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Baar / Brig / Ein Fussballspiel vor neun Jahren veränderte sein Leben. Heute ist Sven Furrer aus Brig der neue Bühnenpartner von René Rindlisbacher und einmal monatlich in der Sketchsendung „Edelmais & Co.” auf SF1 zu sehen. Ende März geht das Duo „Edelmais“ erstmals auf die Bühne. Wie der ehemalige Lehrer und Kulturjournalist zu diesem Engagement kam, wie er mit dem Rampenlicht umgeht und was ihm sein Walliserdialekt bedeutet, erzählt Sven Furrer im RZ-Frontalinterview.
Von Denise Jeitziner
Sind Sie ein begnadetes Fussballtalent?
Ich war zwar nie kurz vor dem Durchbruch oder etwas in der Art. Aber ich bin in einer Sportlerfamilie aufgewachsen. Fussball war alles für mich und ich habe von klein auf intensiv gespielt. Mit 20 hatte ich allerdings einen Kreuzbandriss. Das war ein Schnitt in meinem Leben und ich musste eine Kompensation zum Sport finden. So kam ich zur Schauspielerei, meiner heimlichen Leidenschaft. Nur, wenn du die ganze Jugend hindurch Sport gemacht hast, läuft dir ein Leben lang das Wasser im Mund zusammen, wenn du ein rundes Leder siehst. Zum Glück hatte ich einen guten Arzt, der mir die Rückkehr zum Sport ermöglichte. Ich wusste aber, dass intensiver Sport nicht mehr drin liegt.
René Rindlisbacher haben Sie trotzdem ziemlich beeindruckt mit Ihrer Ballkunst.
Ja, das ist so. Wir haben uns vor neun Jahren bei einem Firmenfussballspiel kennen gelernt. Nach dem Match kam René auf mich zu und wollte mich für seine Mannschaft abwerben. Offensichtlich hat es ihm Eindruck gemacht, wie ich auf dem Platz herumgehüpft bin (lacht). Ab der nächsten Saison spielte ich tatsächlich in Renés Mannschaft. Wir sagen oft, im Spiel, wenn du unter Druck stehst und gewinnen willst, zeigst du dein wahres Gesicht. Vom ersten Match an haben René und ich uns blind verstanden. So hats auch privat zwischen uns „gefunkt“. Beruflich hatten wir aber nie etwas zusammen zu tun.
Ende 2003 kam Antrag Nummer zwei. René wollte nach dem Ende von „Schmirinski’s“ wieder auf die Bühne und suchte einen neuen Bühnenpartner. Womit haben Sie ihn diesmal beeindruckt?
René ist ein extrem intuitiver Mensch, einer, der sich stark auf sein Gefühl verlässt. Er wusste, dass er ein neues Projekt anreissen wollte. Er hätte auch mit einem bekannten Gesicht auf die Bühne gehen können. Aber er wollte mit jemand Unbekanntem arbeiten. Dadurch, dass er ein sehr harmoniebedürftiger Mensch ist und wir privat sehr gut miteinander „giige“ und er wusste, dass ich jahrelang nebenbei Theater gespielt, Stücke geschrieben und szenische Lesungen gemacht hatte, hatte er das Gefühl, ich könnte der Richtige sein. Und ich hoffe, dass er es bis heute noch nicht bereut hat.
Was hatten Sie für ein Gefühl?
Im ersten Moment bin ich schon ein bisschen erschrocken. Ich war ja mitten im Arbeitsleben, mehr oder weniger wohl behütet als Kulturjournalist beim Schweizer Fernsehen.
Haben Sie in Betracht gezogen, das Angebot auszuschlagen?
Nein, nie! Rein intuitiv war ich sofort begeistert. Ich hatte immer davon geträumt, ein Projekt von Grund auf anzureissen. Es war eher die Überlegung, dass das Angebot auch für meine Familie Konsequenzen hat, finanziell oder dass man zu einer öffentlichen Person wird. Das musste ich natürlich mit meiner Frau besprechen. Ausserdem war ich bis zu diesem Zeitpunkt nie als Comedian unterwegs. Ich hatte zwar auch komische Stücke gespielt, musste mir aber schon überlegen, ob mir das liegt und ich mir das zutraue.
