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Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber vor dem Match gegen ehemalige Fussballgrössen
„Notfalls würde ich mich sogar fit spritzen lassen“


 

Zürich / Raron / Er ist seit zwölf Jahren beim Schweizer Fernsehen und steht im Tor der prominenten Fussball-Elf, die am 1. Juni im St. Galler Espenmoos gegen ehemalige Fussballgrössen um Ruhm und Ehre spielt. Rainer Maria Salzgeber (37), Fernsehjournalist und Sportmoderator, spricht im RZ-Frontalinterview über die Chancen seines Teams und gibt einen Einblick in sein Schaffen während der Fussball-WM. Wir haben uns mit ihm in seinem Stammlokal „Frieden“ in Zürich-Affoltern getroffen.

Von Walter Bellwald

Am nächsten Donnerstag steigt im Espenmoos der Match zwischen prominenten Kickern und ehemaligen Fussballprofis. Sie stehen bei den Promis im Kasten. Sind Sie parat?
Parat ist wohl leicht übertrieben. Ich habe mich im Trainingslager in Abtwil verletzt und musste längere Zeit behandelt werden. Bei den Aufzeichnungen der Sendungen lag ich in der Folge mehr „ufm Schrage“, als dass ich auf dem Spielfeld zu sehen war. Darum bekomme ich während den Sendungen jetzt immer viele SMS, in denen mich meine Kollegen hochnehmen. Von „Heulsuse“ bis hin zu „Weich-ei“ kriege ich alles zu lesen. Tatsache ist aber: Ich habe mir im Training eine Leistenzerrung zugezogen und musste behandelt werden. Erst vor zwei Wochen bekam ich grünes Licht, wieder zu spielen. Jetzt fühle ich mich recht gut und bin froh, dass ich am 1. Juni zwischen den Pfosten stehen kann. Für diese hochkarätige Partie würde ich mich notfalls sogar fit spritzen lassen, weil dieser Match das Highlight meiner Fussballerkarriere ist.

Als Fernsehzuschauer hat man den Eindruck bekommen, dass es im Trainingslager recht hart zur Sache ging. Täuscht dieser Eindruck?
Nein. Das Trainingslager unter Gilbert Gress war sehr anstrengend. Wir hatten jeden Tag drei Trainingseinheiten zu absolvieren. Zwischendurch standen verschiedene Events wie Bowlen, Schwingen usw. sowie die Nomination mit der Abwahl auf dem Programm. Das war einerseits zwar stressig, aber auch sehr kurzweilig.

Ihr direkter Konkurrent um den Goalie-Stammplatz war Werner Günthör...
Sie meinen die Nummer zwei?

...war es für Sie eine Genugtuung, sich gegenüber Werner Günthör durch zu setzen?
Mein Ziel war es immer, am 1. Juni mit den Promis im Espenmoos einzulaufen. Günthör kann zwar auch seine Erfahrungen als Torhüter einbringen, hat aber nie in einer Liga-Mannschaft gespielt. Ich hingegen stand beim FC Raron und beim FC Brig zwischen den Pfosten und kenne den Liga-Spielrhythmus. Günthör ist ein guter Goalie, aber bei Flanken oder beim Herauslaufen fehlt ihm das Timing. Im konditionellen Bereich bin ich zwar nicht besser als er, aber technisch bin ich ihm überlegen.

Sie haben auch mit ihm das Zimmer geteilt...
Ich kenne Werni schon lange und habe mich bewusst für ihn als Zimmerkollegen entschieden, um etwelche Rivalitäten gleich von vornherein auszuschliessen. Ein Problem gab es allerdings trotzdem: „Dr Günthör schnarcht äso wiener üsgseht.“

Das war vielleicht Absicht...
...damit ich kein Auge zumache (lacht). Aber diese Taktik ist glücklicherweise nicht ganz aufgegangen.

Haben Sie sich mit Werner Günthör auch innerhalb der Truppe am besten verstanden?
Ich habe mich praktisch mit allen Beteiligten gut verstanden. Anfangs hatte ich diesbezüglich auch ein bisschen Bedenken, weil ich mit verschiedenen Typen überhaupt keine Gemeinsamkeiten habe. Nichts desto trotz wurde ich eines Besseren belehrt und positiv überrascht. Das eindrücklichste Erlebnis der Trainingswoche war denn auch der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe.

