D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
Ida Zurbriggen im RZ-Muttertagsinterview
„Ich kann Tageskrippen nicht viel abgewinnen“


 

Saas Almagell / Sie ist siebenfache Grossmutter, schwärmt für Blumen und hilft in den hoteleigenen Betrieben ihrer Kinder mit. Ida Zurbriggen (69) ist auch nach den Erfolgen ihrer Kinder Pirmin und Heidi noch sich selbst geblieben und steht mit beiden Beinen im Leben. Im RZ-Frontalinterview spricht sie über ihre Rolle als Grossmutter, ihren tiefen Glauben und sagt: „Ohni Herrgott geits nit.“

Von Walter Bellwald
Rahel Escher

Wie haben Sie die Nachricht vom Tod von Corinne Rey-Bellet aufgenommen?
Es war ein grosser Schock für mich. Als ich die traurige Nachricht erfuhr, habe ich eine Stunde lang geweint. Es ist eine furchtbare Tragödie, die sich da abgespielt hat und nur sehr schwer zu begreifen.

Sie haben Corinne Rey-Bellet persönlich gekannt?
Ja, ich habe sie gut gekannt. An den Weltmeisterschaften in der Sierra Nevada 1996 waren wir zwei Wochen lang mit der Familie Rey-Bellet zusammen. Corinne war eine gute Freundin von Heidi und ist mit ihr Rennen gefahren. Dadurch habe ich Corinne näher kennen und schätzen gelernt.

Wie war Ihr persönliches Einvernehmen mit Rey-Bellet?
Sehr gut. Corinne war ein sehr sympathischer und herzlicher Mensch und in ihrer Art sehr bescheiden und zurückhaltend. Sie hat ihren Erfolg nie an die grosse Glocke gehängt und blieb immer mit beiden Füssen auf dem Boden. Es ist einfach unverständlich, dass sie auf so tragische Art und Weise sterben musste.

Sie waren lange Jahre zusammen mit Ihrem Mann Alois und Ihren Kindern Pirmin und Heidi im Skizirkus unterwegs. Trifft man Sie heute noch gelegentlich am Pistenrand?
Ich bin noch heute eng mit dem Skirennsport verbunden. Jedes Wochenende begleite ich meine Enkelkinder Elia, Pirmin und Maria an die Rennen und drücke ihnen die Daumen. Das ist eine grosse Abwechslung für mich.

Fahren Sie selber auch noch Ski?
Natürlich. Ich bin zwar nicht mehr so „gleitig“ unterwegs, aber ich komme an. Zu meinen Enkeln sage ich immer wieder: „Iär miässtä numma nit lüägu, we ewi Grossmüätter Schgi fahrd.“

Verfolgen Sie die Weltcup-Rennen am Bildschirm?
Ich schaue alle Rennen und fiebere mit dem Schweizer Team mit. Wenn es ein/e Schweizer Rennfahrer/in aufs Podest schafft, bin ich zufrieden. In der vergangenen Saison konnten sie zwar nicht ganz mithalten, aber sie sind auf gutem Weg, wieder vorne mitzufahren.

Mit Ihren bald 70 Jahren helfen Sie immer noch tatkräftig in den Hotelbetrieben Ihrer Kinder mit. Was umfasst Ihre Arbeit?
Ich bin für das Frühstücksbuffet verantwortlich. Da muss ich jeweils schon um halb sechs Uhr aus den Federn, um das Buffet herzurichten.

Macht es Ihnen nichts aus, so früh aufzustehen?
Überhaupt nicht. Ich gehe immer früh zu Bett, damit ich morgens ausgeschlafen bin (lacht). Gegen Mittag habe ich dann jeweils Feierabend.

Gibt es auch Tage, an denen Sie ausspannen?
Ich habe eigentlich immer etwas zu tun und bin auch froh drum. „Ohni Schaffu gengis mer emel jetz nu nit.“ Darum packe ich kräftig mit an, wenn es etwas zu tun gibt.

Sie gelten als guter Geist im Haus. Schätzen Sie den Umgang mit den Gästen?
Ja, schon mein Mann und ich führten einen eigenen Hotelbetrieb. Darum bin ich den Umgang mit Gästen schon von jeher gewohnt. Ich finde es spannend, fremde Leute kennen zu lernen und ihnen die Gastfreundschaft unseres Hauses zukommen zu lassen.

Ihr Mann Alois ist vor zehn Jahren gestorben. Wie haben Sie die erste Zeit nach dem Tod Ihres Mannes erlebt?
Die erste Zeit war sehr schlimm. Ich habe gemeint, ich erlebe den Frühling nicht. Ich hatte einen wunderbaren Mann und wurde von ihm verwöhnt. Auch nach zehn Jahren fehlt er mir immer noch sehr. Aber schliesslich bleibt einem nichts anderes übrig, als sein Schicksal anzunehmen. Das hat einem der Herrgott so aufgegeben und das muss man tragen.

Sie gelten als sehr religiös. Wie wichtig sind Ihnen Glaube und Gebet?
Der Glaube ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Ohne Herrgott gehts nicht. Ich bete jeden Tag und gehe regelmässig in die Kirche. Ich verpasse auch keine Sonntagsmesse. Zu Pirmin habe ich immer gesagt: Man muss zu seinem Glauben stehen, egal wie die Leute darüber denken. Der Glaube ist ein wichtiger Bestandteil der Persönlichkeit.

