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Brig-Glis / Naters / Die Gemeinde Naters will ab Herbst kein Schulgeld mehr für die Natischer Kinder bezahlen, die in Brig die Evangelische Schule besuchen. Ausserdem muss neu jeder Schulwechsel vom Schulinspektor bewilligt werden. Kommt es hart auf hart, dürften die meisten Natischer Kinder keine Bewilligung mehr erhalten.
Von Denise Jeitziner
Ende März flatterte bei den Natischer Eltern, deren Kinder die Evangelische Schule in Brig besuchen, ein unerwartetes Schreiben ins Haus. „Der Gemeinderat hat beschlossen, im Schuljahr 2006/07 für den Besuch der Evangelischen Schule in Brig kein Schulgeld mehr zu entrichten“, heisst es dort. „Die Initiative kam von mir“, bestätigt der Natischer Schuldirektor Walter Zenhäusern.
Keine konfessionelle Schule mehr
Der Grund: „Jahrelang hatten wir eine sehr feudale Regelung. Zusätzlich zu den 500 Franken Schulgeld für jedes Natischer Kind in der Evangelischen Schule haben wir sogar das Ortsbus-Billet übernommen.“ Doch die Schule sei seit zwei Jahren eine öffentliche Schule der Stadtgemeinde Brig-Glis und ausserdem längst keine konfessionelle Einrichtung mehr. Tatsächlich: Mehr als 60 Prozent der insgesamt rund 80 Kindergärtner und Primarschüler sind heute katholisch. „Es kann nicht sein, dass Kinder, die freiwillig nach Brig in die Evangelische Schule gehen, von uns noch belohnt werden“, rechtfertigt sich der Natischer Schuldirektor. Besonders angesichts der Tatsache, dass Naters in den nächsten Jahren ein grosser Schülerrückgang und Klassenschliessungen bevorstehen. „Zudem sind wir laut Gesetz über das öffentliche Unterrichtswesen nicht zur Zahlung verpflichtet.“
Bewilligung praktisch unmöglich
Gesetz hin oder her: Hans-Rudolf Dettwiler, Präsident des Schulteams der Evangelischen Schule, kann den Entscheid nicht nachvollziehen. „Ich verstehe nicht, warum die Gemeinde Naters, bloss um die Schüler im Dorf zu behalten, plötzlich diese alte Regelung ausgräbt, die jahrelang keine Anwendung fand. Ausserdem ist es meiner Meinung nach unzulässig, wenn Politiker den Eltern vorschreiben wollen, wo sie ihre Kinder in die Schule schicken sollen.“ Damit spricht Dettwiler den zweiten, noch gewichtigeren Punkt des Gemeindeschreibens an. Der besagt, dass nun jeder Schulwechsel vom Schulinspektor bewilligt werden muss. Eine Bewilligung erhalten laut Gesetz jedoch nur Kinder, bei denen sich eine andere Schule wegen eines kürzeren Schulweges, der Sprache oder der Konfession aufdrängt. Ein Beispiel: Eine katholische Natischer Schülerin wohnt in der Nähe des Natischer Schulhauses und ist bereit, das Schulgeld zu bezahlen. Hat sie keine Chance, die Evangelische Schule in Brig besuchen zu dürfen? „Ja, das ist so“, bestätigt der zuständige Natischer Schulinspektor Stefan Ritz, hält jedoch fest, dass sich für die rund 15 Natischer Schüler, welche die Evangelische Schule zurzeit besuchen, nichts ändere. Eine Bewilligung sei nur für Neuanmeldungen nötig.
Wohl weniger Neuanmeldungen
„Neuanmeldungen könnten aufgrund des Natischer Entscheids zurück gehen“, ist sich der Briger Schuldirektor Robert Lochmatter bewusst. „Aber ich denke und hoffe nicht, dass die Gemeinde Naters das Gesetz stur nach Wortlaut umsetzt.“ Deshalb wolle man vorerst nicht reagieren. Lochmatter und Dettwiler unisono: „Wir warten ab, wie sich die Situation entwickelt. Momentan sehen wir keinen Handlungsbedarf.“
Ortswechsel als Alternative
Und was sagen die betroffenen Eltern? „Der Entscheid mag rechtlich abgesichert sein. Aber die Art und Weise, wie Naters den Entscheid kommuniziert hat, in einem simplen Brief und ohne Angabe von Gründen, ist befremdend“, kritisiert Marcel Mantel, dessen drei reformierte Kinder die Evangelische Schule besuchen. Diese will der Natischer auch weiterhin nach Brig schicken, Schulgeld hin oder her. „Wir sind gerne bereit, den Betrag zu bezahlen, denn die Evangelische Schule bietet für uns viele Vorteile.“ Genau wie für eine katholische Natischer Mutter. Eines ihrer Kinder ist bereits in der Evangelischen Schule, ihr Jüngstes soll ab Herbst in den Evangelischen Kindergarten. „Die Blockzeiten, die besondere Förderung im musischen Bereich, ja das gesamte Leitbild sind für uns so ideal, dass wir, falls wir für unser zweites Kind keine Bewilligung erhalten sollten, einen Ortswechsel nach Brig in Betracht ziehen würden.“ Sie hoffe jedoch auf ein Entgegenkommen der Gemeinde Naters.
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