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Oberwallis / Im letzten Jahr marschierten knapp 1000 Rechtsgesinnte auf das Rütli, darunter auch einige Walliser. Der heurige Nationalfeiertag findet ohne Beteiligung von Oberwallisern Neonazis statt – wie ein führendes Szenemitglied gegenüber der RZ versichert.
Von Armin Bregy
„Von uns wird niemand organisiert aufs Rütli gehen“, so der Kommentar des 26-Jährigen, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. „Wir feiern die 1. August-Feier traditionell im Wallis, auf dem Glishorn.“ Und wie war das im letzten Jahr, als unter den vielen Schweizer Fahnen auch das 13-Sterne-Banner unseres Kantons geschwenkt wurde? „Ich kenne die Leute nicht, die mit den Walliser Fahnen auf dem Rütli aufmarschiert sind. Ich vermute, die kamen aus dem Unterwallis. Ich war noch nie auf dem Rütli. Das ist eher ein Anlass für die Innerschweizer“, gab der junge Rechtsradikale bereitwillig Auskunft. Auch bei der Kantonspolizei sind keine organisierten Verschiebungen von Oberwalliser Rechtsextremen und/oder Sympathisanten auf das Rütli bekannt.
Ein paar Dutzend…
Die Organisatoren rechnen in diesem Jahr lediglich mit ein paar Dutzend Rechtsradikalen, was unser Gesprächspartner bestätigt: „Ich denke, es werden so um die 50 Rechtsgesinnte auf das Rütli pilgern.“ Der Grund für den frappanten Rückgang: Mit einem Kontrollsystem soll in diesem Jahr ein Grossaufmarsch der Rechtsextremen verhindert werden. Doch das System wurde kürzlich entschärft. Die Daten der Besucher dürfen nicht einer Staatsschutzprüfung unterzogen werden, da die Urner Datenschutzbeauftragte Beatrice Kolvodouris ihr Veto eingelegt hat. In den Internet-Foren der Nazis wird dies mit Häme quittiert: „Die Polizei darf keine Daten über Drittpersonen aus rechtlichen Gründen herausgeben!!!! Will noch einmal heissen: Wir sehen uns auf dem Rütli!!! Ticket hin oder her!!!“ Da stellt man sich die Frage, wie gross das Gewaltpotenzial der Rechtsextremen ist: „Ob sich Leute ohne Ticket mit Gewalt Zutritt verschaffen wollen, kann ich nicht abschätzen“, meint das Szenemitglied.
Oberwalliser Szene
Nach dem Konzert von Rechtsradikalen Bands vom letzten Jahr im Crazy Palace, welches von der Blood & Honour-Bewegung (Blut und Ehre) Alpensüdseite organisiert wurde, scheinen sich die Oberwalliser Neonazis weniger auffällig zu verhalten – zumindest in der Öffentlichkeit. Das bestätigt auch Robert Steiner, Chef der Kriminalpolizei: „Tatsache ist, dass seit dem Ereignis in Gamsen auf unserem Kantonsgebiet und gemäss unseren Kenntnissen keine solchen Anlässe mehr stattgefunden haben.“ Sicher ist, dass sich die Oberwalliser Neonazis mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut haben, welches die Kantons- und Landesgrenzen überschreitet. So waren bereits an besagtem Konzert vom 17. September letzten Jahres Rechtsextreme aus Deutschland, Italien, Österreich und Frankreich anwesend. Blood & Honour ist eine Bewegung, die für die Einheit der weissen Nationen eintritt und angebliche Feinde der arischen Rasse bekämpft. Die Bewegung ist in Deutschland verboten und auch in der Schweiz denkt man im Zuge der Revision des Bundesgesetzes über die Wahrung der inneren Sicherheit darüber nach, diese Organisation zu verbieten.
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