In der heutigen Zeit fehlt vielen Menschen der Sinn und die Zeit für Religion. Stört Sie das, wenn Sie jemand diesbezüglich als konservativ bezeichnet?
Damit habe ich keine Probleme. Ich lebe meinen Glauben und stehe auch in der Öffentlichkeit dafür ein.

Geben Sie Ihre religiösen Werte auch an Ihre Enkelkinder weiter?

Ich hoffe es und versuche, auch im Alltag den Glauben einfliessen zu lassen. So gehe ich zusammen mit meinen Enkeln zur Messe oder ermahne sie dazu, ein Gebet zu sprechen. „Iär miässt zMorgugibät sprächu und de heidr dr ganz Tag dr Schutzengel mit ew.“ Was mir meine Eltern mitgegeben haben, habe ich meinen Kindern gesagt und will es nun auch an meine Enkelkinder weitergeben.

Sind Sie stolz, Grossmutter zu sein?
Nicht im eigentlichen Sinne stolz. Aber ich bin zufrieden, dass ich jetzt Grossmama bin. Erst vor zwei Wochen bin ich zum siebten Mal Grossmutter geworden. Meine Tochter Heidi hat ein gesundes Kind zur Welt gebracht.

Verbringen Sie den Muttertag mit Ihren Kindern und Enkelkindern?
So weit wie möglich ja. Dann feiern wir im Kreise der ganzen Familie und verbringen einen schönen Tag zusammen. Das ist mir sehr wichtig.

Werden Sie auch beschenkt?
Natürlich. Ich bekomme viel zu viele Geschenke (lacht). Sowohl die Kinder wie Enkelkinder haben immer ein Präsent für mich bereit. Sie verwöhnen mich richtiggehend. Vor allem Blumen mag ich sehr gerne.

Wie haben Sie den Muttertag erlebt, als Ihre Kinder Esther, Heidi und Pirmin noch klein waren?
Weil wir schon damals einen eigenen Hotelbetrieb hatten, blieb uns fast keine Zeit, den Muttertag zu feiern. Wir hatten alle Hände voll zu tun und alle mussten mit anpacken. Gerade sonntags kamen immer viele Gäste und Urlauber vorbei. So wurde auch an Feiertagen bis spät abends gearbeitet. Erst in der Zwischensaison hatten wir so richtig Zeit, einmal auszuspannen und miteinander einen Tag zu geniessen.

Was war das schönste Geschenk, das Sie jemals am Muttertag bekommen haben?
Oh, daran mag ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich habe viele Geschenke bekommen. Die Kinder haben immer selbstgebastelte Sachen heimgebracht, die mir grosse Freude bereiteten.

Was bedeutet Ihnen Muttersein?
Muttersein ist ein eigentliches Geschenk. Es ist eine schöne Aufgabe, Kinder gross zu ziehen und ihnen den Weg ins Leben aufzuzeigen. Die ganze Arbeit, die dabei anfällt, macht man gerne, auch wenn es nicht immer leicht ist. Zwischendurch denke ich bei mir, „we hän ich ächt däm allum gita.“ Ich hatte aber das Glück und den Vorteil, dass mich mein Mann voll unterstützt hat. Dadurch wurde meine Arbeit erleichtert.

Sie hatten früher mit der Erziehung und dem Haushalt alle Hände voll zu tun. Heute ist die Mehrzahl der Frauen berufstätig und teilt sich diese Aufgaben mit ihren Männern. Wie sehen Sie diese Rollenverteilung?
Ich finde es schade, wenn ein Kleinkind ohne seine Mutter aufwachsen muss. Gerade in jungen Jahren ist es für ein Kind sehr wichtig, dass es die Mutter in seiner Nähe weiss. Wenn diese Harmonie nicht da ist, fehlt etwas in der Erziehungsarbeit eines Kindes. Ich habe zwar Verständnis dafür, wenn eine alleinerziehende Frau aus finanziellen Gründen ihrer Arbeit nachgehen muss. Aber ich verstehe nicht, wenn eine Frau berufstätig ist, nur weil sie nicht gerne daheim ist oder sich langweilt. Letztendlich leiden nämlich die Kinder darunter.

Wie finden Sie die Einrichtung von Kindertageskrippen?
Ich kann den Tageskrippen nicht viel abgewinnen. Die Mutter gehört zum Kind, zumindest solange, wie es in die Schule geht. Wenn ein Kind von der Schule heimkommt, ist es wichtig, dass die Mutter zu Hause ist und sich um das Kind kümmert. Sonst fühlt es sich alleingelassen.

Beneiden Sie die berufstätigen Frauen?
Nein, ganz im Gegenteil. Eine Frau, die ihrer Arbeit nachgeht und sich auch noch Erziehungsaufgaben widmen muss, hat es nicht einfach.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
Heute & morgen

/

/


RZ-Newsletter
Email-Adresse eingeben und Sie werden informiert:
Suchen


Have a look at: