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Christian Stärkle, rro-Verwaltungsratspräsident
„Ich bin ein Medienmensch mit Leib und Seele“


 

Venthône / Bern / Er ist seit einem Jahr Verwaltungsratspräsident bei rro und leitet die Geschicke des Oberwalliser Lokalradios. Christian Stärkle (51), Unternehmensberater und Jurist, macht im RZ-Frontalinterview einen Rückblick auf das vergangene Jahr, nimmt Stellung zum neuen Fernseh- und Radiogesetz und sagt: „Ohne Gebührensplitting geht es nicht.“

Von Walter Bellwald
Markus Pianzola

Seit einem Jahr stehen Sie an der Spitze des Oberwalliser Lokalradios. Hat sich Ihre Arbeit so angelassen, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Das Radio an sich hat sich so entwickelt, wie ich es mir vorgestellt habe. rro ist im Verhältnis zur Bevölkerung nach wie vor der klare Spitzenreiter in der Schweiz. Allein in der Tagesreichweite erreichen wir rund 47 Prozent der Bevölkerung im Oberwallis. Auf die Woche gerechnet erreichen wir sogar noch viel bessere Werte. Rund 80 Prozent der Oberwalliser/innen schalten mindestens einmal pro Woche rro ein. Diesbezüglich habe ich meine Ziele erfüllt. Was das regionale Denken der Oberwalliser angeht, habe ich mich ein wenig geirrt. Ich muss für die Realisierung meiner Ideen letztlich mehr Zeit und Diplomatie aufwenden als geplant.

Was haben Sie in Ihrem ersten Amtsjahr umgesetzt?
Wir sind im Hörermarkt stärker geworden. Auch mit unseren zusätzlichen Auftritten wie Internet oder Printprodukten haben wir uns weiter etabliert. Zurzeit sind wir daran, nach und nach alle Sendeanlagen im Oberwallis zu erneuern, um die Sendequalität zu verbessern. Zusätzlich werden noch zehn weitere Sender aufgestellt. Auch die IT-Abteilung haben wir weiter ausgebaut. Damit haben wir den richtigen Weg eingeschlagen.

Haben Sie Ihre Ziele demnach erreicht?
Bei meiner Amtsübernahme als rro-Präsident musste ich ein kleines, aber schönes Handicap übernehmen. Der Sender hat es schon vor meinem Amtsantritt sehr gut gemacht und ist weit gekommen. Daher ist es nicht ganz einfach, noch weiter zuzulegen. Wichtig ist daher, die Marke rro zu halten und im Medienumfeld von Walliser Bote, Rhonezeitung sowie VS1 und VS2 unsere Position weiter zu festigen. Daran arbeiten wir alle gemeinsam.

Was motiviert einen erfahrenen Radioprofi wie Christian Stärkle, bei rro als Verwaltungsratspräsident zu amten? Allein die Liebe zum Wallis kanns wohl nicht sein?
Der Entscheid, Wahlwalliser zu sein, spielte tatsächlich eine grosse Rolle in meinen Überlegungen. Ich habe mich vor über zehn Jahren entschieden, hier zu wohnen und letztlich, wenn möglich, da zu arbeiten, wo es mir gefällt. Das geht natürlich nicht immer. Aber ein Stück weit kann man dies verwirklichen. Hinzu kommt, dass ich ein Medienmensch mit Leib und Seele bin. Informationen aufarbeiten und verbreiten ist etwas vom Schönsten, was es gibt. Wenn das noch mit Unterhaltung und Dienstleistungen gekoppelt ist, finde ich das schon gewaltig. Und wenn sich dadurch die Nutzerinnen und Nutzer auch noch besser fühlen, ist das ein unheimlich gutes Gefühl.

Sie haben in der Vergangenheit an vielen Medienfronten gekämpft. Sind Sie als Verwaltungsratspräsident nicht ein bisschen zu weit weg, um direkt ins Geschehen einzugreifen?
Natürlich ist der Verwaltungsrat, ich bin nur Präsident, in erster Linie für die strategischen Elemente verantwortlich und weniger für die operative Führung. Aber durch die örtlichen Gegebenheiten und den engen Kontakt mit rro-Geschäftsführer Matthias Bärenfaller habe ich einen direkten Einblick ins Radio-Geschehen und kann meine Ideen auch mal einbringen. Man diskutiert zuweilen auch operative Aspekte.

Sie sitzen auch im Verwaltungsrat von Radio Engiadina, Grischa und Südostschweiz. Wie lassen sich diese Mandate mit dem Verwaltungsratspräsidium bei rro verbinden?
Wichtig scheint mir, dass die verschiedenen Radios nicht im gleichen Sendegebiet tätig sind. Kommt hinzu, dass ich vor meinem Amtsantritt die Hauptaktionäre von rro nach ihrer Meinung gefragt habe. Diese haben mir grünes Licht gegeben und so habe ich das Mandat des Verwaltungsratspräsidenten übernommen. Das einzige, was mir in die Quere kommen könnte, sind Terminkollisionen. Aber ansonsten sehe ich keine Probleme.

Gibt es Synergien, die die verschiedenen Lokalradios nutzen können?
Sie können davon ausgehen, dass ich Ideen und Vorschläge, die man auch andernorts nutzen könnte, dort auch einbringe. Aber Synergien im Bezug auf das Programm sind natürliche Grenzen gesetzt: So ist zum Beispiel der Dialekt nicht vergleichbar. Bündner Ereignisse interessieren Walliser nicht und umgekehrt. Wenn in Graubünden ein Hotel abbrennt, interessiert das im Wallis niemanden. Genauso wenig interessiert sich der Bündner für solche Ereignisse im Wallis. Dadurch kann man praktisch keine inhaltlichen Synergien nutzen.

