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Alain Gaspoz, Spieler des FC Sitten
„Wir müssen den grossen Namen des Gegners vergessen“


 

Sitten / Martinach / Heute Abend tritt der FC Sitten zum Uefa-Cup-Rückspiel in Leverkusen an. In der RhoneZeitung spricht Alain Gaspoz über die Chancen auf ein Weiterkommen, die bisherige Meisterschaft und seine Einsätze für die Nationalmannschaft Benins.

Von Markus Pianzola
Walter Bellwald

Alain Gaspoz, Ihre Mannschaft steht nach acht Runden an der Spitze in der Super League. Hätten Sie einen derart guten Start im Vorfeld erwartet?
Wir wussten, dass wir über eine gute Mannschaft verfügen. Schliesslich haben wir in der Vorbereitung kein Spiel verloren. Natürlich ist die Meisterschaft anders als die Vorbereitung, deshalb konnten wir nicht davon ausgehen, dass wir nach acht Runden an der Spitze des Klassements sein würden. Aber unser Ziel war von Anfang an eine Platzierung unter den ersten Drei. Der momentane Erfolg ist zwar schön, aber abgerechnet wird im kommenden Juni.

In welchen Bereichen muss sich das Team noch verbessern, um auch weiterhin vorne mitspielen zu können?
Eine grosse Bedeutung haben die Direktbegegnungen. Bei der Niederlage gegen YB hatten wir beispielsweise Mühe, unsere vorangegangenen Leistungen zu bestätigen. Die Spiele gegen die direkten Konkurrenten werden entscheiden, ob wir tatsächlich in die vorderen Regionen der Tabelle gehören oder nicht. Klar ist, dass wir noch ein grosses Verbesserungspotenzial haben. So gelingt es uns leider nur selten, über neunzig Minuten konstant gut zu spielen. Es gibt immer noch Leerlaufphasen. Damit wird auch der Gegner aufgebaut. Aber solange wir diese Spiele trotzdem gewinnen, fallen diese Schwächen nicht allzu sehr ins Gewicht. Wobei man sagen muss, dass wir einige Male auch glücklich gewonnen haben und uns am Ende bei Torhüter Germano Vailati bedanken konnten, weil er uns mit starken Interventionen im Spiel gehalten hat.

Wie würden Sie die Arbeitsweise von Trainer Nestor Clausen beschreiben?
Ich hatte das Glück, in meiner Zeit in Lugano unter Enzo Trossero spielen zu dürfen. Deshalb kannte ich die südamerikanische Art schon ein wenig. Clausen ist sehr nahe beim Team und respektiert die einzelnen Spieler. Er hat es nicht nötig, einen militärischen Ton anzuschlagen oder zu schreien. Auftretende Probleme werden rasch und unkompliziert gelöst. Clausen verfügt über ein grosses Talent, eine Gruppe zu führen. Hinzu kommt, dass er auch von seinem reichen Erfahrungsschatz als Spieler profitieren kann. All diese Faktoren führten bislang dazu, dass das Team trotz der vielen Wechsel erfolgreich in die Saison gestartet ist.

Wie schwierig ist es für einen Spieler, sich auf einen neuen Trainer einzustellen?
Das ist bei jedem Spieler unterschiedlich und hängt auch stark davon ab, wie das Verhältnis zum vorherigen Trainer war. Hier kann ich noch einmal das Beispiel von Enzo Trossero in Lugano nennen: Die ganze Mannschaft hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und wir erreichten den ersten Rang in der Meisterschaft. Trotzdem entschied sich der Club, einen italienischen Trainer zu verpflichten, obwohl es mit dem argentinischen Trainer keine Probleme gab. Als sich Trossero dann von der Mannschaft verabschiedete, gab es Spieler die Tränen vergossen. Mich persönlich interessieren bei einem Trainer nebst seinen fachlichen Kenntnissen vor allem seine menschlichen Qualitäten. Am meisten geprägt haben mich in meiner Karriere Roberto Morinini, Alberto Bigon, Enzo Trossero, aber auch Nestor Clausen. Es waren und sind Trainer mit grossen menschlichen Qualitäten und es ist immer schwierig, sich von solchen Menschen trennen zu müssen. Aber so sind nun einmal die Regeln unseres Sports und als Spieler muss man diese akzeptieren. Auch wenn es nicht immer einfach ist.

Obwohl Sie mittlerweile bereits 36-jährig sind, zählen Sie nach wie vor zu den schnellsten und konditionsstärksten Spielern Ihrer Equipe. Werden Sie mit zunehmendem Alter immer besser?
Hier gibt es eine lustige Anekdote zu erzählen: Im Jahr 2000, als ich noch in Lugano spielte, sprach ich mit dem damaligen Eishockeyprofi Sandro Bertaggia über diese Thematik. Er sagte mir: „Mit zunehmendem Alter wird auch das Herz grösser. Das heisst, die Kondition wird besser. Auf der anderen Seite verliert man etwas von seiner Schnelligkeit.“ Ich hatte das Glück, dass ich immer schon etwas schneller war als die meisten anderen. Auch wenn ich in diesem Bereich nun etwas abgebaut habe, bin ich nach wie vor bei den Leuten. Und die Kondition wird tatsächlich mit zunehmendem Alter besser. Selbstverständlich muss man auch einen gesunden Lebenswandel führen. Ich achte darauf, was ich esse und trinke und bin auch selten im Ausgang anzutreffen.

