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220 Menschen im Oberwallis sind dem albanisch-islamischen Kulturzentrum angeschlossen
Im Namen Allahs des Barmherzigen


 

Visp / Die albanisch-islamische Gemeinde im Oberwallis zählt rund 220 Personen. Insgesamt leben über 1000 Muslime bei uns. Die RZ über eine Gruppe von Menschen, die hier ein neues zu Hause gefunden hat.

Von Walter Bellwald

Es ist kurz vor Mittag, die Moschee ist um diese Tageszeit meistens leer. Der lärmige Alltag wird wie die Schuhe vor der Tür zurückgelassen. Der weiche Teppichboden tut das seinige dazu und schluckt die letzten Lärmfetzen. Dieser Ort der Stille und Besinnung hat eine ganz eigene Wirkung auf den Besucher. Ein paar Sonnenstrahlen erhellen den kargen Raum, dessen Wände weiss getüncht sind und dessen Einrichtung sehr spartanisch wirkt. Eine hölzerne Kuppel, die sogenannte „Menber“, die dem Vorbeter als Erhöhung dient, steht in einer Ecke. Gleich gegenüber ein schlichter Schrank, in dem mehrere Religionsbücher, u.a. der Qur'an, aufbewahrt werden. Ein kleines mintgrünes Podium, die „Kuorsia“, bringt etwas Farbe in den Raum. Hier unterrichtet der Imam, ein islamischer Geistlicher, zweimal im Jahr die Gemeinde. Eine kleine Einhöhlung in der Wand, die „Mehrab“, zeigt die Richtung Mekkas an. Auf dem Boden finden sich mehrere Teppiche, die exakt aufgereiht sind. Der Raum ist zweigeteilt in einen Männer- und einen Frauensaal.

Vorbeter der Gemeinde
Mahmoud Ismail (32) ist Vorbeter der albanisch-islamischen Gemeinde im Oberwallis. Mit 15 Jahren ist Ismail von Ägypten nach Deutschland gekommen. Dort ist er zur Schule gegangen und hat seine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. Seit vier Jahren lebt er mit seiner Frau und der kleinen Tochter in Visp und arbeitet im Sozial-Medizinischen Zentrum Oberwallis. „Uns gefällt es hier sehr gut und wir fühlen uns wohl in unserer Gemeinde“, sagt Mahmoud. Der gebürtige Ägypter ist stolz darauf, als Vorbeter in seiner Gemeinde tätig zu sein. „Es ist ein sehr würdevolles und verantwortungsvolles Amt“, verrät er. Neben dem nötigen Wissen ist die Beherrschung der arabischen Sprache für diese Aufgabe unabdingbar. „Wir sprechen viele arabische Gebete“, erklärt Mahmoud. „Zudem ist der Vorbeter auch die Ansprechperson bei religiösen und weltlichen Problemen.“ Einmal pro Woche, jeweils am Freitag, ruft er seine Mitbrüder und -schwestern zum Gebet. Dann werden Psalme aus dem Qur'an rezitiert. Neben dem freitäglichen Gemeinschaftsgebet ist jeder Muslim dazu aufgerufen, sich fünfmal am Tag gegen Mekka zu verneigen und seine Gebete zu sprechen.

Kulturzentrum erbaut
Der Präsident der albanisch-islamischen Gemeinde in Visp ist Abdulahi Shaban (57). Der gebürtige Mazedonier, Vater von drei Kindern, lebt seit 25 Jahren im Oberwallis. Nach einem ersten Kurzaufenthalt 1978 entscheidet sich Abdulahi mit seiner Frau, seiner ursprünglichen Heimat definitiv den Rücken zu kehren und in die Schweiz zu kommen. Bereut hat er seinen Entschluss bis heute nicht. „Ich habe inzwischen viele Freunde und Bekannte auch ausserhalb meines Kulturkreises“, meint Abdulahi, der vor allem in Fussballerkreisen kein Unbekannter ist. Als Präsident des albanisch-islamischen Kulturzentrums hat er einen guten Kontakt zu den hiesigen kirchlichen und weltlichen Behörden aufgebaut. „Sowohl die Pfarreien wie auch die politischen Instanzen haben uns dabei unterstützt, ein Kulturzentrum zu schaffen.“ In Eigenregie und Fronarbeit erbaute man das Kulturzentrum, dass vor drei Jahren eröffnet wurde. Neben der Moschee ist auch eine kleine Cafeteria in das Gebäude integriert. Hier trifft man sich zwischendurch zum gemütlichen Schwatz und Beisammensein.

Gerücht um Minarett
Im Oberwallis kursiert das Gerücht, dass die albanisch-islamische Gemeinde jetzt ein Minarett, einen erhöhten Standplatz oder Turm für den Gebetsausrufer, erbauen möchte. Das wird von Mahmoud Ismail und Abdulahi Shaban heftig dementiert. „Natürlich wäre es schön, wenn wir auch ein Minarett aufstellen könnten“, meinen die beiden übereinstimmend. „Aber“, so Abdulahi, „letztlich fehlt uns das Geld, um ein Minarett zu bauen.“ Man sei schon froh, dass man ein Kulturzentrum errichten durfte. „Dafür sind wir allen zuständigen Instanzen sehr dankbar. Überdies sehe ich lieber 200 Menschen in der Moschee als nur eine Person auf dem Minarett.“

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