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Zollikon / Wallis / Die Unternehmensberatungsfirma von Klaus J. Stöhlker ist seit Anfang Jahr das Walliser Standbein im Kanton Zürich. Das Wallis hofft damit, seine Präsenz im Grossraum Zürich zu verstärken. Klaus J. Stöhlker ist eine schillernde Figur im deutschsprachigen PR- und Mediengebiet. Der „Unternehmensberater für Öffentlichkeitsarbeit“ ist schnell im Denken, pointiert in seiner Aussage und – meistens – sehr überzeugend. Und ausgerechnet er soll den Kanton Wallis den Züricherinnen und Zürchern näher bringen. Dass er das Wallis liebt, scheint unbestritten. Wie er „sein“ Wallis den Zürchern verkaufen will, erklärt er im grossen RZ-Interview.
Von Ruth Seeholzer
Klaus J. Stöhlker, dürfen wir mit Ihnen Walliserdeutsch sprechen?
Selbstverständlich.
Was ist so toll an unserem Kanton? Verkaufen Sie uns in einem Satz das Wallis.
Das Wallis ist eines der absolut schönsten Hochtäler zwischen Ostfrankreich und Ungarn. Erst wenn man die ganze Gegend kennt, weiss man, wie schön, wie attraktiv, wie einmalig das Wallis ist.
Sie sollen – salopp gesagt – frischen Wind in die alten Urteile über das Wallis und seine Bewohner bringen. Und das ausgerechnet in Zürich. Da haben Sie sich eine grosse Aufgabe vorgenommen?
Das ist ein Vorurteil. Die Zürcher, und die kenne ich sehr gut, weil ich seit 1971 hier wohne, die Zürcher lieben das Wallis. Aber sie finden den Zugang nicht. Einerseits, weil bisher das Bündnerland so dominant ist. Der zweite Grund liegt darin, dass die Unterwalliser eher nach Paris ausgerichtet sind. Und die Oberwalliser sind halt manchmal etwas scheu. Also man mag sich zwar, aber man trifft sich nicht. Und diese Sperre müssen wir jetzt durchbrechen.
Nennen wir nur drei Stichworte: Billigsten Fendant-Fusel in die Deutschschweiz geliefert; tonnenweise Tomaten in den Rotten gekippt und ein paar Skistars geboren – so nimmt der Durchschnittszürcher heute das Wallis wahr… Das ist zwar Jahre bis Jahrzehnte her, aber da sich das Wallis bis jetzt nicht darum kümmerte, was die Grüezini denken, könnte dieser Happen doch ein wenig zu gross sein?
Die Tomatengeschichte ist lange her. Die ist bei der jüngeren Generation sicher weitgehend vergessen. Ausserdem gabs in anderen Kantonen durchaus ähnliche Skandale. Was den billigen Fendant angeht, bin ich auch besorgt. Der wurde sogar noch billiger nach Deutschland verkauft. Hier hat man garantiert Fehler gemacht. Aber ich merke, auch weil ich die Walliser Produkte kenne und den Wein gerne trinke, man macht heute ausgezeichneten Wein im Wallis. Und wir werden diesen ausgezeichneten Wein hier noch bekannter machen.
Aber es sind Fehler begangen worden in der Kommunikation des Kantons nach aussen?
Das Wallis hatte eigentlich gar keine richtige Kommunikation in die Ausserschweiz. Die Kommunikation war immer abhängig von ein paar Politikern, von dem einen oder anderen Staatsrat. Was jetzt passiert, halte ich für sehr wichtig. Das Wallis hat nämlich eine Drehbewegung gemacht. Eigentlich war es bisher immer nach Lausanne/Genf ausgerichtet, dann kam Bern. Und beides ist okay. Aber die Show läuft jetzt in Zürich. Ihr Walliser müsst euch massiver zeigen – zeigen ist ganz wesentlich – im Grossraum Zürich.