Hatten Sie Bedenken, als Nachfolger von Renés „Schmirinski’s“-Bühnenpartner Stefan Schmidlin nicht akzeptiert zu werden?
Klar, diese Gedanken machten wir uns auch. Aber Schmidi war ein Unikat und ich kann ihn nicht ersetzen. Wir sind grundverschieden. Es wird sicher Leute geben, die sagen, mir hat Schmidi besser gefallen und andere, die sagen, läck der Furri kann doch auch etwas. Das hoffe ich zumindest. Es ist aber auch für René eine spezielle Konstellation. Mit „Schmirinski’s“ war er sehr erfolgreich, jetzt kommt er mit einem neuen Partner. Das hat es in der Schweiz noch nie gegeben. Bei René weiss man, was man hat, die Erwartungshaltung seiner Fans wird er sicher erfüllen. Aber er muss sich auch neu ausrichten. Für das Publikum bin ich die Wundertüte. Darin liegt Spannung und Überraschungspotential.
Das Duo „Edelmais“ war geboren. Wie ging es weiter?
Ich reichte bei SFDRS meine Kündigung ein und wollte im Herbst 2004 mit René das Bühnenprojekt starten. Genau in diesem Moment kam das Schweizer Fernsehen mit der Anfrage auf uns zu, für den Sonntagabend ein Comedy-Konzept auf die Beine zu stellen. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Wir wollten uns ja eigentlich auf die Bühne konzentrieren. Da beim Fernsehen aber immer alles schnell gehen muss, haben wir das Bühnenprojekt erstmal auf die Seite gelegt, die Sketchshow „Edelmais & Co.“ konzipiert, eine Produktionsfirma gegründet, das Programm geschrieben und die drei Schauspielerinnen gecastet, die in der Sendung mit René und mir spielen.
Seit April 2005 läuft „Edelmais & Co.“ einmal pro Monat erfolgreich auf SF1. Jetzt wurde die Sendung sogar für die Rose d’Or, einem der weltweit wichtigsten Fernsehpreise, nominiert.
Das ist für uns ein absoluter Grosserfolg. Aus der ganzen Welt wurden rund 60 Comedy-Gefässe eingereicht und wir sind mit „Edelmais & Co.“ in den letzten zwölf! Das ist wie letzte Woche, als die Schweizer Hockey-Nati gegen Tschechien und Kanada gewonnen hat (lacht). Allein schon das ist eine kleine Olympiamedaille wert. Bei uns ist es genau das Gleiche. Da das Schweizer Fernsehen international keine tragende Rolle spielt, ist bereits die Nominierung eine grosse Auszeichnung für uns.
Sie sind seit bald einem Jahr regelmässig im Fernsehen und ab Ende April wöchentlich in einer Promi-Fussball-Doku-Soap zu sehen. Wie gehen Sie mit dem Leben im Rampenlicht um?
Bis jetzt habe ich wenig davon mitbekommen. Es ist nicht so, dass mich die Leute auf der Strasse erkennen. Wenn ich mit René unterwegs bin, ist das anders. Es gibt immer Leute, die ihn ansprechen oder ihn um ein Autogramm bitten. Erst beim dritten oder vierten Blick merken die Leute: Ah, das ist ja der neue Partner. In der Zwischenzeit kann ich beobachten, wie René reagiert und mir davon eine Scheibe abschneiden. So habe ich einen schleichenden Einstieg ins Rampenlicht, was ein Vorteil für mich ist. Ich bin zwar exhibitionistisch veranlagt, aber keine Rampensau.
Am 31. März ist Premiere des „Edelmais“-Bühnenprojektes „2 pro Müll“. Nervös?