Sie spielen für die Nationalmannschaft Benins, obwohl Sie auch einen Schweizer Pass besitzen. Wie kam es dazu?
Ich wurde in Benin geboren und kam als Siebenjähriger in die Schweiz. Mein Vater ist Walliser und meine Mutter kommt aus Benin. In der Zeit als noch Rolf Fringer Nationaltrainer war, habe ich ein Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft erhalten. Ich rückte zwar ins Naticamp ein, konnte aber nicht spielen, weil ich mich verletzt hatte. Zwei Monate später kamen dann auch die Verantwortlichen Benins mit einer Anfrage auf mich zu. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon ein gewisses Alter erreicht hatte und nur wenig Chancen sah für die Schweiz zu spielen, entschied ich mich schliesslich für Benin aufzulaufen. Für die Leute dieses Landes bedeutet Fussball sehr viel. Es ist für sie ein Ausweg aus den grossen Problemen des Alltags, unter denen das Land leidet. Die Heimspiele der Nationalmannschaft verfolgen jeweils 50 000 Fans im Stadion mit. Ich habe meine Entscheidung für Benin zu spielen nie bereut.

Kommen wir zurück zum FC Sitten. Heute steht für Ihr Team das Rückspiel im Uefa-Cup gegen Bayer Leverkusen auf dem Programm. Wie schätzen Sie die Chancen auf ein Weiterkommen ein?
Viel wird davon abhängen, mit welcher Einstellung wir in dieses Spiel steigen. Im Hinspiel hatten wir anfangs zu viel Respekt vor dem Gegner und spielten deshalb schon fast ängstlich. In der zweiten Halbzeit konnten wir diesen Komplex mehrheitlich ablegen und kamen in der Folge auch zu einigen Chancen. Genauso müssen wir auch in Leverkusen auftreten. Wir müssen unser eigenes Spiel spielen und den grossen Namen des Gegners vergessen.

Ihr Team tanzt derzeit auf drei Hochzeiten: Nebst der Meisterschaft und dem Uefa-Cup ist man auch noch im Schweizer Cup vertreten. Ist diese Dreifachbelastung ein Problem?
Für mich ist es sogar eine Vierfachbelastung. Am 8. Oktober bestreite ich mit Benin noch ein Qualifika­tionsspiel gegen Sierra Leone. Auch für meinen Landsmann und Teamkollegen Jocelyn Ahoueya ist es dieselbe Situation. Es ist nicht einfach, sich immer wieder auf unterschiedliche Aufgaben einzustellen. Aber es ist auch schön, in so vielen verschiedenen Wettbewerben die Chance zu haben, erfolgreich zu sein. Wichtig ist es, die Pausen zwischen den Spielen ideal zur Erholung zu nutzen. Hierbei hilft auch das professionelle Umfeld des Vereins. Wir Spieler erhalten sowohl in medizinischer als auch ernährungstechnischer Hinsicht immer die richtige Unterstützung. Daher bin ich überzeugt, dass diese Mehrfachbelastung für unser Team verkraftbar sein wird.

Ihr Präsident Christian Constantin fordert viel vom Team. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?
Jeder Spieler geht unterschiedlich mit dieser Situation um. Persönlich hatte ich bislang das Glück oder das Unglück, dass bei meinen bisherigen Clubs die Ambitionen nicht sehr gross waren und jeweils ein Mittelfeldplatz angestrebt wurde. Wenn man den Fussball liebt und mit diesem Sport auch etwas erreichen will, ist es immer besser, einen Präsidenten wie Christian Constantin zu haben, der viel fordert. Es ist mir lieber, wenn die Erwartungen zu hoch sind als umgekehrt.

Sind diese Erwartungen realistisch?
Meiner Meinung nach ist es absolut realistisch, eine Platzierung unter den ersten Drei anzustreben. Die heutige Ausgangslage beweist es. Auch im Europacup können wir mit etwas Glück zu Weihnachten noch im Wettbewerb sein. Im Schweizer Cup kommt es auch immer ein wenig auf die Auslosung an. Aber der nächste Gegner La Chaux-de-Fonds ist sicher kein unüberwindbares Hindernis. In der Meisterschaft müssen wir jede Woche aufs Neue beweisen, dass wir an die Spitze gehören. Zusammengefasst lässt sich sicher sagen, dass die gesetzten Ziele realistisch und erreichbar sind.

Welches sind die grössten Gegner in der Meisterschaft?

Zürich und GC machen auf mich bislang den solidesten Eindruck. Basel ist sicherlich nicht zu unterschätzen und auch YB könnte trotz der aktuellen Probleme noch eine gute Rolle spielen. Ich glaube, wir werden mit diesen vier Gegnern um die vordersten Tabellenränge streiten.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
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