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Oberwallis / Minderjährig, heroinabhängig und dringend auf Hilfe angewiesen – die Betroffenen befinden sich nicht nur in einer bitteren Lage, sondern zugleich auch in einem luftleeren Raum. Zuständig fühlt sich für solche Fälle niemand. Aktuelle Ereignisse fordern den Kanton auf, diesen Notstand nun endlich zu regeln. Nur so kann in Zukunft schnell und professionell reagiert werden.
Von Rahel Escher
Jemand bricht sich beim Skifahren das Bein. Selbstverständlich bekommt er im Spital die nötige Versorgung. Ein Minderjähriger braucht einen Platz für einen stationären Heroinentzug. Doch wo bekommt er Hilfe? Das Mandat des Psychiatriezentrums Oberwallis (PZO) erfasst Menschen über 18 Jahre. Die Jugendpsychiatrie in Siders bietet nur einen Platz, wenn es sich nicht um ein reines Suchtproblem handelt. Konkret: wenn die Drogenabhängigkeit auf einer psychiatrischen Krankheit basiert. Ein Jugendlicher muss folglich zugleich auch unter Selbstmordgedanken, einer sozialen Phobie, schizophrenen Störung oder Ähnlichem leiden, um einen Therapieplatz zu erhalten. Steht aber „lediglich“ die Drogensucht im Vordergrund, müssen sich Suchtkranke ausserhalb der Kantonsgrenze helfen lassen. Hier besteht eine Lücke im Angebot, die es zum Wohle der Betroffenen zu regeln gilt.
LVT vermittelt
„Wir brauchen dringend ein Konzept“, weiss Stefan Ruef, Suchtberater bei der Oberwalliser Drogenberatungsstelle LVT. „Die Eltern müssen wissen, wer ihrem Kind helfen kann und dürfen sich nicht hin- und hergeschoben fühlen.“ Suchen Eltern heroinabhängiger Jugendlicher Hilfe bei der Drogenberatungsstelle, zählt es zu Ruefs Aufgaben, eine stationäre Behandlung zu organisieren. Rein medizinisch gesehen ist dies kein Notfall. Der körperliche Heroinentzug ist nicht lebensbedrohlich. Doch psychisch gehen die Betroffenen durch die Hölle. Eine Situation, in der schnell reagiert werden muss. Eine Situation, mit der man sich in den vergangenen Wochen zwei Mal konfrontiert sah.
Entgegenkommen des PZO
Das Spitalzentrum Oberwallis ist zuständig für alle Notfälle, auch für akute Entgiftungen. Das PZO verfügt über zwei Suchtbetten. „Diese sind aber oftmals besetzt. Wären sie frei, stossen wir wieder an das Problem mit der Altersgrenze“, so Ruef. Glücklicherweise zeigt sich das PZO in solchen Fällen kooperativ. Für den körperlichen Entzug bietet es nach Möglichkeit für zwei Wochen einen Platz an. „Wir schätzen dieses Entgegenkommen sehr, sehen darin aber keine befriedigende Lösung“, so Ruef. Zum einen sei es für einen jungen Menschen nicht das ideale Umfeld für einen Entzug, zum anderen sei es lediglich eine sehr kurzfristige Lösung. Es fehlt ein Anschlussprogramm für einen längeren Entzug und eine Entwöhnung.
Dauerhafte Lösungen gesucht
Wer über längere Zeit einen Platz in einem Erziehungsheim beansprucht, muss den Kanton verlassen, insofern er nicht über die erforderlichen Ressourcen verfügt, die öffentliche Schule zu besuchen oder eine Lehre zu absolvieren. „Derzeit sind acht minderjährige Oberwalliser in Erziehungsheimen der deutschsprachigen Schweiz platziert“, bestätigt Walter Schnyder, Dienstchef der kantonalen Dienststelle für die Jugend. „Bisher haben wir für jeden Fall eine Lösung gefunden, auch wenn es nicht immer ganz einfach war.“ Bei fehlender Motivation für einen Entzug beim Jugendlichen oder gar auch bei den Eltern, braucht es behördliche Massnahmen in Zusammenarbeit mit der Vormundschaft und dem Amt für Jugendschutz. Deren Gesuche gibt es laut LVT jährlich „gut zwei Hände voll“. Walter Schnyder unterstützt die Meinung, dass eine Lösung für besonders „schwierige“ Jugendliche im Oberwallis verwirklicht werden sollte.
Endlich handeln
Dass schon lange Handlungsbedarf besteht, bestätigt auch Reinhard Waeber-Kalbermatten, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wallis. Nun soll sich auch endlich etwas tun: „Neu wird im Spitalzentrum Oberwallis ein von mir seit langem geforderter und dringend benötigter kinder- und jugendpsychiatrischer Konsiliar- und Liaisondienst aufgebaut. Dieser Dienst hat unter anderem die Aufgabe, nach der akuten Entgiftungsphase im Spital bei der Planung von Anschlussprogrammen für jugendliche Drogenabhängige mitzuhelfen.“ Auch die kantonale Kommission für Drogenfragen wurde seitens des LVT auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam gemacht.
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