Ihre Kollegin Regula Späni hat im Vorfeld der Partie orakelt: Ihr habt keine Chance – nutzt sie!
Sicher wird es nicht einfach, sich gegen ehemalige Fussballgrössen wie Georges Bregy, Raimondo Ponte, Andy Egli, Marco Schällibaum oder Thomas Bickel durchzusetzen. Trotzdem glaube ich an unsere Chance und ich hoffe, dass auch das Publikum auf unserer Seite steht. Ich freue mich riesig auf den Match. Für mich als Goalie ist es sowieso besser, wenn ich viel zu tun bekomme. Dann kann ich mich auch besser auszeichnen.

Nicht dass Sie noch eine Fussballerlaufbahn anstreben?
Für die WM ’06 ist es jetzt eh zu spät. Da hat es Köbi Kuhn leider verpasst, das Goalie-Problem auf elegante Art und Weise zu lösen (grinst). Andererseits wäre ich dadurch in Zugzwang geraten und hätte mich kurzfristig nach einem Ersatzmann beim Fernsehen umschauen müssen. Rein logistisch wäre es also nicht machbar gewesen, dass ich nach Deutschland fahre und darum hätte ich Köbi Kuhn vermutlich doch eine Absage erteilen müssen.

Der Match zwischen Promis und ehemaligen Fussballprofis, der am 1. Juni von SF direkt übertragen wird, soll die Fernsehzuschauer auf die bevorstehende Weltmeisterschaft einstimmen. Sie stehen ja nicht nur in diesem Spiel zwischen den Pfosten, sondern stecken auch mitten in den Vorbereitungen zu den Fussball-Übertragungen. Wie weit ist Ihre Arbeit?
Im Moment gehen mir fast die Tage aus. Die Vorbereitung ist die Hauptaufgabe eines Journalisten. Die Schwierigkeit ist ja mittlerweile nicht, an die Informationen heranzukommen, sondern die ganze Schwemme an Informationen zu filtrieren. Dazu kommen noch andere Projekte wie der Match am 1. Juni. Dann folgt die Fussball-Gala „Hopp Schwiiz“, die ich zusammen mit Anna Meier moderiere und zwischendurch steht auch noch ein stündiges Exklusivgespräch mit Joseph S. Blatter auf dem Programm. Und am 9. Juni beginnt die WM.

Was darf der Fernseh-Zuschauer erwarten?
Wir übertragen 56 der insgesamt 64 WM-Spiele live. Dazu stehen jede Menge Hintergrundinfos, Berichte, Analysen und Gespräche auf dem Programm. Ich werde das WM-Studio moderieren. Dazu habe ich jeweils zwei Studiogäste eingeladen, die zusammen mit mir das bevorstehende Spiel analysieren.

Sie haben für die diesjährige WM nur Fussballkenner als Studiogäste geladen...
Das ist eine Lehre, die wir aus der EM 2004 gezogen haben. Damals hatten wir viele Fussball-Laien als Studiogäste. Dieses Konzept hat sich leider nicht bewährt. Das Publikum will nicht die Meinung von Fussball-Laien hören, sondern will Experten zu Wort kommen lassen. Darum haben wir nun diese Strategie eingeschlagen. Ich bin persönlich alle Studiogäste angegangen und muss ganz ehrlich zugestehen: Das war ein Riesenaufwand. Ich würde sagen, seit der Tischordnung bei meiner Hochzeit hatte ich kein so grosses Dilemma mehr, bis ich die richtigen Leute am richtigen Platz hatte (lacht).

Geht dadurch das Unterhaltungselement nicht ein bisschen verloren, wenn man nur Fussballkenner zu Wort kommen lässt?
Sport ist Unterhaltung. Bei Unterhaltungssendungen muss man etwas inszenieren, damit die Sendung unterhaltsam wird. Im Sport ist das Gegenteil der Fall: Niemand schaltet den Fernseher ein, um den Salzgeber, den Thurnheer oder den Hüppi zu sehen. Alle schauen die WM, weil es einfach ein cooler Sport ist. Bleibt die Frage, wie gestalten wir das Rahmenprogramm drum herum? Wenn nun ein Tourismusdirektor oder ein Hochschulprofessor über Fussball redet, bringt das keinen Mehrwert. Darum muss man einen Experten im Studio haben, der auch den Laien die fachliche Position näher bringt.

Die Schweiz spielt an der WM gegen Frankreich, Togo und Südkorea. Wie stark schätzen Sie die Gruppengegner der Schweiz ein?
Wenn man sich die Vorrundengegner der Schweiz näher anschaut, wäre alles andere als der zweite Gruppenrang eine Enttäuschung. Togo darf kein Problem sein, Südkorea sollte kein Problem sein und Frankreich wird ein Problem sein. Aber auch da liegt ein Unentschieden durchaus drin.

Im Vorfeld der WM hat die Nicht-Nominierung von Hakan Yakin für einigen Wirbel gesorgt. Sind Sie mit Köbi Kuhn einer Meinung, dass Yakin nicht ins WM-Team gehört?
Ich finde, Köbi Kuhn hat richtig entschieden. Natürlich war seine Argumentation, Yakin sei ein schwieriger Charakter, ein bisschen unglücklich. Dennoch finde ich es richtig, dass Yakin nicht im Aufgebot steht, weil er womöglich für Unruhe innerhalb der Gruppe sorgen könnte und überdies kein Einwechselspieler ist. Was Hakan Yakin sicher auch geschadet hat, ist die Pro-Yakin-Kampagne im Blick. Der Druck auf den Trainer wäre enorm geworden, wenn er Yakin auf die Ersatzbank gesetzt hätte und die Resultate ausgeblieben wären. Darum hat sich Kuhn richtigerweise dagegen ausgesprochen, Yakin mitzunehmen.

Aber die individuelle Klasse eines Hakan Yakin ist unbestritten...
Die Stärke der Schweiz ist nicht die individuelle Klasse eines Einzelnen, sondern das Team an sich. Das hat die Schweiz in der Qualifikation zur WM eindrücklich bewiesen. Wir haben so gute Fussballer wie Barnetta, Cabanas oder Frei, die sich voll in den Dienst der Mannschaft stellen und den Teamgedanken leben. Die Schweiz hat an der WM in Deutschland nur dann eine Chance, wenn sie als Team harmoniert und entsprechend auftritt. Kommt hinzu, dass während der Qualifikationsphase verschiedene Spieler die Position von Yakin innehatten und eine gute Figur abgaben. Also gibt es auch sportliche Argumente, die für eine Nicht-Nominierung von Yakin sprechen.

Neben der Nicht-Nominierung von Yakin ist Pascal Zuberbühler das Dauerthema in der Schweizer-Nationalmannschaft...
Dem ist leider so. Wie haben keinen Goalie, der einer Mannschaft langfristig Punkte retten kann. Das war in der Vergangenheit anders. Mit Elsener, Prosperi, Burgener, Engel und Berbig hatte die Schweiz Top-Goalis. Auch Brunner und Pascolo, die zwar oft in der Kritik standen, aber in den entscheidenden Spielen immer ihre Leistung brachten, waren gute Hinterleute. Jetzt fehlt die Grundqualität im Tor. Wir haben keinen Überflieger mehr. Zubi hat sicher seine Qualitäten, aber im technischen Bereich hat er ein Manko.

Wie beurteilen Sie die Medienschelte, der unser Nationalgoalie in letzter Zeit ausgesetzt war?
Ich finde, das geht zu weit. Andererseits ist es nicht Aufgabe der Medien, einen gutbezahlten Fussballprofi psychologisch zu betreuen. Wenn man sich so exponiert, wie Zubi das macht, muss man mit Kritik umgehen. Das hat er in der Vergangenheit schlecht gemacht.

Mit dem Spiel gegen die Franzosen am 13. Juni beginnt für die Schweiz das WM-Abenteuer Deutschland 2006. Was trauen Sie dem Team von Köbi Kuhn zu?
Generell herrscht in der Schweiz eine grosse Euphorie. Für mich ist es wichtig, dass wir die Gruppenspiele überstehen. Alles andere wird sich zeigen. Eine Viertelfinal-Qualifikation der Schweizer Mannschaft wäre ein Supererfolg. Mit der Freude und der Euphorie im Vorfeld der WM würde ich der Mannschaft natürlich viel mehr gönnen.

Welche Mannschaft favorisieren Sie für den WM-Titel?
Die Mannschaft, die als Gruppe funktioniert, athletisch top ist und die fussballerischen Qualitäten einbringt, wird den WM-Titel holen. Brasilien ist sicher ein heisser Titelkandidat. Dazu kommen England und Holland. Vor dem Bestechungsskandal hatte ich die Italiener noch auf meiner Rechnung. Aber nach dem Theater verdient es Italien nicht mehr, Weltmeister zu werden.

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