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Milchkontingent geht drastisch zurück
Im Sommer wird die Milch knapp


 

Wallis / Der Walliser Milchverband schwimmt auf dem Trockenen: Jeweils im Sommer wird die Milch knapp. Die Folge: Zwischen fünf und sechs Millionen(!) Liter Milch müssen jedes Jahr zugekauft werden.

Von Walter Bellwald

„Das Problem kennen wir schon lange“, bestätigt Roman Tscherrig vom Walliser Milchverband. Der Grund: Im Sommer seien die Kühe auf der Alpe und würden weit weniger Milch geben als in der Spitzenzeit von April bis Juni. „Dazu kommt, dass diese Milch grösstenteils zu Alpkäse verarbeitet wird. Dadurch geht das Milchkontingent drastisch zurück“, weiss der Molkereimeister.

Milchknappheit
Bis zu 36 Millionen Liter Milch verkauft der Walliser Milchverband jährlich an Gross- und Kleinunternehmen. Knapp zwei Drittel der Produktion ist Walliser Milch. Der Rest kommt aus der Region des Chablais (Waadtland) oder wird über den Genfer Milchverband zugekauft (rund 6 Millionen Liter). „Das Milchkontingent ist starken saisonalen Schwankungen unterworfen“, erklärt Roman Tscherrig. „Während wir im Mai eine eigentliche Milchschwemme haben (rund 125’000 Liter pro Tag), geht das Milchkontingent bis Ende August um mehr als zwei Drittel auf rund 40’000 Liter pro Tag zurück.“ Zu wenig, um die Nachfrage der Konsumenten zu stillen. „Darum müssen wir uns damit behelfen, aus anderen Regionen Milch zuzukaufen.“

Preis wird angepasst
Während im Sommer eine eigentliche Milchflaute herrscht, gibts im Frühjahr zu viel Milch. Der Grund: In vielen Unterwalliser Regionen werden schon im Mai Kühe aus der ganzen Westschweiz aufgealpt. Diese Milch wird auch angeliefert. „Dadurch haben wir innerhalb von zwei Wochen einen Milchanstieg von 25 Prozent zu verzeichnen“, sagt Tscherrig. Ein weiterer Grund für die Frühjahrs-Milchschwemme sei das Abtränken der Kälber. „Kälber, welche im Spätherbst zur Welt kommen, werden nach sechs Monaten abgetränkt. Das heisst, nach dem April wird keine Milch mehr an sie verfüttert“, sagt der landwirtschaftliche Betriebsberater Norbert Agten. Schliesslich trage auch das Grünfutter zu einer merklichen Qualitätssteigerung der Milchleistung bei. Dadurch werden im Mai und Juni bis zu zwei Millionen Liter Milch zuviel angeliefert. Diese überschüssige Milch wird an den freiburgischen Milchverband (Cremo) weiterverkauft. Die Milchschwemme im Frühjahr hat auch ihre negativen Auswirkungen auf den Milchpreis. Tscherrig: „In den Monaten Mai und Juni werden den Bauern rund sechs Rappen pro Liter weniger ausbezahlt. Demgegenüber bekommen die Bauern in den Sommermonaten fünf Rappen mehr pro Liter.“ Die Bauernfängerei zeigt Wirkung: Die Milchkontingente im Sommer sind zwischen zehn und fünfzehn Prozent angestiegen.

Unterschiedliche Deklaration
Von dieser Preisspirale hinter den Kulissen bekommt der Konsument nichts zu spüren. „Dank unserer Unternehmensstrategie mit Zu- und Verkauf von Milchkontingenten können wir die Nachfrage unserer Kunden decken. Der Preis bleibt dadurch unverändert“, sagt Roman Tscherrig. Um die Produktion und Belieferung der Kunden aufrechtzuerhalten, bedarf es allerdings einer weitsichtigen Planung. „Schon im November des Vorjahres müssen wir uns mit den zuständigen Verbänden in Verbindung setzen.“ Und wie steht es um die Deklaration der Milch? „Wo Walliser Milch draufsteht, ist auch Walliser Milch drin“, verspricht Roman Tscherrig. „Die Milch aus dem Chablais und von Genf wird als Schweizer Produkt deklariert.“

 

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