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Brig / Die Kapazität des Simplontunnels reicht nicht aus, um nach der NEAT Eröffnung sämtliche Züge und die anstehenden Unterhaltsarbeiten bewältigen zu können. Deshalb prüft eine SBB-interne Arbeitsgruppe den Bau zweier weiterer Verbindungstunnels, wie Recherchen der RZ ergaben.
Von German Escher
Im Mai hat eine hochkarätige Gästeschar das 100-jährige Bestehen des Simplontunnels gefeiert. Doch damit der Betrieb in diesem Jahrhundertbauwerk auch weiterhin gewährt werden kann, braucht es regelmässige Kontrollen und aufwändige Unterhaltsarbeiten. Dazu muss mindestens eine der beiden Eisenbahnröhren, die mit zwei Quertunnels miteinander verbunden sind, zur Hälfte gesperrt werden. Um beispielsweise die elektrischen Anlagen zu überprüfen, Geleise auszuwechseln oder für den Einbau eines Natel-Funkkabels im Herbst wird der Fahrbetrieb teilweise eingestellt. Der dichte Fahrplan engt die Unterhaltsarbeiten aber immer mehr ein, wie Alex Schwestermann, SBB-Niederlassungsleiter für Unterhalt und Sicherheit in Brig, der RZ bestätigt: „Es ist nicht mehr möglich, einen Tunnelabschnitt während mehreren Tagen zu sperren. Wir können deshalb nur stundenweise oder übers Wochenende Unterhaltsarbeiten ausführen.“
NEAT bereitet Sorgen
Die Eröffnung der NEAT wird zu einem Mehrverkehr führen. Die Folgen sind für Alex Schwestermann klar: „Der Simplontunnel wird zum Nadelöhr. Wenn beide Röhren voll in Betrieb sind, wird der Verkehr zwar zu bewältigen sein. Aber es bleibt keine Zeit für die Unterhaltsarbeiten.“ Und solche sind im 100-jährigen Tunnel unumgänglich. So sollte das Bahntrasse bei der Mittelstation noch abgesenkt, einzelne Weichen erneuert, das 132 000 kWh-Kabel im Tunnel 2 ersetzt und die Kanalisation im Tunnel 1 teilweise erneuert werden. Alles Arbeiten, die nach der NEAT-Eröffnung aus Kapazitätsgründen nicht ausgeführt werden können.
Zwei Verbindungsstunnels nötig
Für Alex Schwestermann müssen die beiden Tunnelröhren flexibler genutzt werden können. Das heisst: Rund fünf Kilometer vor dem Süd- und Nordportal braucht es je einen zusätzlich neuen Verbindungstunnel, um die Züge von der einen Eisenbahnröhre in die andere umzuleiten und so Teilabschnitte ausser Betrieb nehmen zu können. Schwestermann schätzt, dass beide Quertunnels rund 300 Meter lang wären und je an die 20 Millionen Franken kosten würden.
Frühestens 2009 machbar
Eine SBB-Arbeitsgruppe prüft nun den Bau der Verbindungstunnels.Vor der Eröffnung der NEAT im Dezember 2007 wird dies nicht möglich sein. Die Arbeiten benötigen Zeit und müssen in die Fahrplan-Festlegung einfliessen. Weil der Fahrplan 2007 bereits steht, wird man erst ab dem übernächsten Fahrplanwechsel ein Zeitfenster für die Ausbauarbeiten einplanen können.
Zurück bleibt der Eindruck, dass Bahnpolitiker in ihrer NEAT-Euphorie die Rechnung ohne die notwendigen Unterhaltsarbeiten am Simplon gemacht zu haben. Einen Fehler, den man am neuen Lötschberg-Basistunnel nun wiederholt, indem aus Kostengründen auf den durchgehenden doppelspurigen Ausbau verzichtet wurde.
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