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Brig / Naters / Ende Jahr haben Horoskope jeweils Hochkonjunktur. Die Natischer Astrologin Caterina Nellen weiss, warum dies so ist, verrät, wer alles in ihre Briger Praxis kommt und sagt übers 2006: „Alles, was als sinnlos erachtet wird, kann zu Bruch gehen.“
Von Denise Jeitziner
Sie sitzen beim Friseur. Eine Zeitschrift liegt vor Ihnen. Was lesen Sie zuerst?
Das Inhaltsverzeichnis, um zu schauen, ob mich etwas darin interessiert. Aber meistens habe ich meine eigenen Bücher mit.
Also nicht das Horoskop?
Nein. Horoskope in Zeitschriften sind sehr allgemein gehalten, was ja nicht anders möglich ist. Ich erstelle lieber mein eigenes Tageshoroskop, das habe ich gezielt für mich.
Konsultieren Sie Ihr Horoskop täglich?
Nicht täglich, aber oft. Vor allem, wenn wichtige Termine oder Entscheidungen anstehen. Ich sehe, ob alles glatt gehen wird oder ob Schwierigkeiten auftreten und kann mich mental darauf einstellen.
Drei Horoskope, drei Deutungen. Weshalb sind Horoskope so unterschiedlich?
Man kann immer alles von zwei Seiten anschauen: Entweder negativ oder positiv. Das kommt schon etwas auf den Blickwinkel des Astrologen an.
Ein pessimistischer Astrologe deutet eine Sternenkonstellation also negativ?
Die eigene Einstellung beeinflusst die Interpretation sicher. Die Konstellation ist ja bei allen Astrologen dieselbe. Aber die Kunst der Astrologie ist die Interpretation und die sollte möglichst objektiv sein.
Sie beschäftigen sich schon fast Ihr ganzes Leben mit Astrologie. Wie sind Sie dazu gekommen?
Es hat mich schon als Kind total fasziniert. Mit zwölf habe ich die ersten Bücher über Astrologie gelesen, natürlich zuerst ganz allgemein. Und dann bin ich immer tiefer in das Gebiet hineingerutscht...
...und haben mehrere Ausbildungen absolviert. Braucht ein Astrologe eigentlich hellseherische Fähigkeiten?
Nein, die Astrologie ist ganz klar eine Wissenschaft und die ist ungeheuer komplex. Ich habe auch jetzt nicht das Gefühl, dass ich ausgelernt habe, denke oft, jetzt muss ich unbedingt noch dieses oder jenes wissen. Und sicher fliesst die Intuition, vertieft diese das Erfassen. Als Astrologin muss man gut kombinieren können. Das ist sicher die wichtigste Fähigkeit. Und ein gutes Gedächtnis haben, damit man nicht gleich wieder alles vergisst, was man in Verbindung zueinander setzen muss (lacht).
Werden Sie als Astrologin akzeptiert? Oder wird Ihre Arbeit als Hokuspokus abgetan?
Nein, ich habe das Gefühl, dass ich voll akzeptiert bin. Die meisten Leute sind sehr interessiert an der Astrologie, aber es gibt sicher auch solche, die kein Interesse haben, was okay ist. Eine prinzipielle Ablehnung spüre ich aber nicht.
Wie hoch ist Ihre Treffsicherheit?
Durch jahrelange Erfahrung und Übung recht gut. Jedenfalls nicht schlechter als die Wetterprognose (lacht).
Gab es noch nie Reklamationen, weil eine Ihrer Voraussagen nicht eingetroffen ist?
Nein, weil ich vor allem schaue, was der Mensch erlebt. Ich gehe weniger auf konkrete Ereignisse ein, sondern aufgrund des Geburtshoros-kops zum Beispiel darauf, dass es im nächsten Jahr sehr stark um Gefühle geht oder eine tiefe Wandlung ansteht. Das hat sich bis jetzt immer im Grossen und Ganzen bestätigt.
Haben Sie auch schon Zweifel gehabt?
