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Ueli Schmezer, Moderator „Pisa - Kampf der Kantone“
„Ich hoffe, dass die Walliser vorne dabei sind“

 

Bern / Er ist der neue Oberlehrer der Nation und moderiert die Show „Pisa – Kampf der Kantone“. Ueli Schmezer (44), Fernsehjournalist und Kassensturz-Moderator, gibt im RZ-Frontalinterview einen Einblick hinter die Kulissen der neuen Quizsendung, erzählt aus der Schule, spricht über seine innere Verwandtschaft zu Günther Jauch und sagt: „Ich freue mich riesig auf die neue Spielshow“.

Von Walter Bellwald

Am 11. Dezember gehts los mit Ihrer Show „Pisa - Kampf der Kantone“. Was dürfen die Zuschauer erwarten?
Eine schlaue Unterhaltungssendung. Eine Sendung mit Knobel–Aufgaben aus dem Leben, die man mit gesundem Menschenverstand und der Schulbildung eines 15-Jährigen beantworten kann. Das tönt zwar sehr einfach, ist es aber nicht. Das wissen vor allem Eltern, die schon einmal versucht haben, ihren Kindern bei den Aufgaben zu helfen. Da kommt man relativ schnell einmal an seine Grenzen. Das Schöne an der Sendung ist, dass auch die Zuschauerinnen und Zuschauer daheim vor dem Fernseher mitraten und ihr Wissen testen können.

Den Kandidaten werden verschiedene Fragen gestellt, die ein Team von Spezialisten zusammengestellt hat...
Ich stehe eigentlich unter strengster Geheimhaltung und darf diesbezüglich gar nichts preisgeben. Was ich verraten darf, sind die Themengebiete. Diese lehnen sich an die offizielle Pisa-Studie an und basieren auf dem Schulwissen der Jugendlichen. In meiner Sendung kommen Fragen über Mathematik/Naturwissenschaften, zu Problemlösungen und dem Themengebiet Sehen-Hören-Verstehen. Letztere Kategorie dient dazu, die Wahrnehmung und Konzentration der Kandidaten zu prüfen.

Haben Sie ein Mitspracherecht, was die Fragen angeht?
Wenn ich der Meinung bin, dass eine Frage zu schwierig oder zu komplex ist, diskutieren wir im Team darüber. Je nach dem wird die Frage gestrichen.

Wie bereiten Sie sich auf die Sendungen vor?
Ich bin momentan dabei, die Fragen zu sichten. Dabei geht es mir in erster Linie darum, einfache Formulierungen zu verwenden und die Antworten und Zusammenhänge in einfacher Form aufzuzeigen.

Sie sind einer der wenigen Eingeweihten, die Einblick in die Fragen haben. Wie Pisa-tauglich sind Sie selbst?
Beim Durchsichten der Fragen habe ich rund einen Drittel der Fragen auf Anhieb richtig beantwortet. Das Problem dabei ist, dass man unter Zeitdruck steht. Dadurch wird der Schwierigkeitsgrad erhöht. Wenn ich die Fragen ohne Zeitdruck überlegen darf, kann ich über fünfzig Prozent der Fragen richtig beantworten.

Wie aussagekräftig sind solche Tests?
Der offizielle Pisa-Test der OECD ist ein professionelles Instrument, das in vielen Ländern angewandt wird. Dabei kann man über die verschiedenen Kulturen und Sprachgrenzen hinweg das Niveau der Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Ländern vergleichen. Von daher ist die Pisa-Studie sicher sehr aussagekräftig.

In der jüngsten Pisa-Studie schwingen die Finnen oben aus. Was haben die finnischen Jugendlichen unseren Schülerinnen und Schülern voraus?
Das hat wahrscheinlich mit mehreren Faktoren wie Einschulungsalter, Ausbildungsformen etc. zu tun. Aber es wäre vermessen, wenn ich einen Kommentar zum finnischen Schulsystem abgeben würde. Das ist eine komplexe Angelegenheit, mit der sich die Bildungsbehörden der verschiedenen Länder auseinander setzen müssen.

Wenn Sie sich an Ihre eigene Schulzeit besinnen, was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Ich bin eigentlich gerne zur Schule gegangen. Aber vor allem während dem Gymnasium hatte ich andere Sachen im Kopf als die Schule. Ich denke, ein paar Lehrer waren nicht unglücklich darüber, als ich die Schule endlich verlassen habe.

Waren Sie ein guter Schüler?
Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen. Vor allem Sprachen interessierten mich sehr. Mathematik und Naturwissenschaften hingegen waren nicht mein Ding. Entsprechend schlecht fielen diesbezüglich meine Noten aus. In der Matura-Prüfung hatte ich in Mathe eine knappe Vier. Heute sehe ich das Ganze ein bisschen anders. Ich finde es recht spannend, die Zusammenhänge von physikalischen Gesetzen zu studieren. Als Vater von drei Buben muss ich mich gezwungenermassen damit auseinander setzen.

Waren Ihre Eltern mit Ihren schulischen Leistungen zufrieden?
(lacht schallend) Meine Eltern haben sicher auch mal die Stirn gerunzelt. Einmal hatte ich sogar ein PG in meinem Zeugnis, was soviel heisst wie „Promotion gefährdet“. Da hatten meine Eltern natürlich nicht sehr viel Freude.

