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Wiler / Die Gemeinde Wiler hat eine Verfügung erlassen, die Bauern verbietet, Grassilos näher als 500 Meter an Wohngebäude aufzurichten. Der Grund: Extreme Geruchsemissionen. Diese Verfügung stinkt den Bauern.
Von Armin Bregy
„Dieser Gestank war nicht tolerierbar, wir mussten etwas unternehmen,“ sagt der Wiler Gemeindepräsident Beat Rieder bestimmt. Auf Druck der Anwohner wurde daher vom Gemeinderat eine Verfügung erlassen, die einen Mindestabstand von 500 Metern vom Silo zu Wohngebäuden verlangt. Für die Bauern ist dieser Entscheid schwer nachzuvollziehen. Denn was ist, wenn ein Silo 510 Meter von den Wohngebäuden entfernt steht? Ist dann etwa die Belästigung für die Anwohner geringer? Der Landwirt Anton Henzen meint: „Ein richtig gewarteter Grassilo stinkt nicht.“ Dies ist auch die Überzeugung der kantonalen Dienststelle für Landwirtschaft. Das Problem liegt also nicht primär im Abstand vom Silo zum Wohngebäude – weshalb die Verfügung in den Augen der Bauern wenig Sinn macht. Vielmehr müsste man eine professionelle Wartung sicherstellen, statt Emissionsabstände zu verordnen.
Mehrfache Mahnung
Beat Rieder: „Wir haben die betroffenen Bauern mehrfach aufgefordert, den Geruchsemissionen auf den Grund zu gehen. In den letzten anderthalb Jahren hat sich jedoch nichts getan – im Gegenteil.“ Die Verfügung komme also nicht aus heiterem Himmel. Anders sieht das der Landwirt Anton Rieder. Der 34-jährige Familienvater von drei Kindern sieht gar seine Existenz bedroht: „Was soll ich machen? Meine Scheune ist zu klein, ich bin auf die Silos angewiesen.“ Seit zwölf Jahren siliere er nun schon Gras und noch nie habe es Reklamationen gegeben. Und von wo kommt der Gestank? „Mein Schwager, Hans-Peter Siegen, hat seit zwei Jahren einen Grassilo neben meiner Stallung, und der hat in der Tat gestunken.“ Auf der Suche nach dem Übeltäter, der die olfaktorische Stimmung im Dorfe trübt, landet die RZ nun bei besagtem Hans-Peter Siegen: „Das wäre schon sonderbar, dass genau mein Silo, der luftdicht abschliessbar ist, so stinken soll.“ Die Verantwortung für den Gestank wird hin und her geschoben.
Hin und Her
Dieses Hin und Her hat wohl auch Gemeindepräsident Rieder dazu veranlasst, zur unpopulären Massnahme zu greifen. „Für uns war es schwierig festzustellen, von wo die Geruchsemissionen kommen. Daher haben wir die Verfügung erlassen.“ Eine Verfügung, die den Bauern stinkt. Sowohl Anton Rieder wie auch Hans-Peter Siegen sind der Überzeugung, dass die Behörden von Wiler grundsätzlich ein Problem mit der Landwirtschaft haben – zu Gunsten des Tourismus. „Dabei vergessen die wohl, dass wir durch unsere Landschaftspflege den Tourismus erst ermöglichen“, so Rieder. Dauernd werde man mit Foderungen, ja gar Drohungen konfrontiert. In der Gemeinde Wiler habe es keinen Platz mehr für die Landwirtschaft. „Zudem glaube ich nicht, dass uns die Gemeinde das Silieren von Gras verbieten kann; das wäre in der Schweiz wohl einzigartig.“ Dies sieht der Gemeindepräsident, welcher als Jurist tätig ist, natürlich anders: „Sowohl das Zivilgesetzbuch wie auch das Gemeindebaurecht kann zur Rechtfertigung unserer Massnahme herbeigezogen werden.“
Pragmatische Lösung
Im Silostreit von Wiler zeichnet sich indes eine pragmatische Lösung ab. Hans-Peter Siegen baut in Ried, welches zur Gemeinde Blatten gehört, ein neues landwirtschaftliches Gebäude. Sein Silo kommt weg von Wiler. In der neuen Stallung werden die Silos in das Gebäude intergriert. Falls er der Verursacher war, muss sich in Zukunft wohl die Gemeinde Blatten um die Angelegenheit kümmern. Falls es in Wiler weiterhin stinkt, wird der Schwarze Peter wohl Anton Rieder zugeschoben. Rieder betont jedoch: „Wir hatten nie Probleme mit Geruchsemissionen. Ich werde mich sicherlich wehren, falls die Verfügung weiterhin bestehen bleibt. Wie gesagt: Es geht um meine Existenz.“
Hans-Peter Siegen wollte übrigens den freistehenden Silo von Wiler nach Ried zügeln. Doch es gab Einsprachen aus der Gemeinde Blatten. „Dabei ging es primär um das Dorfbild, nicht um den angeblichen Gestank“, versichert Siegen.
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