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Adalbert Grand, Vizepräsident und Präsident ad interim des Waldwirtschaftsverbandes Oberwallis
„Oberwalliser Waldwirtschaftsverband kann nicht bankrott gehen“


 

Leuk / Oberwallis / Im Nachbarkanton Bern schlagen die Wellen hoch in Sachen Waldwirtschaftsverband. Schulden von zwei Millionen Franken führten zum Konkurs. Adalbert Grand, Vizepräsident des Waldwirtschaftsverbandes Oberwallis (WWVO), nimmt im grossen RZ-Interview Stellung zur Frage, ob ein solcher Crash auch in seinem Verband möglich wäre. Grand ist seit fünf Jahren im Vorstand des Waldwirtschaftsverbandes Oberwallis. Seit dem Rücktritt von Verbandspräsident Marcel Kummer im März 2005 ist er Interimspräsident. Adalbert Grand, Burgerrat von Leuk und daselbst zuständig für das Forstrevier, gibt pointiert Auskunft zum grossen Wechsel im Vorstand des WWVO und übt Kritik am nicht marktwirtschaftlichen Denken der Forstarbeiter.

Von Ruth Seeholzer

Der Verband der bernischen Waldbesitzer musste vor gut einer Woche Konkurs anmelden, weil er in einem einzigen Jahr Verluste von knapp zwei Millionen Franken erwirtschaftet hatte. Könnte solch ein Schreckensszenario auch dem WWVO passieren?
Nein, bei uns ist das gar nicht möglich, da unser Verband nicht mit Holz wirtschaftet, so wie der bernische Verband es tut. Bei uns vermarkten die einzelnen Burgerschaften und Forstreviere das Holz selber. Ein Forstrevier könnte theoretisch bankrott gehen. Nicht aber der Waldwirtschaftsverband.

Wäre denn dies keine Alternative für den Verband? Immerhin wird im Wallis auch ziemlich viel Holz abgebaut.
Nein, das sehe ich nicht so. Die Forstleute sind viel initiativer, viel näher an der Sache, als es ein Verband je sein kann. Der Verband kann Strategien anbieten. Kann angeben, in welche Richtung es eventuell gehen sollte. Aber die Geschäfte in die Hand nehmen, das sehe ich nicht als Aufgabe des Verbandes.

Was genau ist denn die Aufgabe des Waldwirtschaftsverbandes Oberwallis?
Wir bringen die ganzen Burgerschaften, die ja gleichzeitig auch Waldeigentümer sind, an einen Tisch und vertreten sie gegenüber dem Kanton und dem Bund. Wenn die Waldbesitzer als Verband auftreten, haben sie viel mehr Kraft und können auch viel mehr erreichen, als es jeder einzelne je könnte. Zudem läuft auch die Aus- und Weiterbildung des Forstpersonals, vom Waldarbeiter bis zum Förster, über den Verband.

Welche Geldbeträge fliessen über den Tisch des WWVO?
Die Waldbesitzer zahlen pro Hektare Wald einen gewissen Beitrag an uns. Der ist aber nicht gigantisch hoch. Dazu kommt vom CAFOR eine jährliche Zahlung von rund 12’000 Franken. Sie sehen also, damit kann man als Verband keine grossen Sprünge machen. Ich muss allerdings auch sagen, dass die Aus- und Weiterbildungen des Forstpersonals vorwiegend über den CAFOR laufen.

Im Wallis gibt es einen Unterwalliser und einen Oberwalliser Waldwirtschaftsverband, zudem aber noch den CAFOR, die Gemeinschaft der regionalen Waldwirtschaftsverbände Wallis. Warum diese Organisation zusätzlich?
Sehen Sie, wenn das Wallis nicht zweisprachig wäre, dann reichte der CAFOR vollständig aus. Nun gibt es jedoch zusätzlich vier Sektionen im Unterwallis und einen Oberwalliser Waldwirtschaftsverband.

