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Josef Jäger, Kantonstierarzt
„Die Vogelgrippe wird uns noch lange beschäftigen“


 

Sitten / Turtmann / Mit der Verordnung der Stallpflicht für Geflügel haben die Massnahmen gegen die Vogelgrippe ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wie sicher ist das einheimische Geflügel vor einer Ansteckung? Kann man Pouletfleisch und Eier weiterhin essen? Und was für Vorkehrungen kann man treffen, um das Risiko einer Ansteckung möglichst klein zu halten? Der Kantonstierarzt Josef Jäger nimmt Stellung und sagt: „Zurzeit besteht keine Gefahr einer Pandemie.“

Von Walter Bellwald
Rahel Escher

Wann haben Sie letztmals Pouletfleisch gegessen?
Das ist gar nicht so lange her. Erst letzte Woche habe ich ein halbes Poulet gegessen.

Hat es Ihnen geschmeckt?
Oh ja (lacht). Es war sehr gut.

Hatten Sie nach all den Nachrichten in den letzten Tagen und Wochen keine Bedenken, sich mit dem Vogelgrippe-Virus zu infizieren?
Nein, nicht wirklich. Wenn das Fleisch vorher gebraten oder gekocht ist, kann man es ohne jegliche Bedenken essen. Einen Grippeinfekt nimmt man nicht mit dem Essen auf. Einzig beim Umgang mit infiziertem Federvieh muss man eine gewisse Vorsicht walten lassen.

Und wie steht es mit dem Verzehr von Eiern?
Auch beim Konsum von Eiern besteht momentan absolut keine Gefahr. Wichtig ist einzig, dass die Geflügelhalter die Eierschalen abwaschen und ihre Hände gründlich reinigen. Dann besteht keine Gefahr einer Infektion.

Der Konsum von Pouletfleisch ist in den letzten Tagen markant zurückgegangen. Haben Sie Verständnis für das Verhalten der Konsumenten?
Natürlich verstehe ich die Skepsis. Ein gesunder Respekt ist auch angebracht. Aber er darf nicht in Angst oder sogar Panikmache ausarten. Auch für die Produzenten ist die momentane Situation sehr heikel. Darum muss man alles daran setzen, damit die hochinfektiöse Krankheit bei uns nicht ausbricht.

Der Bundesrat hat in der letzten Woche eine Stallpflicht für Geflügel verordnet. Wie haben die Geflügelhalter im Wallis auf diese Massnahme reagiert?
Wir haben praktisch durchwegs positive Reaktionen. Die Menschen sind verunsichert und demnach gewillt, sich an die rigorosen Vorschriften des Bundes zu halten.

Wie viele Geflügelhalter gibt es in unserem Kanton?
Momentan sind 32 Geflügelhalter registriert, die mehr als fünfzig Tiere haben. Insgesamt haben sich in diesen Tagen aber über tausend Hobbybauern gemeldet, die Hühner halten. Die Telefone laufen auf Hochtouren. Alle Geflügelhalter hatten bis zum 1. November die Möglichkeit, sich zu registrieren.

Wie steht es um die Infrastruktur, um die Hühner einzustallen?
Das ist tatsächlich ein Problem. Einigen fehlen die notwendigen baulichen Massnahmen, um ihre Hühner einzustallen. In diesem Fall müssen sie ihre Tiere notschlachten. Wir haben bis heute keine Ausnahmebewilligung erteilt. In Anbetracht der momentanen Situation bleiben wir diesbezüglich hart und setzen alles daran, um das Risiko einer Infektion zu vermeiden.

Im Klartext: Viele Geflügelhalter müssen sich von ihren Tieren trennen?
Ja, das ist richtig. Bis heute mussten wir in etwa zehn Fällen diese Massnahmen treffen.

Werden die Geflügelhalter dafür auch entschädigt?
Nein. Bei prophylaktischen Massnahmen werden keine Entschädigungen ausgezahlt. Einzig wenn die Tiere durch hochansteckende Seuchen eingehen, hat der Halter Anspruch auf eine Entschädigung.

Bei Zuwiderhandlungen gegen die Stallpflichtverordnung drohen Bussen bis zu 20’000 Franken oder sogar eine Gefängnisstrafe. Finden Sie diese drastischen Massnahmen gerechtfertigt?
In Anbetracht der Ansteckungsgefahr und der Folgeschäden sind diese Strafen absolut gerechtfertigt. Die Vogelgrippe ist eine hoch ansteckende Krankheit, die eine hohe Sterblichkeitsrate nach sich zieht, das heisst, hat sich der Virus erst einmal in einem Stall eingenistet, werden praktisch alle Tiere davon befallen und sterben.

Ist es überhaupt möglich, zu kontrollieren, ob sie sich alle Geflügelhalter an die Weisungen halten?
Wir haben in diesem Zusammenhang alle Gemeinden aufgefordert, sich aktiv an der Kontrolle zu beteiligen. Sowohl Viehinspektoren, Wildhüter, wie auch Gemeinde- und Kantonspolizei haben den Auftrag, Zuwiderhandlungen gegen die Stallpflicht von Geflügel sofort zu melden. Das wichtigste Instrument in diesem Zusammenhang ist die soziale Kontrolle. Wir sind darauf angewiesen, dass jeder den anderen kontrolliert und mögliche Täter meldet. Ich hoffe aber, dass die Geflügelhalter ihre diesbezügliche Verantwortung wahr nehmen. Die Folgeschäden bei einem Ausbruch der Krankheit wären nicht absehbar.