Ein Thema bei rro waren in den letzten Jahren immer wieder die Finanzen. Wie gesund ist das Oberwalliser Lokalradio?
rro ist gesund, aber es wachsen sicher keine Bäume in den Himmel. Das heisst, bei rro muss man wie bei allen anderen Lokalradios in dünn besiedelten Gebieten auf jeden Franken schauen. Die Schwierigkeit ist im nationalen Markt. Hier haben wir im vergangenen Jahr rund 22 Prozent verloren. Das steckt man nicht einfach so weg. Darum müssen wir versuchen, diese Einbussen im regionalen Markt wettzumachen. Das ist uns zum grössten Teil auch gelungen.

Mit anderen Worten, rro ist auf das Gebührensplitting angewiesen.
Dem ist so. Ohne Gebührensplitting geht es nicht. Der Grund ist ganz einfach: Wenn Sie in Zürich auf dem Uetliberg einen Sender haben, können Sie rund eine Million Menschen beglücken. Dieser Sender kostet knapp 100 000 Franken. Hier im Wallis brauchen Sie dagegen zehn bis zwanzig Sender, um alle Bevölkerungsteile zu erreichen. Da entstehen starke Diskrepanzen gegenüber den Radios in stark besiedelten Gebieten. In Graubünden beispielsweise erreicht ein Sender gerade mal 164 Einwohner. Die Werbemöglichkeiten sind in den Bergregionen stark eingeschränkt. Jeder Sender gehört zum eigentlichen Service public. Genau so verhält es sich im Oberwallis. Wir sind es der Bevölkerung schuldig, dass alle Teile im Sendegebiet erreicht und mit Informationen versorgt werden. Wenn sich wieder eine Naturkatastrophe wiederholt wie in den vorangegangenen Jahren, müssen wir da sein. Das gehört zu unserem Job. Zudem brauchen wir im Oberwallis die Medienvielfalt, damit die direkte Demokratie gewährleistet ist. rro ist für den Kanton Wallis und die Re­gionen noch wichtiger als für die Eidgenossenschaft.

Mit der Verabschiedung des neuen Radio- und Fernsehgesetzes bekommen die Privatradio- und –fernsehstationen künftig mehr Gebührengelder. Was heisst das für rro in Zahlen ausgedrückt?
Das kann ich noch nicht sagen, weil die Verordnung noch nicht in Kraft ist.

Wofür werden diese Gelder eingesetzt?
Die Idee der Gebührengelder ist es sicher nicht, das Programm abzubauen, damit die Aktionäre mehr Geld bekommen. Im Gegenteil: Die Gelder sollen ins Programm investiert werden, damit das Produkt an Professionalität gewinnt. Der Gebührenzahler hat ein Anrecht darauf, denn es ist sein Geld. Zudem wäre es sicher wünschenswert, das Programm mittels neuer Technologien zu verbreiten, damit beispielsweise das Radio auf dem Handy hörbar ist oder die Archivbeiträge im Internet abrufbar sind.

Neben den Radiostationen werden auch 14 Privat-Fernsehstationen mit rund 28 Millionen jährlich unterstützt. Schaut das Oberwallis diesbezüglich in die Röhre?
Nach dem neuen Radio- und Fernsehgesetz darf jeder Fernsehen machen, ob er Gebührengelder bekommt oder nicht. Wir müssen jetzt versuchen, im Oberwallis eine Einheit zusammenzubringen und die Politik zu überzeugen, etwas aus dem Gebührentopf fürs Oberwalliser Fernsehen zu bekommen. Aber es wird nicht ganz einfach sein, damit dieses Unterfangen gelingt.

Wie gut informiert sind Sie, wenn Sie rro hören?
Die Frage kann man so nicht beantworten, weil Sie sehr subjektiv gefärbt ist. Das persönliche Interesse jedes Einzelnen deckt sich nie zu 100-Prozent mit einem Medium ab – egal welchem. Wenn Sie auf einem bestimmten Strassenabschnitt unterwegs sind, auf dem sich die Autos stauen, ärgern Sie sich, wenn das Radio vorgängig keine Staumeldung gebracht hat. Sind Sie nicht auf diesem Abschnitt unterwegs, stört es Sie wohl kaum, ob der Stau gemeldet wird oder nicht. Genauso verhält es sich mit dem Interesse der Meldungen jedes Einzelnen. Im Grossen und Ganzen lässt sich aber sagen, dass rro in Bezug auf das Oberwallis sehr gut informiert.

Was für Noten erteilen Sie den Radiomacher/innen von rro?
Das ist schwer zu sagen. Die Note differiert. Je nach Ereignis und je nachdem, was passiert, gibt es unterschiedliche Meinungen. Was die Nachrichtensendung von heute Mittag angeht, würde ich den Redakteuren die Bestnote geben. Das war hervorragende Arbeit.

Mit anderen Worten, rro gefällt?
rro ist mit Abstand das meistgehörte Radio im Oberwallis. Das ist doch sehr aussagekräftig. Das Programm muss nicht dem Macher gefallen. Es muss den Nutzerinnen und Nutzern entsprechen, so nach dem Motto „der Wurm muss nicht dem Angler, sondern dem Fisch schmecken“. Einzig bei den älteren und jungen Zuhörern müssen wir einige Abstriche hinnehmen. Im Gegenzug erreichen wir vor allem die mittleren Semester. Was noch auffällt ist, dass rro hauptsächlich von Männern gehört wird. Allein diese Tatsache lässt, will man der Statistik glauben, darauf schliessen, dass die Hörerzahlen in der nächsten Erhebung weiter zunehmen werden.

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