(überlegt lange) Ich hinterfrage die Sachen immer recht tief und genau, aber ich sehe mich nicht als jemanden an, der die absolute Wahrheit verkündet. Ich versuche so gut wie möglich an die Wahrheit heranzukommen, dem Menschen ein Bild von sich selbst zu vermitteln.
Sie haben in Brig eine eigene Praxis. Wer kommt zu Ihnen?
Alle möglichen Leute, jegliche Altersschichten und Berufsgattungen. Zum Beispiel Eltern, die ein Kinderhoroskop möchten, um ihr Kind besser zu verstehen. Oft sind es Leute, die etwas suchen, um weiterzukommen, die mehr über sich wissen und erfahren wollen, wie jemand anders sie sieht. Oder Leute, die wissen wollen, was ein gewisser schwieriger Punkt in ihrem Leben zu bedeuten hat. Dadurch, dass man sich schwieriger Konstellationen bewusst ist, kann man besser damit umgehen.
Was ist eine schwierige Konstellation?
Etwa wenn die Vernunft massiv über den Gefühlen steht. Wenn ich das dem betreffenden Menschen bewusst machen kann, er dadurch sicherer wird und mehr auf seine Gefühle hört, dann ist mein Ziel erreicht. Aber das muss man zuerst wissen. Das steht alles im Geburtshoroskop.
Weshalb braucht es überhaupt ein Tageshoroskop, wenn alles im Geburtshoroskop steht?
Das sind zwei verschiedene Dinge. Das persönliche Geburtshoroskop ist die Grundprägung, es zeigt die psychologische Struktur und umschreibt, um was es vom Erleben her in der Zukunft geht. Beim Tageshoroskop geht es um Ereignisaussagen, die aber nicht auf jeden zutreffen müssen. Die aktuellen Himmelskonstellationen müssen immer in Beziehung zum Geburtshoroskop gesetzt werden, dann ist es persönlich. Treffen sie genau auf die eigenen Geburtskonstellationen zu, können sie den betreffenden Menschen stark beeinflussen. Es kann aber auch sein, dass die Tageskonstellation gar keine Berührungspunkte mit dem Geburtshoroskop hat und sie die Person völlig kalt lässt. Das Geburtshoroskop ist wie wenn man im Auto sitzt und eine Bergstrasse hochfährt. Die aktuelle Tageskonstellation ist wie ein Steinschlag. Es muss aber nicht sein, dass der Steinschlag das Auto trifft.
Was, wenn Sie negative Dinge sehen? Sind Sie immer ehrlich?
Meine Praxis heisst Selbsterkenntnis und zu Selbsterkenntnis will ich den Menschen, die zu mir kommen, auch verhelfen. Wenn dies mit negativen Dingen verbunden ist, gehört dies dazu. Da bin ich ehrlich und sage das auch.
Verunsichert diese schonungslose Offenheit die Leute nicht?
Häufig, wenn ich etwas Ungünstiges sagen muss, ist es so, dass die Leute das im Innersten schon wissen. Die Überraschung ist meist nicht so gross.
Ist man den Sternen ausgeliefert?
Nein, man hat ja den freien Willen. Ich kann aufzeigen, in welche Richtung etwas gehen wird. Aber man kann immer frei entscheiden, ob man sich dem Schicksal voll hingeben oder davor flüchten will.
Man kann tatsächlich flüchten?
Das ist wahrscheinlich schwierig. Das Schicksal holt einen wohl trotzdem wieder ein (lacht). Sich mit Astrologie beschäftigen – das ist wie Abkürzungen nehmen. Man wird sich schneller darüber klar, in welche Richtung man gehen sollte. Man kann den einen oder anderen Weg abkürzen. Doch weder die Astrologie noch die Rückführung kann alle Steine aus dem Weg räumen. Manchmal ist es wichtig, dass man Steine auf sich nimmt oder eine andere Richtung einschlägt. Aber es ist ja ist nicht unbedingt nötig, jeden einzelnen Stein aufzuladen oder mitzuschleppen.
Sie haben die Rückführung angesprochen. Was ist das?
Es ist eine Therapieform bei leichter bis mittlerer Hypnose, bei der sich die Person anschliessend an alles erinnern kann. Ich führe mit gezielten Fragen durch den Prozess. Rückführungen sind dazu da, um tiefere Probleme zu lösen. Sie bringen einen Menschen ganz nah an sich heran, im tiefen, entspannten Zustand kommen die eigenen Seelenbilder hoch.
Was heisst das konkret?
Eine Klientin von mir hatte zum Beispiel eine Blockade in der Kommunikation. In der Rückführung hat sie sich als Bettlerin im Mittelalter erlebt, geistig behindert. Sie wurde von der Dorfgemeinschaft verstossen und musste am Dorfrand hinter Gitterstäben wohnen. Das alles erschwert natürlich die Kommunikation. Dadurch, dass die Klientin das alles während der Rückführung emotional erlebt, wird ihr am Schluss der Rückführung bewusst, dass sie heute alle Möglichkeiten hat, die Kommunikation frei zu nutzen. Und das bewirkt sehr viel, weil sie das selber erkennt.
Eine besondere Therapieform. Wie reagieren die meist streng katholischen Oberwalliser darauf?
Sehr positiv. Ich bin selber überrascht, dass sich so viele Leute dafür interessieren. Das Thema ist hochinteressant. Auch ich bin bei jeder Rückführung gespannt, was kommt und hoffe, dass die Person an einen Punkt kommt, wo sie selbst etwas lösen kann, zum Beispiel gefühlsmässige Blockaden und diese nicht mehr weiter trägt. Denn solange etwas unbewusst ist, hat es eine viel stärkere Kraft über einen, als wenn etwas bewusst ist.
Was, wenn jemand nicht an frühere Leben glaubt?
Das spielt für den Erfolg der Therapie überhaupt keine Rolle. Bei der Rückführung arbeiten wir stark mit Gefühlen. Man kann die Erlebnisse auch als Fantasiebilder anschauen, die ein Gleichnis aufstellen, die etwas bewusst machen wollen und die Ursache aufzeigen wollen.
Weshalb suchen Menschen immer stärker Halt in der Esoterik?
Das ist durch die massive Reizüberflutung von allen Seiten bedingt. Und dem Auflösen von Strukturen, sei es innerhalb der Familie oder durch die Globalisierung. Das verunsichert und so sucht der Mensch wieder stärker den Bezug zu sich selbst und eine innere Sicherheit, da die von aussen oftmals nicht mehr so da ist.
Aufs Jahresende hin hat die Astrologie Hochkonjunktur. Spüren Sie das in Ihrer Praxis auch?
Bei mir beginnt das eigentlich immer schon im Herbst. Anfang Jahr zieht es nochmals an. Oftmals nehmen die Leute den Jahreswechsel, um gewisse Sachen im Leben neu zu ordnen und einen neuen Bezug dazu zu bekommen.
Wie stehen die Sterne im 2006 für das Oberwallis?
Im 2006 stehen sich das Thema Sicherheit mit dem Bedürfnis nach starken Strukturen und das Thema Neuausrichtung als Hauptthemen gegenüber. Vor allem von Januar bis März gibt es durch diese gegensätzlichen Aspekte eine starke Spannung. Vieles ist im Umbruch. Es ist eine Zeit des Suchens, Dinge werden in Frage gestellt. Man hat Hoffnungen und Lust auf Neues. Alles, was als sinnlos erachtet wird, kann zu Bruch gehen. Was dagegen Sinn macht, erfährt eine Stärkung. Ab April wird viel Kraft und Energie freigesetzt. Man weiss, wofür es sich lohnt zu kämpfen. Der Sommer ist ruhiger, die Umbruchstimmung legt sich. Im September ist eine grosse Aktivität auszumachen. Ab Oktober geht es dann gelassener zu. 2006 ist auch das Jahr der Verbindungen. Es bieten sich viele Chancen um neue Verbindungen einzugehen, aber auch um bestehende zu lösen oder zu stärken.
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