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Planung von neuem Camping in Gampel
Neun Millionen für fünf Sterne


 

Gampel / Die 3. Rhonekorrektion (3. RK) hat auch Auswirkungen auf die Oberwalliser Tourismusbranche. Der Camping Rhone in Gampel liegt im geplanten Aufweitungsgebiet des Rottens und muss verschoben werden. Der Betreiber Werner Brunner plant nun eine einzigartige Freizeit-Anlage. Indes interessiert sich auch Turtmann für einen Campingplatz.

Von Armin Bregy

Seit 1980 betreibt der 66-jährige Toggenburger Werner Brunner den Camping Rhone in Gampel, und er ist willens, ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Geplant ist eine Ferien- und Freizeitanlage, wie sie in der Schweiz einzigartig ist: Eine vier bis fünf Sterne-Anlage mit Wellness-Bereich, verschiedenen Saunas und Bädern, Sportanlagen und Anima­tion – und das im Ganzjahresbetrieb. Investitionsvolumen: Über 9 Millionen Schweizer Franken.

Was tun?
Nachdem klar wurde, dass die 3. RK den Campingbetrieb am jetzigen Standort verunmöglichen würde, stellte sich für Brunner die Frage: Was tun? „Lassen wir uns zu gegebenem Zeitpunkt entschädigen und hören auf, oder engagieren wir uns und erstellen eine neue Anlage?“ Man entschied sich für letzteres, auch weil die gesamte Familie hinter dem neuen Projekt stehe, so Brunner. „Ich habe aber auch eine Verpflichtung gegenüber meinen Gästen, die teilweise seit über 25 Jahren nach Gampel kommen. Und nicht zuletzt hat die Anlage auch eine wirtschaftliche Bedeutung für die Region.“

Unterstützung der Gemeinde
4,5 Hektaren beträgt die jetzige Fläche des Campings, die neue Anlage wird über 7 Hektaren umfassen – wovon 6 für den Campingplatz und 1,5 Hektaren für Erholung und Wellness vorgesehen sind. Diese Anlagen sind nicht den Campinggästen vorbehalten, sondern dürfen von der Öffentlichkeit ebenfalls benützt werden. Die Gemeinde Gampel unterstützt die Interessen von Werner Brunner, führt sämtliche Verhandlungen mit dem Kanton. „Für uns ist das Projekt eine Chance – sowohl wirtschaftlich wie auch touristisch“, so Konrad Martig, Gemeindepräsident von Gampel. Nicht zu vergessen: Der Camping generiert pro Jahr knapp 30 000 Franken an Kurtaxengeldern.

Boden in Privatbesitz
Der Camping Rhone steht heute grösstenteils auf Burgerboden. Mit der 3. RK wird dieser Boden beansprucht. Der vorgesehene Ersatzstandort ist nordwestlich des heutigen Campings. Der überwiegende Teil des benötigten Bodens befindet sich in Privatbesitz. In einem persönlichen Schreiben hat Brunner nun den jeweiligen Grundeigentümern ein Kaufangebot offeriert. Bis Ende Juni sollen diese sich entscheiden. Von den 80 Bodenbesitzern äusserten sich bisher rund 30 Prozent – grösstenteils positiv, wie Brunner gegenüber der RZ versichert. „Ich bin ein Optimist. Bis jetzt sieht es sehr gut aus.“

Zeitdruck
Das Problem: Der Betrieb des Campings muss während der Bauzeit der 3. RK ohne Unterbruch gewährleistet sein, andernfalls muss Brunner mit gravierenden wirtschaftlichen Einbussen rechnen. Dies hat zur Konsequenz, dass der Camping Rhone vor 2010, also vor Beginn der Bauarbeiten für die 3. RK, an seinem neuen Standort in Betrieb sein muss. Hinzu kommt, dass die Landwirtschaftszone in eine Campingzone umgewandelt werden muss. Der neue Zonenplan muss dann noch von der Urversammlung abgesegnet und von der kantonalen Dienststelle homologiert werden. Die Uhr tickt. Konrad Martig: „Wir sind unter Zeitdruck. Die Verhandlungen mit dem Kanton verlaufen eher harzig.“

Umweltverbände involviert

Um allfällige Verzögerungen durch Einsprachen der Naturschutzverbände zu vermeiden wurde die Pro Natura und der WWF vorgängig informiert. Eva-Maria Kläy von der Pro Natura: „Wir finden das Projekt sehr fortschrittlich. Sowohl mit Werner Brunner wie auch den Gemeindebehörden funktioniert die Zusammenarbeit äusserst profes­sionell. Eventuell lässt die Gemeinde Gampel dem Rotten sogar mehr Platz, als die 3. RK fordert. Das wäre im gesamten Kanton einzigartig.“

Auch Turtmann plant
Auch die Turtmänner Burgergemeinde plant westlich vom Dorf entlang der Kantonsstrasse einen Campingplatz. Sie verfasste einen Bedarfsnachweis mit der Begründung, dass verschiede Campings der Region aufgrund der 3. RK verschwinden würden. Daraufhin reagierte wiederum die Gemeinde Gampel: Der Camping Rhone könne in keinem Fall als Bedarfsnachweis für die beabsich-tigte Anlage in Turtmann aufgeführt werden, liessen die Gampjer Behörden den Kanton wissen. Karl Bregy, Vizepräsident der Turtmänner Burgergemeinde, sieht die Angelegenheit folgendermassen: „Unser Konzept wurde von der Uni Lausanne und der Fachhochschule Wallis als einzigartig eingestuft. Wir wollen einen ökologischen Camping, von der Energieversorgung bis zum Abwasser ist alles auf Ökologie getrimmt.“ Doch macht es Sinn, in unmittelbarer Nachbarschaft zwei „einzigartige“ Camping-Projekte zu realisieren? „Ich bin überzeugt, dass beide Konzepte realisierbar sind. Wir wollen bestehende Anlagen nicht konkurrenzieren. Das Wallis, ja die gesamte Schweiz, hat in Sachen Qualitätscampings einen riesigen Nachholbedarf.“

Schlüsselstelle Kanton
Nach Angaben von Ortsplaner Paul Metry gibt es zwei Punkte, die eine rasche Umzonung – welche schlussendlich für beide Campings notwenig wären – erschweren könnten. Zum einen den Bedarfsnachweis, zum zweiten die Fruchtfolgeflächen. Die Kantone sind von Gesetzes wegen verpflichtet, den Anteil am Mindestumfang der Fruchtfolgeflächen konstant zu halten. Hier gilt es nun abzuwägen, was für die Region und die Bevölkerung besser ist: Fruchtfolgeflächen oder Tourismus? Urs Schnydrig von der Dienststelle für Raumplanung: „Wir können noch keine Beurteilung machen, da das Gampjer-Projekt noch nicht eingereicht wurde. Vom Verfahren her ist alles möglich.“

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