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Berlin / Wien / Brig / Er studiert am Konservatorium in Wien musikalisches Unterhaltungstheater und steht seit anfangs November in der ARD-Vorabendserie „Braut wider Willen“ vor der Kamera. Jan Hutter (21), aufgewachsen in Brig und Luzern, hat sich ganz dem Filmschaffen und Theaterspielen verschrieben und wirkte auch schon in einer Kinoproduktion mit. Im RZ-Frontalinterview spricht er über seinen beruflichen Werdegang, gibt einen Einblick in sein Schaffen und sagt: „Ich spiele lieber vor Publikum.“
Von Walter Bellwald
Seit zwei Monaten stehen Sie in der neuen ARD-Serie „Braut wider Willen“ vor der Kamera. Die neue Vorabendserie im Ersten spielt Ende des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Liebe und Schmerz. Wie gefällt Ihnen das Drehbuch zur Serie?
Die Geschichte gefällt mir sehr gut. Die Serie ist ein romantisches Märchen und hat nicht den Anspruch einer historisch recherchierten Produktion. Aber ich denke, der Zuschauer kann sich sehr gut damit identifizieren, weil die Probleme in der Serie auch heute noch durchaus ihre Relevanz haben.
Wie sind Sie zu dieser Verpflichtung gekommen?
Meine Agentur hat mich angefragt, ob ich mich für das Casting zur Serie bewerben möchte. Da ich noch in der Ausbildung bin, habe ich mich erst nach einigem Zögern entschieden, nach Berlin zu fliegen, um mich vorzustellen. Zwei Wochen später bekam ich dann den positiven Bescheid.
Haben Sie sich über die Zusage gefreut?
Ja natürlich, ich war angenehm überrascht, dass ich den Zuschlag bekommen habe. Die Chance, bei einem Fernseh-Casting erfolgreich zu sein, ist sehr klein. Um sich unter den vielen Bewerbern durchzusetzen, braucht es neben Talent auch sehr viel Glück.
Sie spielen in der Serie die Rolle des Leo Fischer, ein gutmütiger und schüchterner Junge, der sich in das Küchenmädchen Lina verliebt. Können Sie sich mit dieser Rolle identifizieren?
Ich finde die Rolle schön. Allerdings würde ich nicht sagen, dass Leo und ich mehr als soviel gemeinsam haben. Der Wirtssohn ist mir persönlich ein bisschen zu nett (lacht). Aber in die Liebesgeschichte zwischen Leo und Lina kann ich mich emotional ganz gut hineinversetzen. Jeder war schon einmal verliebt und kann deshalb nachvollziehen, was in Leo vorgeht.
Zusammen mit Ihren anderen Schauspielerkolleginnen und -kollegen stehen Sie seit zwei Monaten regelmässig vor der Kamera. Wie läuft die Arbeit am Set?
Ich stehe im Schnitt zwei Tage die Woche vor der Kamera. Oft gehts schon morgens um sieben Uhr los. Je nach Drehtag kann es schon mal vorkommen, dass es abends etwas länger dauert. Die Dreharbeiten kommen im Vergleich zu einer Filmproduktion aber recht zügig voran. Während für einen Film pro Drehtag rund drei Minuten Filmmaterial entstehen, kommen für eine Serie gut und gerne zwanzig Minuten zusammen.
Wie oft müssen Sie eine Filmsequenz wiederholen?
Das ist ganz unterschiedlich. Je nach Spielszene wird eine Sequenz mehrmals gedreht. Im Vergleich zu einer Filmproduktion ist man gezwungen, sich schneller zufrieden zu geben. Das hat damit zu tun, dass man in kurzer Zeit viel mehr Material zusammenbringen muss. Das kann für einen Schauspieler auch mal frustrierend sein, da man selber manchmal nicht gleich mit dem ersten Take zufrieden ist.
Wie anstrengend sind die Dreharbeiten?
Die Arbeiten am Set sind manchmal sehr anstrengend. Es wird konzentriert und schnell gearbeitet. Aber da wir ein tolles Team sind, kommt der Spassfaktor auch nicht zu kurz.
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Auftritte vor der Kamera vor?
Wenn ich am nächsten Tag drehe, versuche ich am Vortag früh schlafen zu gehen. Das fällt mir allerdings manchmal recht schwer, da ich doch eher ein nachtaktiver Mensch bin. An meinen freien Tagen lerne ich meine Sprechrolle auswendig. Dazu kommt, dass wir jeweils montags einen Probetag haben.
Macht Ihnen die Arbeit vor der Kamera Spass?
Auf jeden Fall. Die Schaffensweise beim Film ist zwar völlig anders als beim Theater, aber auch sehr spannend. Beim Film ist das ganze viel mehr Stückwerk. Man redet zwei, drei Sätze, dann wird die Sequenz aus einem anderen Blickwinkel gedreht und schliesslich werden die Bilder zusammengeschnitten. Beim Theater ist der Spannungsbogen viel weiter. Man steht zwei ein- halb Stunden auf der Bühne und spielt vor Publikum.
Neben mehreren Bühnenproduktionen standen Sie auch schon im Kinostreifen „Merry Christmas“ vor der Kamera. Fühlen Sie sich am Set wohler oder auf der Bühne?
Ich spiele lieber vor Publikum. Die Arbeit auf der Bühne macht mir mehr Spass. Es ist ein tolles Gefühl zu merken, wenn das Publikum mitfiebert.
Das Aushängeschild der Serie „Braut wider Willen“ ist Yvonne Catterfeld, die als Sophie von Ahlen die Hauptrolle innehat. Wie gibt sich Yvonne Catterfeld während den Dreharbeiten?