Nein, im Moment habe ich gar keine Zeit nervös zu sein! (lacht) Es gibt noch so viel zu tun. Unglaublich, wie viel Organisation hinter so einem Projekt steckt. Ein paar schlaflose Nächte wird es wohl noch geben. Man hat immer das Gefühl, dass es nicht reicht. Genau diese Spannung kann jedoch die letzten Reserven freisetzen. Im Moment zapfen wir sie zwar noch nicht an, doch das wird garantiert noch kommen. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr, jetzt heisst es nur noch vorwärts schauen.
Worum geht es bei „2 pro Müll“?
Müll ist der rote Faden des Programms. Wir haben gemerkt, dass Müll ein sehr inspirierendes Thema ist. Es ist ganz nah am Puls der Gesellschaft, was Leute wegwerfen. Sag mir, was du wegwirfst und ich sage dir, wer du bist. Es geht aber auch um Müll im übertragenen Sinn. Die zwei Hauptfiguren sind Müllmänner. Zur Vorbereitung sind René und ich sogar selber auf einem Müllwagen mitgefahren. Das war eine enorm spannende Erfahrung. Der Beruf des Müllmanns wird zu wenig beachtet und honoriert, niemand sucht den Blick zu einem. Wir habens enorm genossen und die Leute in den Autos hinter uns unterhalten.
Im Fernsehen sprechen Sie meist Berndeutsch, auf der Bühne nun Walliserdeutsch. Eine Vorsichtsmassnahme, weil ohne die schützende Fernsehscheibe die eine oder andere Walliser Tomate fliegen könnte, wenn „Verräter” Furrer einen „falschen“ Dialekt spricht?
Dass ich im Fernsehen nicht Walliserdeutsch spreche, ist immer ein Thema bei meinen Kollegen und meiner Familie. Zum Glück kenne ich sie so gut, dass ich keine Tomaten erwarte (lacht). Im Fernsehen besteht die Gefahr, dass mein spezieller Dialekt vom eigentlichen Gag ablenkt. Walliserdeutsch wird nur dezidiert eingesetzt, je nachdem, ob es zur jeweiligen Figur passt. So spreche ich mal Basler-, mal Zürcher- und mal Bernerdialekt. Aber ich stehe 100 Prozent zu meinem Dialekt. Privat spreche ich natürlich immer Walliserdeutsch. Meine Frau ist Zürcherin, unsere Kinder wachsen also bilingue auf.
Was bedeutet Ihnen das Wallis?
Wallis ist immer noch Heimat und Wurzeln für mich. Meine Eltern wohnen in Glis und ich pflege einen regen Kontakt mit meinen Walliser Freunden. Obwohl ich seit 13 Jahren in der Deutschschweiz wohne und nur etwa alle drei bis vier Monate im Wallis bin, habe ich immer noch eine enge Verbundenheit mit dem Wallis. Das will ich auch meinen Kindern weitergeben.
Wir sind mitten in der Fasnacht. Haben Sie als Komiker Ihr Fasnachtskostüm schon parat?
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich kein passionierter Fasnächtler bin und lange nicht mehr an der Fasnacht war. Früher war es für mich eher eine gute Gelegenheit, innert kürzester Zeit viele Leute zu sehen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ausserdem habe ich in meinem Beruf genug Verchleiderlis, dass ich gut auf irgendwelche Larven verzichten kann.
Was ist Ihr beruflicher Traum?
Ein Spielfilm wäre mein Traum, es muss jedoch nichts Lustiges, sondern kann auch etwas Tragisches sein. Für „Edelmais“ wünsche ich mir, dass ich mit René auf der Bühne das gleiche blinde Verständnis wie auf dem Fussballplatz habe und dass sich die Zuschauer gut unterhalten. Lachen ist gesund! Mit unserem Programm zu wissen, dass wir an der Senkung der Krankenkassenprämien beteiligt wären, würde sich gut anfühlen.
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