D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
Gommer Schäfer sind beunruhigt über die erneute Wolfspräsenz
Die Angst vor dem Wolf grassiert


 

Münster / Gluringen / Der Wolf ist wieder da! Was Experten und Insider schon länger vermuteten, hat sich nun bestätigt: Meister Isegrim treibt in den Gommer Wäldern wieder sein Unwesen.

Von Walter Bellwald

Das Tier, das vor knapp einem Monat oberhalb von Gluringen ein Hirschkalb gerissen hat, konnte inzwischen durch eine DNA-Analyse identifiziert werden: Es ist ein Wolf. Jetzt fürchten die Schäfer um ihre Tiere.

Verbale Hetzjagd eröffnet
Die Nachricht von einer erneuten Wolfspräsenz im Goms verbreitete sich in Windeseile. Die Folge: Grosse Teile der Bevölkerung sind stark verunsichert und Gerüchte machen die Runde. „Hier oben wird eine eigentliche Polemik gegen den Wolf betrieben“, stellt Bernadette Wiezel aus Münster fest, die den Wolf von ihrem Küchenfenster aus gesichtet hat. „Am Vorabend, bevor das Hirschkalb gerissen wurde, habe ich in meinem Garten einen Wolf beobachtet.“ Das Tier sei in einem erbärmlichen Zustand gewesen. „Er hatte ein struppiges, zerzaustes Fell und war sehr abgemagert“, erinnert sich Wiezel, die knapp fünf Gehminuten ausserhalb des Dorfes wohnt. Die ungewollte Beobachtung habe nicht länger als eine Minute gedauert. Ob es sich bei dem Tier auch tatsächlich um den Wolf gehandelt hat, der später das Hirschkalb riss, ist allerdings unklar. „Die Meinungen gehen diesbezüglich auseinander. Viele Einheimische vermuten, dass sich mehrere Wölfe im Goms herumtreiben.“ Dieses Gerücht halte sich ebenso hartnäckig wie die Annahme, dass die Wölfe bewusst ausgesetzt würden. „Die Angst vor dem Wolf grassiert“, weiss Wiezel.

Schäfer verunsichert
Vor allem in Schäferkreisen wird die Präsenz des Wolfes mit einigem Unbehagen zur Kenntnis genommen. „Ich frage mich, ob man in unseren Landesteilen lieber den Wolf hat oder die Bauern, die das Land pflegen?“, meint Schafhalter Eugen Walpen aus Reckingen herausfordernd. Rund sechzig Tiere treibt er jeden Sommer zur Galmihornhütte. Je näher die Sömmerung rückt, umso mulmiger wird Walpen zumute. „Ich habe grosse Bedenken, dass der Wolf diesen Sommer wieder einige Tiere reisst.“ Diese Ansicht teilt auch Eduard Walpen. Seine 117 Geissen werden schon bald einmal ins Bächital aufgetrieben. Just in die Gegend, in der der Wolf gesichtet wurde. „Mit der Alpsömmerung geht auch die Angst einher“, gibt Walpen zu. „Was, wenn der Wolf die Herde angreift?“, fragt er besorgt, ohne eine Antwort darauf zu erwarten. Einen eigentlichen Schutz gegen das Raubtier gebe es nicht – darin sind sich die beiden Züchter einig. Was tun? „Uns bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass der Wolf wieder abzieht - oder geschossen wird“, so Eugen Walpen. Demgegenüber versucht Wildhüter und Wildbiologe Urs Zimmermann die Gemüter zu beruhigen: „Es bringt nichts, eine unnötige Polemik vom Zaun zu reissen. Wichtig ist, die Situation möglichst sachlich anzugehen und Präventionsmassnahmen zu ergreifen.“

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
Heute & morgen

/

/


RZ-Newsletter
Email-Adresse eingeben und Sie werden informiert:
Suchen


Have a look at: