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Der Lötschentaler Jakob Murmann hat eine erfolgreiche Hochjagd hinter sich
Jagdglück im Goms: 18-Ender erlegt!


 

Blatten / Obergesteln / Der Mann kann sein Glück kaum fassen: Jakob Murmann aus Blatten im Lötschental gelang, wovon die meisten Jäger träumen. Der 41-jährige Mechanikermeister erlegte einen ungeraden 18-Ender.

Von Walter Bellwald

„Ich war total überwältigt und zu Tränen gerührt“, versucht „Kobi“, wie er von seinen Freunden gerufen wird, seine Emotionen knapp zwei Wochen nach dem Blattschuss zu beschreiben. Immer noch sichtlich gerührt, erinnert er sich an den Abschuss des Prachtsstieres zurück.

Ungläubiges Erstaunen
Dienstag, 19. September, 6 Uhr früh; müde und noch von den Strapazen des Vortages gezeichnet – „Wir mussten einen Spiesser aus unwegsamem Gelände holen“ – kriecht Murmann aus seinem Schlafsack. Kaum an der frischen Luft, schüttelt er sich die Müdigkeit aus den Knochen und macht sich zusammen mit seinen Jagdkollegen auf den Weg. Seine Jagdgruppe hat sich oberhalb von Obergesteln eingenistet. Jungjäger Murmann ist erst im zweiten Jahr mit dabei und wird ganz nach oben, zur Waldgrenze hin, geschickt. Am vereinbarten Zielort angekommen, legt er sich auf die Lauer. „Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keinen Bock, hier über längere Zeit herumzuliegen und mir die Augen aus dem Kopf zu schauen“, grinst Murmann. Also beschliesst er, sich ein wenig zu entspannen, statt mit dem Fernglas Ausschau zu halten. „Als ich mir die Nase schneuzte, hörte ich plötzlich ein leises Geräusch hinter mir.“ Blitzschnell dreht er sich um und glaubt seinen Augen nicht zu trauen. In knapp fünfzig Meter Entfernung erkennt er die Silhouette eines mächtigen Hirsches. „Mir stockte der Atem“, erinnert er sich. Murmann reagiert instinktiv: „Ich liess das Nastuch fallen, griff nach meinem Gewehr, setzte an – und schoss.“

Ein Prachtsexemplar
Der Schuss sitzt. Obwohl sich das mächtige Tier gegen den drohenden Tod zur Wehr setzt, vermag der Platzhirsch nicht mehr aufzustehen. Derweil hallt der Schuss in den Ohren Murmanns nach. „Ich war völlig ergriffen von der Szenerie und wusste im ersten Moment nicht, was zu tun ist.“ Rasch nähert er sich dem verletzten Hirsch und setzt zum zweiten Schuss an. Päng! Das Tier sackt in sich zusammen. Einen Moment starrt Murmann auf den leblosen Körper, der zu seinen Füssen liegt. Erst jetzt nimmt er das leise Zittern seiner Finger wahr, die sich langsam um den Gewehrkolben lösen. Gebannt blickt er auf das tote Tier vor sich. „Ich war völlig übermannt. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf.“ Endlich fasst er sich ein Herz und wählt die Nummer des Jagdkollegen, der nur unweit von ihm Stellung bezogen hat. „Als ich ihm die freudige Nachricht mitteilte, gab er sich zuerst ein bisschen ungläubig. Erst als er das Tier mit eigenen Augen sah, konnte er es glauben.“