In diesem Frühling gab es beim Waldwirtschaftsverband Oberwallis einige Turbulenzen. Der langjährige Präsident Marcel Kummer ist zurückgetreten. Und mit ihm praktisch der gesamte Vorstand, bis auf Sie. – Was waren die Gründe für diese Hauruckübung?
Der Rücktrittsgrund von Marcel Kummer liegt auf der Hand, respektive ist in unseren Statuten festgeschrieben. Weil Marcel Kummer nicht mehr Mitglied im Burgerrat von Bitsch ist, konnte er auch nicht mehr im Vorstand des Waldwirtschaftsverbandes sein. Und was die anderen Rücktritte im Vorstand betrifft, liegen ähnliche Gründe wie bei Kummer vor, die Unstimmigkeiten bezüglich der Demonstrationen in Bern taten sicher auch das ihre dazu.

Das müssen Sie uns näher erklären.
Teile des Forstpersonals wollten an die Demonstration gegen den Abbau der Subventionen in der Waldwirtschaft nach Bern gehen. Unser Verband war jedoch dagegen. Im Laufe dieser Unstimmigkeiten kamen Forderungen vom Forstpersonal, die den Rücktritt des Präsidenten forderten. Dagegen wehrte ich mich jedoch entschieden. Schliesslich sind wir vom Volk gewählte Vertreter, die nicht einfach zum Rücktritt aufgefordert werden können, nur weil sie anderer Ansicht sind.

Dass gleich auf einen Ruck praktisch der ganze Vorstand zurücktrat, ist nicht gerade ideal für den Verband?
Nein, da gebe ich Ihnen Recht. Allerdings ist das jedem seine eigene Entscheidung, die ich nicht kommentieren will.

Dem Alt-Präsidenten Marcel Kummer kann man Ihrer Meinung nach keinen Vorwurf machen?
Nein, ich möchte dem Alt-Präsidenten keinen Vorwurf machen. Das einzige, was man sagen könnte, ist, dass die Kommunikation vielleicht nicht immer optimal war. Er hat die Interessen der Waldbesitzer jedoch pflichtbewusst vertreten.

Sie sind der Interimspräsident, da noch kein Nachfolger für Marcel Kummer gefunden werden konnte. Die Unstimmigkeiten mit dem Forstpersonal bestehen immer noch?

Sehen Sie, das Problem liegt darin, dass gewisse Forstangestellte immer noch das Gefühl haben, sie seien Staatsangestellte. Das sind sie aber nicht. Unsere Angestellten müssen marktwirtschaftlich denken und handeln. Die Forstbetriebe müssen auch bei öffentlichen Aufträgen ganz normal ihre Offerten eingeben. Das ist heute ein knallhartes Business, das marktwirtschaftlichen Gegebenheiten unterworfen ist. Davon müssen wir vom Verband das Forstpersonal noch überzeugen. Einige der Forstreviere jedoch haben diesen neuen Wind bereits gespürt und fahren heute auf der richtigen Linie.

Einige Forstreviere wurden bereits zusammengelegt, was auch für Aufruhr unter dem Forstpersonal sorgte. Wird es in dieser Richtung weiter gehen?
Marcel Kummer sagte schon vor einigen Jahren, dass aus den 19 Forstrevieren noch höchstens zwölf hervorgehen werden. Ich bin sogar der Meinung, dass es nur noch acht oder neun Reviere sein sollten. Kleine Reviere mit drei bis vier Angestellten – das ist Vergangenheit. Auf diese Weise kann man nicht marktwirtschaftlich produzieren. Es ist illusorisch, wenn man glaubt, man könne im Wald noch viel Geld holen. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Ohne Subventionen läuft hier gar nichts mehr.

Also müssen die Forstangestellten einerseits marktwirtschaftlich denken, andererseits dürfen sie aber auch den Politikern nicht auf die Zehen treten. Ist das nicht ein Spagat?
Wir sind in keiner einfachen Position. Ich will damit einfach sagen, dass die Forstangestellten den Politikern die Leitung der Forstreviere und dem WWVO überlassen sollen. Wir sind kein Verein, bei dessen Generalversammlung jeder seinen Antrag stellen kann.

Sie möchten nicht die Nachfolge als Präsident des WWVO antreten?
Nein, dafür bleibt mir schlicht und einfach zu wenig Zeit. Wenn man diese Arbeit seriös erledigen will, muss man Zeit investieren können. Zeit, die ich nicht habe. Ich habe das aber schon vor Jahren mitgeteilt, dass ich fürs Präsidium nicht zur Verfügung stehen werde. Ich persönlich bin der Meinung, dass eine der grossen Burgerschaften wie Brig oder Visp den Präsidenten stellen sollte.

Warum ist es so schwierig, einen neuen Präsidenten für den WWV Oberwallis zu finden?
Ich bin schon mehrere Leute angegangen. Alle Interessenten meldeten jedoch, dass sie dieses Amt aus zeitlichen Gründen nicht ausüben könnten. Aber wie gesagt, ich bin der Meinung, das Interesse sollte auch von den Burgergemeinden selber ausgehen.

Kenner der Oberwalliser Holzszene behaupten, dass die Aufgaben des Präsidenten locker im Nebenamt erledigt werden könnten, da der CAFOR in Sachen Ausbildung und Personal hervorragende Arbeit leiste.
Dieses Amt kann sicher im Nebenamt erledigt werden. Es braucht jedoch einen guten Sekretär, einen Kenner der Szene wie zum Beispiel einen Forstingenieur. Und es stimmt auch, dass die CAFOR sehr viel macht in Sachen Ausbildung. Der WWV Oberwallis ist mit drei Mitgliedern im Vorstand der CAFOR vertreten.

Der Wald ist in letzter Zeit auf der Ebene der schweizerischen Bundespolitik etwas unter die Räder gekommen. Immer weniger Geld steht zur Verfügung für dessen Unterhalt und die Pflege. Da müssten doch harte Lobbyisten ran, die für den Walliser Wald kämpfen?
Ich bin überzeugt, dass die Schweizerische Politik künftig nur noch in Wälder mit Schutzfunktion investieren wird. Für Nutzwälder ohne Schutzfunktion werden kaum mehr Subventionen fliessen. Die Politiker werden jedoch einsehen müssen, dass man mit sechzig Prozent Subventionen in einem potenziellen Gefahrengebiet wie dem Wallis unmöglich überleben kann. Der Subventionsansatz wird künftig wieder bei achtzig Prozent liegen müssen. Die erste Korrektur in diese Richtung ist ja bereits geschehen. Aber auch wir vom Verbandsvorstand reagierten, als die ersten Kürzungen bekannt wurden. Wir schauten dem nicht einfach tatenlos zu. Wir haben sehr gute Verbindungen zu den wichtigen Bundesstellen. Und auf der Stufe des Bundesparlaments setzt sich der Unterwalliser Ständerat Simon Epiney sehr stark für den Walliser Wald ein. Mit ihm haben wir einen guten Lobbyisten in Bern.

Warum setzen Sie sich persönlich für die Sache des Waldes ein?
Ich wurde in den Burgerrat von Leuk gewählt. Bei der Ämterverteilung bekam ich das Ressort Wald. Ich kannte auch schon einiges vom Wald. Auch von meinem Beruf als Architekt habe ich den Umgang mit Holz gelernt. Alles andere ist eine Frage des Einarbeitens. Ich denke, manchmal ist es sogar besser, wenn Aussenstehende in einem Verband Einsitz nehmen. Die Gefahr nämlich, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, ist manchmal recht gross (lacht).

Und noch eine letzte – und etwas adventlichere – Frage: Wird bei Ihnen dieses Jahr zu Hause ein künstlicher oder ein echter Weihnachtsbaum stehen?
Seit 23 Jahren steht bei mir zu Hause jede Weihnachten eine zwei Meter siebzig hohe Weisstanne. (Schmunzelt) Immer in derselben Ecke.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
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