Diese Abgeschottetheit der Walliserinnen und Walliser ist ja ein Fakt, schon rein geografisch. Warum konnte sie bis jetzt nicht überwunden werden?
Viele agile Walliser sind weg gegangen. Das geht vom Abt Martin Werlen über Joseph Blatter bis zu Dutzenden weiteren sehr erfolgreichen Walliser Führungskräften in den Firmen hier. Es fand eigentlich eine individuelle Flucht in die Chance, in die Karriere statt. Natürlich ist ein Teil der Walliser im Wallis geblieben, weil von der Scintilla über die Lonza bis hinunter ins Unterwallis eine Reihe von attraktiven Arbeitsplätzen da waren. Auch der Staat und die staatsnahen Organisationen hatten sehr viele Arbeitskräfte übernommen. Deswegen war das Wallis in sich geschlossen. Dazu kommt die Sprachbarriere, welche auch überwunden werden müsste.
Von den Politikern dürfte doch auch eine gewisse Weitsicht verlangt werden, die nicht an unseren Bergen aufhört. Vor allem früher hat diese Weitsicht ganz sicher gefehlt?
So schlecht gings dem Wallis ja eigentlich nicht. Es wurde immer etwas unter seinem Wert gehandelt. Und mit einer gewissen, hoch zu akzeptierenden Walliser Schlauheit, hat man das auch gefördert.
Dass man Sie und Ihr Team engagiert hat, ist also ein klares Zeichen der Öffnung?
Eines ist klar: Der Staatsrat und die Wirtschaftsorganisationen, die hinter der Walliser Antenne in Zürich stehen, sind heute vermehrt unter Druck als noch vor zehn Jahren. Die Globalisierung greift tiefer. Man siehts an der Alcan. Man siehts auch momentan im positiven Sinn bei der Lonza. Momentan. Aber wer weiss, was in fünf bis sechs Jahren ist. Ich glaube, der jetzige Staatsrat hat erkannt, und auch die Spitzenbeamten der Träger von Info Wallis: Man muss Richtung Grossraum Zürich gehen.
Viele Walliser schotten sich auch heute noch gegen aussen und alles Fremde ab. Ist es denn getan mit einem neuen Mäntelchen um dieselbe Seele?
Ich hab Gott sei Dank noch das alte, ich möchte fast sagen: das heilige Wallis kennen gelernt durch meine Schwiegereltern. Ich hab noch den Bergbauer erlebt, der in der Lonza arbeitet – mein Schwiegervater. Ich hab meine Schwiegermutter erlebt, die eine sehr clevere Oberwalliserin war. Ich hab ‚geburdinut’ und den alten Walliser Geist noch sehr miterlebt. Ich habe auch den Übergang erlebt von diesem alten Wallis in das gegenwärtige Wallis. Dieser Prozess wird durch die NEAT noch beschleunigt. Das Wallis wird regelrecht in diesen Sog hinein gezogen. Und ich möchte ja eigentlich, dass die Walliser ihre Kultur – mit allem drum und dran – nicht ablegen. Dies wird noch ein grosser Kampf werden, den die jungen Walliser entscheiden müssen. Ob sie jetzt auch so einen allgemein gültigen Züri-Dütsch-Slang zulegen wollen. Das merkt man bei den ganz jungen Wallisern, bei den Zwanzigjährigen bereits schon. Aber da ist das Radio Rottu auch nicht ganz unschuldig. Diese Entwicklung ist da. Aber das Wallis muss sich trotzdem in Selbstbewusstsein zeigen. Es gibt keinen anderen Weg.
Wo sehen Sie ein Rezept für die heutigen Verantwortlichen im Kanton Wallis, den Jungen Perspektiven im eigenen Kanton aufzuzeigen?