Yvonne ist sehr lieb und nett und eine Business-Frau durch und durch. Sie weiss sehr wohl, wie man sich gut verkauft und ist sehr viel unterwegs. Es kann durchaus vorkommen, dass sie nach einem langen Drehtag noch von Berlin nach Köln fliegt, um als Studiogast bei einer Fernsehshow aufzutreten. Schon am nächsten Morgen ist sie wieder am Set. Obwohl sie ständig im Stress ist, hat sie nie schlechte Laune. Das finde ich bemerkenswert.
Haben Sie auch privaten Kontakt zu ihr?
Nein, nicht wirklich. Wir essen zwar zusammen im Studio und trinken abends auch mal alle zusammen ein Bier, aber ansonsten verbringt Yvonne ihre Freizeit wahrscheinlich lieber mit ihrem Freund, als mit ihren Schauspielerkollegen (lacht).
Wie sind die Reaktionen auf Ihr Engagement beim Fernsehen?
Eigentlich durchwegs positiv. Die neue Serie wird ihr Publikum sicherlich finden. Und natürlich freuen sich meine Freunde und meine Familie mit mir.
Werden Sie auf der Strasse erkannt?
Auf der Strasse wurde ich bisher erst einmal erkannt. Es war eine durchaus angenehme Begegnung. Die Serie läuft erst seit drei Wochen und von daher hält sich der Rummel um unse-re Personen in Grenzen. Aber vielleicht ändert sich das noch mit zunehmender Spieldauer.
Sie studieren seit zwei Jahren am Konservatorium in Wien musikalisches Unterhaltungstheater (Musical, Operette, Chanson). Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, nach Wien zu ziehen?
Weil es in der Schweiz keine derartige Ausbildung gibt, musste ich mich im Ausland umsehen. Neben Wien hatte ich die Wahl zwischen Berlin, München, Leipzig und Essen. Die Schule in Wien war meine erste Wahl und ich bin froh, dass es gleich beim ersten Anlauf geklappt hat.
Was ist der Reiz an der Schauspielerei?
Das ist schwer zu sagen. Ich konnte mir eigentlich von klein auf nichts anderes vorstellen, als Schauspieler zu werden. Zwischendurch gab es Momente, da wollte ich Opernsänger werden (lacht). Aber diesen Wunsch habe ich schnell einmal über Bord geworfen. Letztendlich habe ich mich für ein Mittelding entschieden.
Wie lebt es sich als Oberwalliser in der früheren Kaiser-Monarchie?
(schmunzelt) Recht gut. Ich habe Wien schon nach zwei Wochen in mein Herz geschlossen und bin ein eigentlicher Wien-Fan. Die Stadt strahlt einen unglaublichen Charme aus. Dazu kommt eine Vielzahl an kulturellen Möglichkeiten wie beispielsweise das Burgtheater oder die Wiener Staatsoper. Ich fühle mich sehr wohl dort.
Für die Dreharbeiten der Serie „Braut wider Willen“ sind Sie vor zwei Monaten nach Berlin umgezogen?
Berlin ist im Gegensatz zu Wien eine sehr impulsive, laute und chaotische Stadt. Hier treffen die verschiedensten Menschen und Kulturen aufeinander. Dagegen nimmt sich Wien viel ruhiger, gemütlicher, aber auch verstaubter aus. Das gefällt mir komischerweise besser.
Wie leben Sie momentan in Berlin?
Ich sehe Berlin als Herausforderung und will so viel wie möglich lernen. Manchmal fühle ich mich wie ein Schwamm, der alles in sich aufsaugt, obwohl ich nicht schwammig bin (lacht).
Wie gibt sich Jan Hutter privat?
Ich verbringe meine Zeit gerne mit Freunden und bin oft unterwegs. Aber es kann auch durchaus mal vorkommen, dass ich einen Abend zu Hause verbringe und ein gutes Buch lese.
In der Serie „Braut wider Willen“ spielen Sie einen verliebten Wirtssohn. Wie sieht es in Ihrem Privatleben aus? Gibt es schon die richtige Frau an Ihrer Seite?
Nein, bisher ist mir die Richtige noch nicht über den Weg gelaufen.
Leben Sie demzufolge in einem Single-Haushalt?
Ich lebe in einer WG mit einer Studentin zusammen. Astrid studiert BWL. Wir ergänzen uns sehr gut. Ausserdem bin ich froh, nicht andauernd von lauter Künstlerseelen umgeben zu sein (lacht).
Sie sagen von sich selber, dass Sie sehr chaotisch sind. Wie kommt Ihr Umfeld damit klar?
Sehr unterschiedlich. Viele meiner Freunde und Kollegen machen sich nichts draus, anderen gehts auf die Nerven. Aber im Grossen und Ganzen kommen sie damit klar.
Wie sehen Ihre beruflichen Zukunftspläne aus?
Ich möchte mich nicht in irgendeine Schublade zwängen lassen und alles ausprobieren, was mit Theater, Film, Musik und Schauspielerei zu tun hat. In diese Richtung habe ich auch meine Ausbildung gewählt, um mir alle Optionen offen zu halten.
Werden Sie nach dem Ende Ihrer Ausbildung in Wien bleiben?
Das lässt sich noch nicht sagen. Bis zum Ende der Dreharbeiten werde ich in Berlin wohnen. Danach werde ich wieder nach Wien ziehen, um meine Ausbildung fertig zu machen. Was danach kommt, weiss ich noch nicht. Wer kann in diesem Beruf schon sagen, wo das nächste Abenteuer lauert?
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