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Zermatt tut sich schwer mit der Lösung der Innerortsverkehrsprobleme
Verkehrspolitik auf der Achterbahn


 

Zermatt / Die Kleinstadt am Matterhorn mag den Innerortsverkehr kaum mehr zu bewältigen. Die unterschiedlichsten Lösungsansätze sind auf dem Tisch. Sowohl das vorgeschlagene Einbahnsystem als auch das visionäre Coaster-Projekt haben es schwer. Die Zermatter Verkehrspolitik gleicht einer Achterbahnfahrt.

Von German Escher

„Es besteht dringender Handlungsbedarf“, hält Thomas Abgottspon, Gemeinderat und Ressortchef Verkehr, gegenüber der RZ fest. Fakt ist: Die Elektrobusse und die rund 500 Elektromobile reichen nicht mehr aus, um den Ansturm zu den Bergbahnen zu bewältigen. Vor allem in der stark frequentierten Bahnhofstrasse kommen sich Fussgänger und Elektromobile immer mehr in die Quere. Deshalb möchte eine Arbeitsgruppe unter Ressortchef Abgottspon als verkehrsberuhigende Massnahme Einbahnverkehr in der Bahnhofstrasse einführen. Der Entscheid läge in der Kompetenz des Gemeinderates. Doch dieser stellte den Beschluss vorerst zurück. „Noch ist in Sachen Einbahnstrasse nichts entschieden“, bestätigt Gemeindepräsident Christoph Bürgin.

Coaster: mehr als ein Traum?
Zur Lösung des Verkehrsproblems in Zermatt braucht es ohnehin weitreichendere Massnahmen. Das weiss auch der Gemeinderat. Eine Möglichkeit wäre der Bau eines sogenannten Coasters. Es handelt sich dabei um eine bodenunabhängige Achterbahn-ähnliche Anlage. In den schienengebundenen Elektrofahrzeugen haben bis zu acht Personen Platz. Dank ausgeklügelter Selbstfahrtechnik braucht es ähnlich wie in einer Gondel kein Kabinenpersonal. Die Stundenkapazität beträgt 2880 Personen pro Richtung. Kostenpunkt des Coasters: rund 4,5 Millionen Franken pro Kilometer und Richtung.
„Wir prüfen den Coaster ernsthaft“, erklärt Gemeinderat Thomas Abgottspon gegenüber der RZ. Der Ressortchef Verkehr steht dem Projekt sehr positiv gegenüber. Das traf zumindest im Frühling auch noch für den Gemeindepräsidenten Christoph Bürgin zu. „Die Achterbahn-Lösung war bisher die günstigste Variante“, erklärte er damals in einem RZ-Interview. Heute beurteilt er den Coaster gegenüber der RZ skeptischer: „In Zermatt wird kein Geld in eine Prototyp-Anlage investiert.“ Auf einen entsprechenden Planungskredit hat der Gemeinderat bisher jedenfalls verzichtet.

In zwei bis fünf Jahren machbar
Ganz vom Tisch scheint der Coaster aber nicht. „Wir haben umfangreiche Vorgespräche geführt“, erklärt Rainer Perprunner, Geschäftsführer der in Österreich angesiedelten Coaster AG auf Anfrage. Von einem eigentlichen Vorprojekt könne man aber derzeit noch nicht sprechen. Er hält seinen Coaster aber für durchaus geeignet, die Verkehrsprobleme im Matterhorndorf zu lösen. Er räumt aber zugleich ein, dass Zermatt wohl kaum als klassische Erstanlage in Frage kommt. Bisher besteht in Österreich eine Testanlage. Nächstes Jahr will Perprunner eine erste Kleinanlage für den öffentlichen Verkehr realisieren und so Alltagserfahrungen im Dauerbetrieb sammeln. Also wäre der Coaster erst mittelfristig ein Thema für Zermatt? Geschäftsführer Perprunner gibt sich zuversichtlich: „Wir könnten das Projekt in Zermatt in zwei bis fünf Jahren realisieren.“

Ausschuss für Strassenprojekt
Gemeinderat Abgottspon plädiert für den Ausbau der Strasse nach Spiess/Zermatt. Damit entstünde ein zweiter Eintrittspunkt, von wo aus sich die Gäste leichter verteilen liessen. An seiner letzten Gemeinderatssitzung hat der Rat einen Steuerausschuss unter dem Vorsitz des Ressortchefs eingesetzt, um das Projekt weiter zu verfolgen. Damit trägt der Rat dem Resultat der Konsultativabstimmung vom vergangenen März Rechnung. Damals hat das Stimmvolk den Ausbau mit 808 Ja zu 719 Nein befürwortet.

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