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Gondo / Mitte September soll der Stockalperturm in Gondo betriebsbereit sein, ein Komplex aus Seminarräumen, Museum, Restaurant, Zimmern und einem Massenlager. Nicht bei allen ein Grund für Freudensprünge.
Von Denise Jeitziner
„Mit dem Angebot im Stockalperturm können wir nicht mithalten“, meint Horst Kroplewski resigniert. Dort würden – Spendengeldern sei Dank – bald zehn modern ausgestattete Zimmer und ein Massenlager für rund fünfzehn Personen angeboten werden. „Unsere Existenz ist bedroht.“ Kroplewski pachtet zusammen mit seiner Frau das Restaurant und die Pension Bellevue, nur ein paar Schritte vom imposanten Bau entfernt.
Hauptsächlich Spendengelder
Rückblende. Beim schweren Erdrutsch am 14. Oktober 2000 wurde die Hälfte des Dorfes zerstört. Mit ihm ein Teil des Stockalperturms, das Wahrzeichen von Gondo. „Wir wollten den Turm wieder aufbauen lassen und haben deshalb eine Stiftung gegründet“, sagt Hans Ritz stellvertretend für die Stiftung Stockalperturm. Das Geld für den Wiederaufbau, insgesamt rund 7 Millionen Franken, konnte gemäss den Verantwortlichen nur dank breitgefächerter Unterstützung von privater und öffentlicher Hand ermöglicht werden. Was ist mit dem Betrag von 310 000 Franken, der Ende April diesen Jahres noch fehlte? „Das Projekt Stockalperturm ist inzwischen finanziell gedeckt“, versichert der Gemeindepräsident von Gondo, Alex Squaratti. Der fehlende Restbetrag sei von der Loterie Romande beglichen worden.
Zweckänderung während dem Bau
„Anfangs war bloss die Rede von Seminarräumen, einem Museum und einer Caféteria und plötzlich hiess es, dass ein Restaurant, Hotelzimmer und ein Massenlager in den Stockalperturm integriert werden sollen“, regt sich Horst Kroplewski auf. Es sei richtig, dass man sich erst während der Bauphase dafür entschieden habe, Zimmer einzurichten, bestätigt Hans Ritz von der Stiftung Stockalperturm. „Die Zweckänderung war mit der Denkmalpflege abgesprochen und allen bekannt, auch der Glückskette.“
Keine zeitgemässen Zimmer?
„Unsere Abklärungen während des Baus haben ergeben, dass es in Gondo keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt“, sagt Hans Ritz weiter. Da der Stockalperturm hauptsächlich für Seminare genutzt werden solle, seien Übernachtungsmöglichkeiten ein Muss. „Das ist eine Lüge, wir vermieten fünf Zimmer“, wehrt sich Horst Kroplewski. Ja, es gebe zwar ein paar Zimmer in Gondo, relativiert Gemeindepräsident Squaratti, aber: „Das sind keine zeitgemässen Zimmer.“ Und wenn man keine zeitgemässen Zimmer anbieten könne, würde niemand in Gondo Seminare abhalten wollen.
„Gemeinde schadet uns“
In der Pension Bellevue werden einfache Zimmer angeboten. Die Zielgruppe sind vor allem Wanderer und Velofahrer, die in Gondo Zwischenhalt machen. „Unsere Gäste waren immer zufrieden“, verteidigt sich Kroplewski. „Die Zimmer sind sauber. Einzig die Dusch- und WC-Anlagen sind im Gang und nicht im Zimmer.“ Trotzdem, gegen die Zimmer und vor allem das Massenlager im Turm habe er keine Chance. „Ich habe nach der Unwetterkatastrophe 80 000 Franken in das Restaurant und die Pension investiert“, berichtet Horst Kroplewski. Im Vergleich zu den 7 Millionen, die für den Stockalperturm zur Verfügung standen, stehe er jedoch auf verlorenem Posten. „Die Gemeinde stellt den Turm in den Vordergrund und schadet dabei dem Kleingewerbe“, ärgert sich Kroplewski. „Unsere Pension wird bereits jetzt bewusst deklassiert. In diesem Jahr hatte ich nur halb so viele Übernachtungen wie im letzten Jahr.“
Das Ende der Pension?
In den ersten drei Jahren nach der Katastrophe habe sein Umsatz bei 350 000 Franken gelegen. Jetzt sei er bei 260 000 Franken angelangt und das mit 365 Arbeitstagen pro Jahr. „Sobald der Stockalperturm geöffnet wird, müssen wir den Umsatz teilen“, blickt Horst Kroplewski in die Zukunft. Auch die Tatsache, dass ihm sein Vermieter bereits um die Hälfte des Mietzinses entgegen gekommen sei, könne daran nichts ändern. „Das ist unser Ende.“ Hätte ihn der Posten des Pächters nicht interessiert? „Doch, ich habe mich darum bemüht und angeboten, den Turm in Verbindung mit meinem Restaurant bis zu meiner Pension zu pächten.“ Eine Antwort von der Gemeinde habe er nie erhalten.
Findet sich ein Pächter?
Laut dem verantwortlichen Architekten Matthias Werlen werden die Bauarbeiten Mitte, spätestens Ende August fertig gestellt sein. Die Eröffnung des Stockalperturms ist auf den 16. September angesetzt. Vorausgesetzt, es findet sich ein Pächter bis dahin. „Wir führen gerade Gespräche mit einem Interessenten“, beteuert der Gemeindepräsident Alex Squaratti. Was, wenn keiner gefunden wird? Schliesslich ist trotz Businessplan schwer einzuschätzen, ob das Projekt tatsächlich Erfolg haben wird, wie auch Hans Ritz von der Stiftung Stockalperturm bestätigt. „Wir werden bestimmt einen Pächter finden“, ist Squaratti überzeugt.
Stockalperturm als Aufschwung?
Sowohl Architekt Matthias Werlen, als auch Stiftungsmitglied Hans Ritz und Gemeindepräsident Alex Squaratti sind vom Projekt Stockalperturm überzeugt. „Der Stockalperturm soll ein ergänzender Bau sein und nicht ein konkurrenzierender“, verteidigt stellvertretend Hans Ritz das Projekt. „Das neue Angebot ist eine tolle Chance, die Gondo beleben soll. Davon können auch die übrigen Betriebe profitieren“, ist auch Matthias Werlen überzeugt. Die Zukunft wird es zeigen.
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