski (24) aus Leukerbad erzählt im RZ-Frontalinterview über ihren musikalischen Werdegang, die Vorliebe zum irischen Folk, stellt die neue CD vor und sagt: „Ich suche immer wieder nach neuen Herausforderungen.“
Von Walter Bellwald
Waren Sie schon in den Sommerferien?
Nach Schulschluss war ich zwei Wochen in Mazedonien, den Rest der Ferien verbringe ich daheim. Ich biete Kindern und Jugendlichen in Leukerbad eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung an wie Theateratelier, Waldtage, Malatelier oder Pferdetrekking. Diese Arbeit ist für mich sehr reizvoll.
Kommt da die Erholung vom Alltag nicht zu kurz?
Nein, überhaupt nicht. Zwischendurch finde ich auch Zeit, meinem liebsten Hobby, dem Reiten, zu frönen. Ich habe zwei Pferde, für die ich sorge und die ich so oft wie möglich ausreite.
Sie sind seit drei Jahren bei der Unterwalliser Band „Glen of Guinness“ dabei. Wie fühlen Sie sich als irische Unterwalliserin mit Oberwalliser Wurzeln?
Es ist natürlich ein Kulturmischmasch, aber das macht es letztendlich auch aus. Weil die anderen Bandmitglieder aus dem Unterwallis kommen, kann ich sowohl sprachlich wie kulturell viel davon profitieren. Das ist ein sehr interessanter Mix. Was den Musikstil der Gruppe anbelangt, herrscht vielfach eine falsche Meinung vor. Wir machen keine irische Volksmusik, sondern spielen Rockmusik mit irischem Touch. Nebenbei spiele ich noch mit zwei anderen Mitgliedern von „Glen of Guinness“ in einer eigenen Band mit den Namen „Doctor Gilbert“. Wir spielen bodenständige irische Volksmusik und treten an Hochzeiten oder in Restaurants auf.
Wie sind Sie eigentlich auf „Glen of Guinness“ aufmerksam geworden?
Ich habe in dieser Zeit das Konservatorium in Sitten absolviert und hatte die gleiche Musiklehrerin wie ein Bandmitglied von „Glen of Guinness“. Als diese Frau eines Tages beim Spargeleinkauf unsere Musiklehrerin traf, hat sie ihr gesagt, dass sie bei „Glen of Guinness“ aufhören wolle und ob sie vielleicht eine Nachfolgerin wisse. Daraufhin hat ihr meine Musiklehrerin meine Nummer gegeben, und schliesslich hat mich der Bandleader angerufen.
War Ihnen die Band schon damals ein Begriff?
Ich hatte die Gruppe zweimal gesehen. Einmal am Open-Air in Gampel und das andere Mal an der Powermesse in Visp. Ich erinnere mich noch genau an den Auftritt zurück. Ich stand mit meiner Base vor der Bühne und sagte zu ihr: „Lüäg emal die mit der Flöta, ich glöibu, das chenti öi.“ Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass mich die Band zwei Wochen später kontaktieren würde.
Seit drei Jahren sind Sie nun bei „Glen of Guinness“ mit dabei. Wie war das erste Treffen?
Ich war total aufgeregt und hatte grosses Herzklopfen. Im Vorfeld brachte ich fast keinen Bissen runter. Das passiert mir nicht einmal, wenn ich verliebt bin (lacht). Ich erinnere mich noch genau an die Busfahrt von Leukerbad nach Leuk. Tausend Ge-danken gingen mir durch den Kopf und ich hatte immer das Bild dieser Rockstars vor meinem geistigen Auge. Aber obwohl ich so aufgeregt war, ging schliesslich alles gut. Die Bandmitglieder haben mich sehr herzlich begrüsst und in ihren Kreis aufgenommen.
Gab es keine Verständigungsprobleme?
Ich konnte eigentlich schon damals sehr gut Französisch. Aber ich hatte zu wenig Courage, mich auszudrücken. Während den ersten Proben provozierten mich die Musiker absichtlich immer ein wenig. Obwohl ich von Natur aus sehr schlagfertig bin, war es nicht immer ganz einfach, weil ich mich nicht recht ausdrücken konnte. Aber das hat sich inzwischen geändert.
Was gefällt Ihnen an der Band und der Musik?
Als ich die Bandmitglieder zum erstenmal traf, fühlte ich mich sofort sehr wohl. Ich wusste, mit diesen Musikerinnen und Musikern möchte ich zusammen auf-treten. Im Anschluss an unser erstes Treffen fuhren wir dann nach Interlaken, wo die Band ein Konzert gab. Auf der Fahrt dahin lernten wir einander näher kennen. Bei diesem Konzert war ich nur Zuschauerin.
Wo haben Sie Ihre Premiere erlebt?
Mein erster Auftritt war an einem Firmenfest im Unterwallis. Hier konnte ich der Band zum erstenmal meine Bühnenpräsenz zeigen. Das war mir sehr wichtig. Vor grossem Publikum bin ich erstmals in Schwarzenburg aufgetreten. Als ich die begeisterte Menge sah, bin ich völlig abgehoben.
Fahren Sie regelmässig zu den Proben ins Unterwallis?
Nein. Es kommt zwar zwischendurch vor, dass wir gemeinsam proben, aber im Grossen und Ganzen übe ich daheim. Nur vor grossen Auftritten oder CD-Produktionen treffen wir uns im Vorfeld, um gemeinsam zu üben.
Wie schaffen Sie die vielen Auftritte und Konzerte neben ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen?