1,07 Meter Stangenlänge
Nach und nach treffen alle Jagdkollegen am Ort des Geschehens ein. Ein Schulterklopfen hier, ein anerkennender Händedruck dort. Murmann wird von Gratulationen überhäuft. Erst jetzt wird dem zweifachen Familienvater bewusst, was ihm vor die Flinte gelaufen ist. Endlich lässt Murmann seinen Gefühlen freien Lauf und vergiesst ein paar Freudentränen. „Ich hatte ein Riesenglück“, gibt sich der Jungjäger bescheiden. „Erstens, dass mir das Tier über den Weg gelaufen ist und zweitens, dass der Hirsch an einem günstigen Ort liegenblieb.“ Stolze 170 Kilo bringt der Prachtsstier auf die Waage. Eine Stangenlänge misst 1,07 Meter. Das prächtige Geweih des ungeraden 18-Enders soll einen besonderen Platz im Hause Murmann finden. „Wo, wissen wir allerdings noch nicht“, sagt „Kobi“ und seine Frau Helen ergänzt: „Wir müssen zuerst einen geeigneten Platz finden.“



Peter Scheibler, Kantonaler Jagdchef, zum Widderabschuss im Goms
„Die Jäger müssen nicht zum Sehtest antreten“

Von Walter Bellwald

Sitten / Schon wieder! Im Goms knallte ein Jäger statt ein Wildtier einen Zuchtwidder ab. Der kantonale Jagdchef Peter Scheibler nimmt Stellung.

Der Abschuss eines Zuchtwidders im Goms macht von sich reden. Wie kann sowas passieren?
Ich kenne den Fall zu wenig, um Auskunft zu geben. Tatsache ist, dass wir den Fall sofort nach Bekanntwerden an die Kantons- und Gerichtspolizei übergeben haben. Dem Schützen droht nun ein strafrechtliches und gerichtspolizeiliches Verfahren.

Ärgern Sie sich über derartige Vorfälle?
Natürlich ist es für das Image der Jäger nicht gerade förderlich, wenn solche Vorfälle passieren. Aber man muss das Ganze auch relativieren. In den vergangenen zwanzig Jahren gab es nur vier oder fünf Fälle, in denen ein Jäger ein Nutztier geschossen hat.

Müssen die Jäger bald zu einem obligatorischen Sehtest antreten?
Nein, ich habe festgestellt, dass unsere Jäger über ausgezeichnete Sehorgane verfügen. Das hat sich vor allem bei der Gämsjagd gezeigt. Das neue, selektive System zwingt die Jäger, das Tier zuerst genau anzuschauen, bevor sie es schiessen.

Das neue Jagdgesetz wurde demnach befolgt?
Es gibt immer ein paar schwarze Schafe. Aber im Grossen und Ganzen wurden die neuen Bestimmungen befolgt. Das hat zu einer massiven Beruhigung der Jagd geführt.

Wie viele Abschüsse gab es auf der Hochjagd zu verzeichnen?
Die Walliser Jäger waren dieses Jahr ausserordentlich erfolgreich. Allein bei den Hirschen gab es ein absolutes Rekordjahr. Insgesamt wurden über 1700 Hirschabschüsse gezählt. Das sind knapp 200 mehr als im Vorjahr. Bei den Gämsen hat das neue, selektive Bejagungsmodell zu einem leichten Rückgang geführt. Hier wurden rund 2700 Abschüsse registriert. Das sind 180 Tiere weniger als im Vorjahr.



Die RZ war auf der Jagd dabei
Mit Jägern auf der Pirsch

Oberwallis / Was ist dran an der Jagd? Warum liegen viele Grünröcke stundenlang auf der Lauer und beobachten das Geschehen im Wald? Die RZ machte die Probe aufs Exempel und begleitete die „Schlüüchejäger“ auf die Pirsch.

Von Ruth Seeholzer

Es ist später Nachmittag. Wir laufen den Hang hinunter. Steil ist er. Weiter unten beginnt der dichte Wald. Hier am Hang hat es nur vereinzelt Bäume. Im Winter ist hier eine Skipiste. Dann läuft was. Dann ist Rambazamba. Aber heute ist es still. Sehr still. Weit über uns kreist ein Adler. Er scheint uns zu beobachten. Erst als wir kurz davor stehen, sehe ich den Ansitz. Mit ein paar Holzlatten und vielen Tannästen haben die Jäger einen Beobachtungsposten gebaut, direkt an einen alten Baumstumpf. Wir schlüpfen hinein. Drinnen herrscht Dämmerlicht. Auf zwei Seiten sind Öffnungen ausgespart, um das Wild zu beobachten, anzusprechen – und zu schiessen.