Es braucht erstens eine wirtschaftliche Basis. Die Strategie, die momentan vom Staat aus kommt in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer, dass man Wirtschaftskraft aus dem Kanton heraus schöpfen will und nicht nur durch Ansiedlung, finde ich die richtige. Zweitens braucht es eine kulturelle Strategie. Die Verleger, die Zeitungsredaktionen sind sehr wichtig. Und man kann nur beten, dass die Walliser Redaktionen weitgehend unabhängig bleiben. Damit nicht so ein Tages-Anzeiger-Berner-Zeitungs-Einheitsbrei über die Berge rüberschwappt.
Also, konkret: Was haben Sie und Ihr Team vor?
Wir sind bereits mitten drin. Wir bereiten vor, dass Walliser Vertreter der Regierung, der Spitzenorganisationen vermehrt hier in Zürich auftreten. Ich will Walliser zeigen. Das heisst, die Industrie- und Handelskammer bringe ich zur Zürcher Industrie und zum Zürcher Handel. Ich bringe die Touristiker noch näher an diejenigen ran, die am touristischen Wallis interessiert sind. Wir versuchen natürlich auch, die Walliser Landwirtschaft zu fördern, indem wir sagen, dass wir jetzt eben nicht über die alten Tomatengeschichten reden sollen, sondern über die neuen Aprikosengeschichten. Oder über die neuen Winzer mit ihrem guten Wein. Und wir müssen regierungs-offizielle Anliegen vor allem im Wirtschafts-, aber auch im kulturellen Bereich zeigen. Der zweite Punkt ist derjenige, dass wir momentan mit vielen Journalisten reden, um herauszufinden, wann und wie diese sich mit dem Wallis beschäftigen.
Und was haben Sie festgestellt?
Das Interesse der Journalisten am Wallis ist riesengross. Eine ganz grosse Frage, die den Journalisten unter den Nägeln brennt, ist: Wie bereitet sich das Wallis auf die NEAT vor? Die Redaktionen sind geradezu wild darauf zu erfahren, was ganz konkret im Moment im Wallis passiert.
Und weiter?
Weiter planen wir eigene Veranstaltungen. Dort wollen wir die Walliser Wirtschaft, den Walliser Tourismus und die Landwirtschaft präsentieren. Wir haben soeben die Unterstützung der Zürcher Regierung für einen grossen Anlass im Herbst gefunden. Sie öffnen uns die Türen des Zürcher Rathauses dafür. Natürlich sind wir gut vernetzt hier. Das heisst, wir machen ein paar Telefonate und sagen: Bitte Frau Fierz, lassen Sie uns rein (lacht).
Sie haben einen knappen Zeithorizont. Ihr Mandat ist vorläufig auf ein Jahr beschränkt?
In diesem Jahr wollen wir, die Trägerschaft Info Valais und wir, nur beweisen, dass es funktioniert. Das ist der Kern. Man kann in einem Jahr keine Wunder tun. Wir wollen nur beweisen, dass es funktioniert. Dann können die Träger entscheiden, ob sie weiterfahren wollen.
Glauben Sie daran, dass der Kanton Wallis sein Ansehen in Zürich bis zur Eröffnung des NEAT-Basistunnels im Lötschberg sichtbar verbessern kann?
Der Kanton Wallis hat bereits ein gutes Ansehen, ohne dass ich bisher einen Streich gemacht habe. Nur, es ist wie unter der Oberfläche. Wir müssen jetzt etwas wegräumen, die Oberfläche sichtbar machen und sie auch zum Glänzen bringen. Wenn ich sehe, was in den Bündner Destinationen wie St. Moritz oder Davos läuft, dann können die Walliser Destinationen spielend mithalten! Das Wallis hat einfach mehr zu bieten. Natürlich müssen wir auch ein wenig Spannung rein bringen. Das heisst, wir werden die Bündner bis aufs Blut ärgern und ihnen zeigen: Jetzt sind wir da. Aber ich bin sehr zuversichtlich, was die Zukunft des Wallis anbelangt.
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