In Normalfall klappt das ganz gut. Im letzten Jahr allerdings kam ich ans Limit, weil ich vier Tage die Woche an der Schule unterrichtete und nebenbei eine Weiterbildung in Zürich als Theaterpädagogin besuchte. Dazwischen kamen die Konzerte. Das war ein happiges Programm. Aber mittlerweile habe ich die Sache wieder im Griff.
Wie verträgt sich der sture Oberwalliser Charakter mit der liberalen und offenen Lebensweise der Welschen?
Das ist ein Vorurteil, dass wir einen sturen Grind haben. Während meiner Zeit an der pädagogischen Hochschule habe ich genau das Gegenteil erlebt. Viele Welsche waren ganz verschlossen und wollten partout nichts mit der deutschen Sprache zu tun haben. Demgegenüber zeigten sich die Oberwalliser sehr offen und lernwillig.
Sie sind die Flötistin der Band. Seit wann spielen Sie dieses Instrument?
Im ersten Kollegium besuchte ich das Konservatorium in Sitten und nahm Blockflötenunterricht in Renaissance und barocker Musik. Es ist eine grosse Herausforderung, Flöte zu spielen. Das Instrument ist äusserst fein abgestimmt und verlangt eine filigrane Technik. Weil ich von meinem Naturell eher der explosive Typ bin, muss ich mich beim Flötenspielen immer ein wenig zurücknehmen. Im Gegensatz zum klassischen Fötenspiel ist bei der irischen Volksmusik mehr Power gefragt. Darum will ich jetzt von der normalen Blockflöte auf die original irische „Tin whistle“ umsteigen. Das braucht wieder eine gewisse Übung.
Die Musik von „Glen of Guinness“ wird gerne mit den legendären „Pogues“ in Verbindung gebracht. Schmeichelt Ihnen dieser Vergleich?
Nein, nicht wirklich. Unsere Stilrichtung ist auch nicht mit der irischen Volksmusik der „Pogues“ vergleichbar. Ich weiss nicht, wie man zu dem Vergleich kommt. Vielleicht wegen der Energie, die wir auf der Bühne ausstrahlen. Aber es ist eine völlig andere Stilrichtung, die wir spielen.
Mit Ihrer neuen CD „Folk Off“, die Sie zusammen mit dem Ensemble de Cuivres Valaisan (ECV), den Brassband-Schweizermeistern von 1999 aufgenommen haben, sind Sie zu neuen musikalischen Horizonten aufgebrochen. Wie kamen Sie auf die Idee, irische Songs und alte Glen-Songs Blasmusik-kompatibel aufzunehmen?
Als Band sucht man immer wieder nach neuen musikalischen Herausforderungen. Darum haben wir uns entschlossen, uns auf dieses Experiment einzulassen und mit der ECV zusammen zu arbeiten. Die eigentliche Idee für das gemeinsame Projekt stammt vom Dirigenten der ECV.
Waren alle Bandmitglieder von der Idee begeistert?
Es gibt immer ewig lange Diskus-sionen, bis wir uns auf etwas einigen können. Aber letztendlich muss ein solches Projekt von allen getragen werden.
Passen Folk und Brass zusammen?
Ja, ich denke, das Ergebnis unserer CD kann sich hören lassen. Es war nicht immer ganz einfach, die Instrumente der Brassband auf unsere abzustimmen. Aber das ist uns ganz gut gelungen. Auch vom Stil her passen Folk und Brassmusik sehr gut zusammen.
Rund zwei Jahre waren Sie mit den Aufnahmen beschäftigt. Was war der spannendste Moment am Projekt?
Oh, da gab es viele spannende Momente. Das Konzert mit der ECV ist mehr als ein Konzert, es ist eine eigentliche Inszenierung. Weil ich mich später auch als Theaterpädagogin einbringen möchte, habe ich mich bei dem Projekt vor allem für die Inszenierung interessiert. Das Problem war, dass ich als Bandmitglied nicht auch noch diese Arbeit übernehmen konnte. Darum haben wir eine eigene Regisseurin engagiert, die bei den Konzerten eine theatralische Verbindung zwischen der ECV und unserer Band herstellen soll. Diese Regisseurin hatte den Wunsch, dass wir einen Text einbringen sollten. Das habe ich dann gemacht. Mein spannendster Moment war es, was die Regisseurin aus dem Text macht. Das Resultat war ein bisschen ernüchternd.
Inwiefern?
Die Inszenierung läuft noch nicht so, wie wir uns das eigentlich vorgestellt hatten. Erst vor einer Woche hatten wir eine gemeinsame Sitzung, um zu schauen, wie wir das Problem lösen können. Es gibt einen Schauspieler, der die Rolle des Ansagers, aber vor allem die Verbindung zwischen der Brass-Band und uns darstellen soll. Das ist bisher nur teilweise geglückt, aber wir arbeiten daran.
Keine Angst, dass Ihre Fans das neue Werk nicht goutieren?
Diese Angst besteht immer. Aber die Band ist nach dreizehn Jahren an einem Wendepunkt angelangt, wo sie sich mehr selber verwirklichen will. Wir haben acht Bandmitglieder und die haben alle ihre eigenen musikalischen Ideen. Natürlich wäre es viel einfacher, immer den gleichen traditionellen Stil zu pflegen. Aber gerade darin besteht die Herausforderung, neue Wege zu gehen und die musikalischen Ideen umzusetzen.
Sind Sie mit Ihrer neuen CD schon auf Tournee?
Unsere Premiere der neuen CD „Folk Off“ war im April. Das war zu spät für die Sommerfestivals. Aber wir hoffen, dass wir unser neues Werk einem breiten Publikum präsentieren können. Daneben touren wir mit unseren altbewährten Songs durchs Land, so auch am 6. August an der Irish-Night in Sitten.
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