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Am 26. September feiert die Glückskette ihr 60-jähriges Bestehen
„Liebe Glückskette, alles Gute zum Geburtstag!“


 

Baltschieder / Die 5. und 6. Klässler von Baltschieder bekennen Farbe: In einem offenen Brief an die Glückskette bedanken sie sich für die geleistete Unterstützung.

Von Walter Bellwald

In Baltschieder hat man die finanzielle Hilfe der Schweizer Bevölkerung nach den schweren Unwettern vom Oktober 2000 nicht vergessen. Darum haben sich die Kinder der 5. und 6. Primarklasse von Lehrer Lothar Henzen zum 60-jährigen Bestehen der Glückskette etwas Besonderes einfallen lassen: In einem offenen Brief bedanken sie sich für die grossartige Solidarität.

Im Pyjama auf der Flucht
„Liebe Glückskette, dank Ihrer Hilfe ist unser Dorf wieder schön und lebendig. Wir wünschen Ihnen einen schönen Geburtstag und hoffen, dass Sie weiterhin Menschen in Not helfen können“, heisst es in dem von den Schülerinnen und Schülern selbst verfassten Schreiben. Nur ungern erinnern sich die Kinder an die Schreckenstage von damals zurück. „Unser Haus war von Schlamm und Schuttmassen bedroht“, erzählt die zwölfjährige Nicole. „Schliesslich konnte uns die Feuerwehr aus unserer misslichen Lage befreiten. In einer Traxkelle und auf einem Boot wurden wir evakuiert. Ich hatte ganz schreckliche Angst und habe mich fest an meinen Papa geklammert. Auf Umwegen sind wir dann nach Eggerberg zur Grossmama gekommen, die uns aufgenommen hat.“ Auch Virginia (12) kann sich noch genau an die Schreckensbilder erinnern: „Wir waren gerade beim Frühstück, als jemand bei uns klingelte. Als ich aufgemacht habe, stand da ein Feuerwehrmann vor der Tür. Er forderte uns auf, sofort unser Haus zu verlassen. Wir mussten Hals über Kopf fliehen. Ich hatte noch das Pyjama an. Der nette Feuerwehrmann hat mich dann in Sicherheit gebracht. Schliesslich haben wir bei meinem Gotti in Raron Zuflucht gefunden.“ Thomas (11) traute seinen Augen nicht, als er frühmorgens auf die Terrasse trat und die Bescherung sah. „Ich bin sofort zurück ins Schlafzimmer gelaufen und habe meine Mama geweckt. Die wollte es anfangs gar nicht recht glauben. Schliesslich haben uns die Feuerwehrleute evakuiert.“

„Unser Dorf ist wieder schön“
Heute, knapp sechs Jahre nach der Katastrophe, freuen sich die Kinder und mit ihnen die Erwachsenen am „neuen“ Baltschieder. Erst kürzlich wurden die neuen Gemeinderäumlichkeiten bezogen und der Dorfplatz eingeweiht. „Unser Dorf gefällt mir sehr gut“, schwärmt der elfjährige Julian, „vor allem der Schulhausplatz.“ Derweil ist Jonathan (11) sehr vom Spielplatz angetan und Caroline (11) vom neuen, geräumigen Keller: „Wir sind froh, dass unser Haus wieder ganz ist“, strahlt sie.

 

Roland Jeanneret, Leiter Kommunikation der Glückskette
„Wir wollen einfach Danke sagen!“

Bern / Die Glückskette feiert am 26. September ihr 60-jähriges Bestehen. Roland Jeanneret (59), Sprecher und Kommunikationsverantwortlicher der Glückskette, gibt Auskunft.

Herzlichen Glückwunsch, die Glückskette feiert ihren 60-sten. Was ist geplant?
Wir werden am 26. September mit einem kleinen Gedenkanlass im Radiostudio in Lausanne die Feier begehen. Dabei werden auch zwei der drei Erfinder der Glückskette im Studio anwesend sein. Wir wollten zum 60. Geburtstag eigentlich einen Sammeltag machen, sind dann aber jedoch davon abgekommen. Jetzt nehmen wir die Feier zum Anlass, all unseren Spenderinnen und Spendern einmal zu danken.

Sie sind seit zwanzig Jahren die Stimme der Glückskette. Was war der bisher bewegendste Moment Ihrer Arbeit?
Es gab viele Sachen, die mir sehr nahe gegangen sind. Am meisten berührt hat mich jedoch eine Spende von Eltern, die ihr Kind verloren haben. Sie erzählten mir, dass sie seit dem Tod ihres Kindes vor einem Jahr das Kinderzimmer unverändert gelassen hätten. Jetzt hätten sie sich dazu entschlossen, das Sparsäuli ihres toten Kindes für ein Sammelprojekt für Kinder in Kriegsgebieten zu opfern. Das hat mich tief beeindruckt.

Gab es auch Momente, an die Sie sich weniger gern zurück erinnern?
Das Spendewesen ist ein sehr sensibles Gebiet. Wenn es etwa bei der Verteilung der Gelder zu Missverständnissen kommt oder mit Spendegeldern sogar Missbrauch betrieben wird, kann das schon sehr ärgerlich sein. Schliesslich garantieren wir den Spenderinnen und Spendern auch vollste Transparenz bei der Verteilung der Gelder. Jeder Franken geht als Franken in die Projekthilfe.

Die Glückskette hilft Menschen, die unschuldig in eine Notsituation geraten sind. Was bedeutet für Sie Glück?
Glück ist der Moment, wo man ein Ziel erreicht hat. Das können sowohl bescheidene wie auch grössere Ziele sein – wenn jemand in einer Hängematte liegt und ein Buch liest, kann das durchaus Glücksgefühle auslösen. Der Name Glückskette ist eigentlich ein wenig veraltet. Das kommt daher, dass die Meinung vorherrscht, wenn man jemandem mit Geld unterstütze, könne sich der Betroffene glücklich schätzen. Eigentlich ist es aber genau umgekehrt. Glücklich schätzen darf sich der Spender, der helfen kann. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Solidarität. Der englische Name der Glückskette – Swiss Solidarity – bringt den Zweck unseres Schaffens genau auf den Punkt.

Sie haben mit Ihrer Arbeit schon vielen Menschen und Institutionen geholfen. Was war Ihr bisher grösster persönlicher Glücksmoment?
Als ich am Great Barrier Riff getaucht bin. Diese Art von schwebelosem Zustand im Wasser, umgeben von dieser eindrücklichen Fauna, ist wie ein wacher Traum. Ein Zustand, der in mir wahre Glücksgefühle ausgelöst hat.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
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