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Saas Fee / Sie sind jung, hübsch, erfolgreich und haben sich bestens integriert. Anja Krell (24) und Claudia Gullasch (23) kommen aus Ostdeutschland und arbeiten in Saas Fee. „Wir haben den Ort und die Leute mittlerweile sehr lieb gewonnen“, meinen sie einhellig.
Von Walter Bellwald
„Uns gefällt es hier oben sehr gut“, betonen Claudia und Anja. Seit über einem Jahr, respektive seit zwei Jahren sind die beiden im Hotel Ferienart in Saas Fee tätig.
Von der Grossstadt in die Berge
Anja Krell kommt aus Zella-Mehlis, einer Kleinstadt in Thüringen. Nach der obligaten Schule absolvierte sie eine Lehre als Hotelkauffrau in Unterfranken. „Nach meiner Berufslehre bin ich nach Amerika gegangen.“ In Chicago war sie im Management eines Grosshotels tätig. Hier blieb sie anderthalb Jahre. „Nach meiner Rückkehr aus Amerika wollte ich eigentlich in einem Hotelbetrieb in Hamburg oder Wien arbeiten.“ Doch es kam anders. Als Anja über die Weihnachtstage in Saas Fee eine frühere Arbeitskollegin besuchte, war sie von der Stimmung im Gletscherdorf angetan. „lch war sehr angenehm überrascht. Der Schnee verwandelte den Ort in eine einzige Märchenlandschaft“, erinnert sie sich zurück. Als sie vom heimischen Hotelier Beat Anthamatten auch noch eine Ganzjahresstelle in seinem Betrieb angeboten bekommt, kann Anja nicht Nein sagen. „Die Arbeitsbedingungen und das Gehalt waren mit nichts zu vergleichen.“ Also entschied sie sich, in Saas Fee zu bleiben und hier ihre neue Stelle anzutreten. Ein Entscheid, den sie bis heute nicht bereut hat. „Das ganze Umfeld hier oben und das junge, innovative Team sind einfach fantastisch“, schwärmt die Event- und Sales-Managerin, die für Marketing- und Öffentlichkeitsaufgaben zuständig ist.
Leidenschaftliche Köchin
Auch Claudia Gullasch arbeitet in Saas Fee. Die gebürtige Chemnitzerin absolvierte nach ihrer Schulzeit eine Kochlehre. „Nach meiner Ausbildung in Bad Brückenau und Frankfurt bin ich nach Zürich gekommen.“ Warum gerade in die Schweiz? „Für einen Koch oder eine Köchin ist es schon fast zwingend, dass man einmal in der Schweiz gearbeitet hat“, meint sie vielsagend. Nach einem kurzen Gastspiel in Zürich bewarb sie sich im Hotel Ferienart in Saas Fee. Seit nunmehr über einem Jahr ist sie in der Vorzeigeküche des Fünf-Sterne-Betriebs tätig. „Die Arbeit ist sehr vielfältig und kurzweilig und auch im Team fühle ich mich sehr wohl“, schwärmt die Ostdeutsche. Obwohl ihr die Arbeit gefällt, sucht sie nach einer neuen He-rausforderung. „Mir wachsen die Berge langsam über den Kopf“, lacht sie. „Aber ich möchte auf alle Fälle in der Schweiz bleiben.“
Imageschaden droht
35 Angestellte aus der Schweiz und 47 ausländische Arbeitskräfte sind im Hotel Ferienart in Saas Fee beschäftigt. Neben Deutschen, Österreichern und Portugiesen sind auch exotische Nationen wie Venezuela und Sri Lanka vertreten. „Ich bin sehr zufrieden mit meinen Angestellten“, lobt Hotelier Beat Anthamatten sein Personal. Auf die Frage, warum mehr als fünfzig Prozent seiner Angestellten aus dem Ausland kommen, gibt sich Anthamatten offen: „Einerseits gibt es zu wenig Schweizerinnen und Schweizer, die in der Gastronomie tätig sind, und andererseits sind die ausländischen Angestellten sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte.“Anthamatten findet es schon fast müssig, dass über die erweiterte Personenfreizügigkeit abgestimmt werden muss. „Mit der heutigen Globalisierung kommen die Menschen überall hin und können sich frei bewegen. Warum sollen also nicht auch Menschen aus Osteuropa in die Schweiz kommen und hier arbeiten dürfen?“ Angst vor einer eigentlichen Masseneinwanderung hat der Hotelier nicht. „Die Erfahrung zeigt, dass die Menschen nur ungern ihr soziales Umfeld verlassen.“ Auch die Angst vor Lohndumping sei unbegründet, meint Anthamatten. „Wir haben im Gastgewerbe einen Gesamtarbeitsvertag mit einem klaren Lohntarif, der nicht unterschritten werden darf.“ Darum ist es für ihn wichtig, dass die Vorlage angenommen wird. „Ein Nein wäre eine Katastrophe für den Tourismus und würde einen grossen Imageschaden für unser Land nach sich ziehen.“ Auch Anja Krell und Claudia Gullasch sind überzeugt davon, dass die erweiterte Personenfreizügigkeit eine gute Sache ist. Anja: „Ich verstehe, wenn die Menschen ein bisschen verunsichert sind. Andererseits wissen die Schweizerinnen und Schweizer um ihre Qualitäten und ihren Ausbildungsstandard. Darum bin ich der Meinung, dass man ein bisschen Mut und Offenheit beweisen sollte. Ein Ja dient letztendlich ganz Europa.“
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