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Wallis / Nur ein Thema beschäftigt derzeit die Walliser Fussballfans: Das Cupfinale vom kommenden Ostermontag zwischen dem FC Sitten und den Berner Young Boys. Können die Walliser ihre Ungeschlagenheit wahren und im zehnten Finalspiel den zehnten Erfolg feiern? Oder droht ein erstmaliges Scheitern bei der ersten Teilnahme im neuen Jahrtausend? Zusammen mit den ehemaligen Cupgrössen Jean-Paul Brigger, Georges Bregy, Dominique Cina und Raphaël Wicky begab sich die RhoneZeitung auf die Suche nach Antworten.
Von Markus Pianzola
Neun Finalteilnahmen, neun Siege – dies die beeindruckende Bilanz des FC Sitten, die schweizweit seinesgleichen sucht. 1965 beim 2:1-Sieg über Servette war es, als die Liebesbeziehung zwischen dem Walliser Club und dem Schweizer Cup seinen Lauf nahm. Es folgten Triumphe in den Siebziger- (1974), Achtziger- (1980, 1982, 1986) und Neunziger-Jahren (1991, 1995, 1996, 1997).
„Cupfinal passt zu den Wallisern”
Obwohl bei den bisherigen Finalteilnahmen oftmals als Aussenseiter angetreten, vermochte man den Pokal trotzdem jeweils ins Land am Rhonestrand zu entführen. „Das Cupfinale passt zu den Wallisern. Es ist ein Duell, das sich an einem Tag entscheidet. Zuerst wird hart für den Erfolg gearbeitet, danach folgt das grosse Fest“, weiss Jean-Paul Brigger, der insgesamt vier Mal zur siegreichen Sittener Equipe gehörte.
Die Stadt Bern in Rot und Weiss
Eine nicht zu unterschätzende Rolle bei all den Erfolgen spielte jeweils das begeisterungsfähige und enthusiastische Walliser Publikum. In der Stadt Bern herrschen am Finaltag jeweils bereits zur Mittagszeit die Farben Rot und Weiss vor. In Scharen strömen sie durch den Lötschberg in Richtung Bundeshauptstadt und sorgen bereits Stunden vor Spielbeginn für phantastische Stimmung im Stadion. War dies früher das altehrwürdige Wankdorf, so wird dies auch im neuen Stade de Suisse genau so der Fall sein. „Die Zuschauer können dich als Spieler beflügeln und den vielbeschworenenen zwölften Mann bedeuten. Ebenso können sie aber auch zusätzlichen Druck erzeugen“, berichtet Georges Bregy, der zwei Mal mit Sitten den Sieg erringen konnte und auch als Trainer mit Lausanne einen Cupsieg für sich verbuchen konnte. Aber er kennt auch das Gefühl, auf der anderen Seite zu stehen, spielte er doch 1991 mit den Berner Young Boys gegen die Walliser und verlor äusserst unglücklich mit 2:3. „Das sind natürlich weniger schöne Erinnerungen. Den FC Sitten begleitet im Zusammenhang mit dem Cup der Mythos der Unschlagbarkeit. Diese Tatsache kann auch die Fans und die Spieler beflügeln und dazu führen, dass auch verloren geglaubte Spiele noch gedreht werden können.“
„Keiner wollte der Erste sein”
Dass dieser Mythos der Unschlagbarkeit durchaus auch eine gewisse Belastung sein kann, beweist die Aussage von Raphaël Wicky nach dem Finale 1996 (3:2-Sieg über Servette): „Von uns wollte einfach keiner der Erste sein, der in einem Sittener Team steht, das den Cupfinal verliert. Es hätte mich schon gestört, wenn es in zwanzig Jahren heissen würde: Der Wicky war damals auch dabei...“ Seinen Teil zum damaligen Erfolg über die Genfer steuerte der Steger mit einem Tor zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich bei.
Immer spannende Spiele
Wer nun denkt, die Tatsache der Sittener Ungeschlagenheit bedeute gleichzeitig auch klare Finalsiege, der täuscht sich: Immer war für Spannung gesorgt und keines der neun Finalspiele konnte mit mehr als zwei Toren Unterschied gewonnen werden. Im Gegenteil: Gegen Luzern 1997 konnte man sich erst im Elfmeterschiessen durchsetzen und 1996 (gegen Servette) und 1991 (gegen YB) musste man erst einen 0:2-Rückstand drehen, um doch noch zu reüssieren. Auch am kommenden Ostermontag wird es wohl kaum ein Spaziergang für die Walliser werden. Erstmals tritt man gar als unterklassige Mannschaft gegen die Super League-Vertreter Young Boys an. „Die Ligazugehörigkeit wird kein Nachteil für Sitten sein. Die scheinbare Überlegenheit der Berner könnte für diese sogar zu einem vergifteten Stück Fleisch verkommen, falls sie die Angelegenheit zu locker angehen“, schickt Dominique Cina, der in den Achtziger-Jahren im Sittener Dress für Furore sorgte, eine Warnung an den Gegner.
„Der Cup hat eigene Gesetze”
Auch Jean-Paul Brigger glaubt an die Chance der Sittener: „Wichtig ist vor allem der Glaube an den Sieg. Auch zu meiner Zeit damals sind wir jeweils als Aussenseiter ins Spiel gestiegen, haben es aber dennoch jedes Mal aufs Neue geschafft.“ Wohl auch deshalb wird der Zaniglaser, der heute in Diensten der FIFA steht, das Spiel am Ostermontag live mitverfolgen: „Das will ich mir nicht entgehen lassen. Zudem muss ich doch schauen, ob der Geist des altehrwürdigen Wankdorfstadions auch im neuen Stade de Suisse präsent ist.“ Eine besondere Ehre kommt Georges Bregy zu: Der Rarner wird für das Schweizer Fernsehen das Spiel analysieren. „YB ist sicherlich der klare Favorit. Sie spielen in der höheren Liga und haben zudem den Heimvorteil. Aber der Cup hat seine eigenen Gesetze. Die Tagesform wird über Sieg oder Niederlage entscheiden“, wagt der Rarner eine Beurteilung.
Das Jahr der Wiederauferstehung?
Einige Zeit ist es her, seit die Sittener Fans einen grossen Erfolg ihrer Mannschaft bejubeln konnten. Mitte der Neunziger war es, als man noch zur (Fussball-)Spitze des Landes gehörte und die Titel gleich reihenweise sammelte. Danach folgte die Ernüchterung und der grosse Absturz mit dem Fast-Konkurs und dem Abschied aus der höchsten Liga des Landes. Nun könnte 2006 das Jahr der Wiederauferstehung werden. Denn nebst der Chance auf den Cupsieg bestehen nach wie vor reelle Chancen zum Wiederaufstieg in die Super League. Schaffen es die Spieler von Trainer Christophe Moulin am Ostermontag tatsächlich, bei der zehnten Cupfinalteilnahme den zehnten Sieg einzufahren, so könnte dies der Beginn einer neuen Fussballeuphorie in unserem Kanton werden.
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