Heute sind Sie Fernsehmoderator, Liedermacher und Familienmensch. Sind Sie mit Ihrem Werdegang zufrieden?
Das ist eine schwierige Frage. Für mich ist es wichtig, dass man auf einem Weg ist. Ich schätze Leute, die unterwegs sind und versuche selber, nicht stehen zu bleiben. Das ist bei mir bis heute glücklicherweise nicht der Fall. Ich habe immer wieder etwas dazugelernt und eine neue Idee oder einen Plan umgesetzt. Dazu gehört natürlich auch Glück und dafür bin ich sehr dankbar. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die in der Vergangenheit leben und sich etwas zurück wünschen. „Äs fägt, so wiäs isch“ und der Moment, den ich gerade erlebe, ist für mich der Beste.

Sie stehen seit zwanzig Jahren vor der Kamera und haben in dieser Zeit sehr viele Sendungen moderiert, so u.a. den Zischtigs-Club und die Sportsendung Time-Out. Heute sind Sie bei der Konsumentensendung Kassensturz. Wieso jetzt der Wechsel zum Quizmaster?
Das hat verschiedene Gründe: Zum einen rätsle ich selber sehr gerne und andererseits finde ich es lässig, ein Quiz zu moderieren, das den Kandidaten und Zuschauern einiges abverlangt. Die Sendung Kassensturz dagegen hat einen sehr ernsthaften Hintergrund. Aber das ist nur ein Aspekt von mir. Ich amüsiere mich auch sehr gerne und habe tagtäglich meinen Spass im Team. Mit „Pisa – Kampf der Kantone“ moderiere ich jetzt eine Sendung, in der ich meine lockere Art ausleben darf. Darauf freue ich mich riesig.

Sehen Sie sich als Günther Jauch des Schweizer Fernsehens?
Das liegt nicht an mir, darüber zu urteilen. Was ich an Günther Jauch schätze, ist, dass er ein guter Journalist ist, auch mal kritisch hinterfragen darf und dennoch ein lockerer Typ sein kann. Das zeigt, dass das eine das andere nicht ausschliesst. Hier sehe ich meine innere Verwandtschaft mit Jauch.

Alle 26 Kantone treten in der neuen Spielshow gegeneinander an. Die Sieger dürfen sich „Cleverster Kanton der Schweiz“ nennen. Welchen Kanton favorisieren Sie persönlich?
(grinst) Da werde ich mich nicht auf die Äste hinauslassen. Der Cleverste Kanton soll gewinnen. Ich hoffe doch sehr, dass die Walliser auch mit vorne dabei sind.

Wie schätzen Sie die Walliser ein?
Die Walliser sind sehr schlau, da habe ich überhaupt keine Bedenken. Aber ich lasse mich überraschen, wer letztendlich oben aus schwingt. Ich bin natürlich auch gespannt, wie mein Heimatkanton Bern abschneidet. Aber zur allgemeinen Beruhigung darf ich sagen, dass ich mit Zürich auch noch einen zweiten Heimatort habe. Dadurch ist das Ganze wieder ausgeglichen.

Würden Sie selber als Kandidat bei „Pisa – Kampf der Kantone“ mitmachen?
Auf alle Fälle. Es birgt zwar ein gewisses Risiko, sich vor einem grossen Publikum bloss zu stellen und eine falsche Antwort zu geben. Aber ich finde, man muss über der Sache stehen und auch mal über sich grinsen können, wenn man eine Frage nicht beantworten kann. Schliesslich ist es nicht ganz einfach, in kurzer Zeit die Zusammenhänge einzelner Fragen richtig zu erkennen.

Als „Pisa-Moderator“ und Oberlehrer der Nation kennen Sie sicher auch das Wallis recht gut...
Ich war gelegentlich zum Skifahren im Wallis. Und auch im Sommer war ich schon ennet dem Lötschberg. So unter anderem in Oberems beim Kinder Open-Air. Das ist quasi meine dritte Heimat. Hier gefällt es mir sehr gut.

Apropos Kinder Open-Air: Neben Ihrer Arbeit beim Schweizer Fernsehen haben Sie sich auch als Liedermacher einen Namen geschaffen. So sind Sie im nächsten Jahr wieder mit Ihren Programmen „Chinderland“ und Matter Live unterwegs. Was fasziniert Sie an der Musik?
Musik ist das Gesündeste, was es gibt. Dadurch kommt man wieder ins Gleichgewicht. Bei den Kinderliedern kommt dazu, dass man dadurch in eine total andere Welt eintaucht. Ich bin jedes Mal total gerührt, wenn ich bei einem Konzert all die Kinder sehe und sie mitsingen. Auch wenn ich mit meiner Band und dem Programm Matter Live unterwegs bin, kann ich vom Alltag abschalten.

Vor einigen Jahren haben Sie eine Weltreise gemacht. Werden Sie sich diesen Traum nochmals erfüllen?
Man ist viel auf der Suche nach Abenteuern im Leben. Ich habe meins gefunden. Zusammen mit meiner Frau und meinen drei Kindern bestreite ich das Abenteuer Familie. Auch beruflich ist jeder Tag sehr interessant. Da muss ich nicht erst nach neuen Abenteuern suchen.

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