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Zürich / Wallis / Auf der DRS-Wetterstation im Fernsehstudio in Leutschenbach geht es hoch zu und her. Nicht nur werden den ganzen Tag verschiedene Wettermodelle studiert und zusammen mit eigenen Beobachtungen zu Prognosen verarbeitet. Manchmal im Fünf-Minuten-Takt wollen zudem verschiedenste Radio- und Fernsehstationen mit den Wetternews bedient werden. Eine stürmische Reportage von der Wetterfront.
Von Ruth Seeholzer
„Die ersten zwei Stunden am Morgen sind gnadenlos“, erklärt Felix Blumer, Meteorologe bei der DRS Wetterredaktion. „Jeder Griff, jeder Gedanke muss sitzen.“ Um halb fünf beginnt die Morgenschicht. Anderthalb Stunden bleiben, um die fünf verschiedenen Wettermodelle, die es weltweit gibt, und die alle sechs bis zwölf Stunden aktualisiert werden, zu studieren, sie mit eigenen Wetterbeobachtungen zu vergleichen und erste Prognosen zu wagen. Denn um sechs Uhr morgens wollen die ersten Frühaufsteher das aktuelle Wetter auf ihrem Radiosender hören. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Auf DRS 1, DRS 3 und Musikwelle sowie weiteren Privatradios werden zu jeder halben und jeder vollen Stunde, am Morgen gar noch häufiger, die Wetterprognosen live von einem DRS-Meteorologen erzählt. Ab ein Uhr mittags kommt dann noch das Fernseh-Wetter dazu. „Wir müssen nicht nur das Wetter vorhersagen, sondern es auch noch gut vermitteln können“, schmunzelt Blumer.
Schlechtes Renommee
Felix Blumer ist studierter Meteorologe. Wie übrigens alle seine Kollegen. Und trotzdem haftet den „Wettermännern” der Ruch des Hokuspokus an. „Wir Meteorologen haben ein sehr schlechtes Renommee“, wird sein Chef Thomas Bucheli später im Interview klagen. Die Meteorologie basiere zwar auf den Daten der exakten Wissenschaft. Aber die Folgerungen daraus ziehen, das verlange ein enormes Wissen und lange Erfahrung. „Eine gewisse Kreativität ist möglich in unserem Beruf. Und das unterscheidet uns von den anderen exakten Wissenschaften.“
Walliser Klagen
Dass die Wettervorhersage manchmal ein Vabanque-Spiel ist – welcher Walliser oder welche Walliserin könnte davon nicht ein Liedchen singen? In den letzten Jahren häuften sich die Beschwerden bei der DRS Wetterredaktion darüber, wie das Walliser Wetter abgehandelt wurde. Sogar der Direktor von Wallis Tourismus, Urs Zenhäusern, wurde bei Bucheli vorstellig. Entweder wurde das Wallis gar nicht benannt in den Wetterprognose, oder dann lagen die Vorhersagen öfters mal daneben. Blumer und Bucheli geben zu, dass sie heute verschiedene Randregionen, darunter auch das Wallis, besser abdecken. Und tatsächlich taucht in den letzten Monaten das Wallis vermehrt in den Wetterprognosen auf.
Das spezielle Walliser Wetter
Das Wallis gab und gibt den Meteorologen allerdings bis heute immer wieder einige Rätsel auf. Erstens ist unser Kanton ein inneralpines Tal, also gehört es weder zur Alpennord- noch zur Alpensüdseite. Seine Grösse und die Ausrichtung von Osten nach Westen verkomplizieren die Wettervorhersage nochmals. „Wenn die Winde nur wenig drehen, kann das im Wallis zu einem ganz anderen Wetter führen“, so Blumer. So wird aus dem „Unteren” plötzlich der „Obere Wind”. Und was das heisst, das muss man auch die Alteingesessenen nicht fragen. Doch Blumer zieht noch einen weiteren Trumpf aus dem Ärmel. Stolz präsentiert er die Dutzenden von Webcams, also Kameras, die in den verschiedenen Landesteilen das aktuelle Wetter filmen und deren Daten jederzeit abrufbar sind. In Crans, Guttet-Feschel und im Obergoms (Biel-Ritzingen und Imfeld/Binntal) nehmen sie das Walliser Wetter auf. „Wir wollen ja nicht im Meteo am Fernsehen erzählen, dass es im Wallis regne, und dabei scheint dort die Sonne“, grinst Balmer.
Altes Wetter-Wissen
Wie sieht es denn mit dem Wissen aus, das schon unsere Vorfahren aus dem heimischen Wetter gezogen haben? Und was halten die Profis von ihren Kollegen, den Muotathaler Wetterfröschen? „Also die Muotathaler können wir schon nicht so ganz ernst nehmen“, lacht Blumer. Und Bucheli präzisiert: „Mit altem Wissen kann man höchstens das Wetter bis zum Abend bestimmen. Mehr geht jedoch nicht.“ Allerdings, so Blumer, sei es wieder etwas anderes mit den Bauernregeln. „Da sind gewisse Gesetzmässigkeiten drin, die man nicht einfach so umgehen kann.“
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