Traditionelle Bekleidung
Es ist der letzte Tag der Hochjagd in diesem Jahr im Wallis. Lothar (56) nimmt den Feldstecher und sucht den Waldrand ab. Mit leiser Stimme erklärt er, welches Wild es hier zu sehen gibt, wann sie vorbeikommen und wie sie sich verhalten. Lothar ist von Kopf bis Fuss grün angezogen – um sich zu tarnen, nehme ich an. Doch er lächelt und meint, das sei vor allem Tradition. Es sei eigentlich egal, welche Farben man anhabe, sie müssten einfach dunkel sein. Da lag ich also richtig mit meiner Kleiderwahl an diesem Tag. Auch wenn ich mir zuerst noch überlegt hatte, eine dieser knallorangen TCS-Sicherheitswesten mitzunehmen, um nicht doch noch von dem einen oder anderen Jäger als potenzielle Beute angesehen zu werden. Lothar wird ernst. Es sei Gott sei Dank schon lange nichts Gravierendes mehr passiert auf der Walliser Hochjagd. Die Leute seien vernünftig. „Sie kennen ihre Grenzen und schiessen lieber einmal weniger als einmal zu viel.“

Abschuss gefeiert
Früher am Tag feierten wir die Beute von Philipp (58), einem der Jagdkollegen von Lothar. Er hatte am Vorabend einen kapitalen Gämsbock geschossen. Die Jäger standen darum herum und bewunderten den aussergewöhnlich langen silbernen Gamsbart, die kapitalen Krickel und das schöne Fell. Die grossen dunklen Augen des Bocks waren gebrochen. Ein Tannenzweig steckte in seinem Maul. Die Männer gratulierten Philipp und überreichten ihm, wie es die jagdliche Tradition verlangt, den Schützenbruch und steckten ihn ihm auf seine rechte Hutseite. Sie lachten und redeten. Dann trugen sie das schwere Tier gemeinsam durch den Wald, zurück zum Fahrzeug, und betteten es dort auf Tannenäste. Wie sie mit ihrer Beute umgingen, wirkte beinahe ehrfürchtig. Liebevoll tätschelte einer der Männer die Flanken des Bocks und murmelte: „Bist ein schönes Tier.“

Rituale und Regeln
Sie sind eine homogene Gruppe, die zehn Blitzinger Jäger, die sich die „Schlüüchejäger“ nennen. Philipp, Leo, Ernst „Ärni“, Bruno, Joseph, Lothar, Erwin, Roman und Roman „ds Achterli“ und Dani. Doch selten sind sie alle zusammen auf der Jagd. Es gibt Rituale in der Gruppe, und es gibt festgelegte Regeln, an die sich alle halten. Zum Beispiel, dass derjenige, der kocht, beim Abwaschen Pause hat. Oder dass zwar die Trophäe und der Rücken (bei Gams und Reh) eines geschossenen Tieres dem Schützen gehören, der Rest des Tieres jedoch auf alle Jäger aufgeteilt wird. Und dass Kameradschaft und gegenseitiges Vertrauen sehr wichtig ist. Auch wenn das nur ein Teil der Jagd ist. Denn Jagen ist eine einsame Sache. Stundenlang sitzen und beobachten. Dem Spiel der Eichhörnchen zusehen oder die Eichelhäher miteinander schimpfen hören. Bis – ja, bis das erste Wild auftaucht. Dann ist alles andere vergessen. Das Herz fängt an, schneller zu schlagen. Langsam nach dem Feldstecher gegriffen. Genaues Ansprechen, ob das avisierte Tier den strengen Gesetzen der Jagd entspricht. Das Gewehr anlegen und zielen – Blattschuss.

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