Werden trotzdem Stichproben durchgeführt?
Natürlich. Wir werden spezifische Kontrollen anordnen, um sicherzugehen, dass die Vorschriften auch eingehalten werden.

Warum besteht eine Ansteckungsgefahr für das heimische Geflügel, wenn die Tiere weiterhin draussen gehalten werden?
Die Gefahr geht von den Zugvögeln aus, die in den nächsten Tagen und Wochen unsere Seen und Gewässer aufsuchen. Wenn sich diese Tiere in den Freigehegen der Hühner niederlassen, besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Die Ausscheidungen der Zugvögel gelangen in den Boden und können über die Nahrung von den Hühnern aufgenommen werden. Wenn die Hühner ein-gestallt sind, ist eine Ansteckung durch Zugvögel praktisch ausgeschlossen.

Die Verordnung wurde einstweilen bis Mitte Dezember verfügt. Ist die Gefahr einer Ansteckung der Vogelgrippe in den Wintermonaten gebannt?
Nein, natürlich nicht. Die Verordnung des Bundesrats ist ein erster Schritt, um die Ansteckungsgefahr zu dämmen. Man muss jetzt erst einmal abwarten, wie und ob sich die Vogelgrippe weiterverbreitet. Erst dann werden weitere Massnahmen beschlossen.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Stallverordnung für Hühner noch lange aufrechterhalten wird?

Die Vogelgrippe wird uns noch lange beschäftigen. Diese Krankheit kann man nicht einfach so ausmerzen. Eine gewisse Ansteckungsgefahr bleibt bestehen. Darum ist es wichtig, dass sich die Geflügelhalter in Geduld üben und ihre Tiere im Stall lassen.

Wie steht es um die Ansteckungsgefahr bei Papageien und Kanarienvögeln?
Obwohl sich erst kürzlich einer dieser Vögel in England mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert hat, besteht für Ziervögel grundsätzlich keine Gefahr. Auch die Import-Vorschriften für Ziervögel in der Schweiz sind sehr streng und die Tiere werden genau untersucht.

Was sind die äusseren Anzeichen der Vogelgrippe, wenn sich ein Tier mit dem Virus infiziert hat?
Die Tiere bekommen ein struppiges Fell, werden apathisch, bekommen Durchfall und fressen nicht mehr. Dazu setzt eine Lungenentzündung ein, die letztendlich zum Tod führt. Ist ein Tier mit dem Virus infiziert, stirbt es spätestens nach drei Tagen.

Wie hoch ist die Gefahr einer Ansteckung von Tier zu Mensch?
Das ist momentan schwer abzuschätzen. Wenn der Virus mutiert, ist diese Gefahr vorhanden. Wenn ein Mensch mit einem infizierten Tier in Berührung kommt, besteht ebenfalls eine gewisse Ansteckungsgefahr. Auch durch die Atemwege ist eine Ansteckung möglich.

In den vergangenen Tagen war die Vogelgrippe das Thema in den Medien. Wie beurteilen sie die Berichterstattung?
Die Berichterstattung einzelner Medien war sicher übertrieben. Da wurden wahre Horrorszenarien ausgemalt. Tatsache ist: Die Vogelgrippe ist ernst zu nehmen und darf nicht unterschätzt werden. Dennoch finde ich es stark übertrieben, die Menschen derart in Angst und Schrecken zu versetzen.

Auch der Kanton hat mit seiner Medienmitteilung von letzter Woche nicht gerade zur Beruhigung beigetragen. Darin ist zu lesen, dass man sich für den Fall einer Pandemie vorbereitet...
Wir haben Massnahmen getroffen, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. So haben wir zusammen mit anderen Kantonen zwei Maschinen gekauft, die verseuchte Hühner schnell und schmerzlos töten. Dazu haben wir auch Container reserviert, in denen man die toten Tiere abtransportieren kann. Daneben haben wir einen Notplan ausgearbeitet und eine ganze Reihe anderer Vorkehrungen getroffen, auf die wir im Ernstfall zurückgreifen könnten. Diese Massnahmen sollen aber keinesfalls dazu beitragen, die Angst unter der Bevölkerung zu schüren. Sie dienen einzig und allein der Vorsorge.

Wie gross ist die Gefahr einer Pandemie?
In der aktuellen Situation herrscht überhaupt keine Gefahr einer Pandemie. Die Gesundheitsbehörden der verschiedenen Länder haben die nötigen Massnahmen ergriffen, um eine Ansteckungsgefahr zu verhindern. Dadurch ist die Gefahr der Vogelgrippe auf ein Minimum reduziert.

Dennoch: Was für Vorkehrungen kann man treffen, um das Risiko einer Ansteckung möglichst klein zu halten?
Man sollte die Situation nicht überbewerten. Die zuständigen Gesundheitsbehörden unternehmen alles, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Demnach gibt es für den Einzelnen auch keine eigentlichen Schutzmassnahmen zu ergreifen. Im Umgang mit Hühnern sei darauf hingewiesen, dass man sich regelmässig die Hände waschen sollte. Ansonsten gilt es keine besonderen Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen.

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