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Rabea Grand, Skirennfahrerin
„Als Spitzensportler muss man auch Egoist sein“l


 

Leuk / Kaum ist der Sommer vorbei, rückt auch schon die Skisaison näher. Mit der 22-jährigen Leukerin Rabea Grand wird neben Fränzi Aufdenblatten eine weitere Oberwalliser Vertreterin im kommenden Winter regelmässig im Weltcup um Punkte und gute Klassierungen kämpfen. Die RhoneZeitung traf die sympathische, junge Sportlerin wenige Tage vor dem Start im österreichischen Sölden.

Von Markus Pianzola
Walter Bellwald

Rabea Grand, am letzten Oktoberwochenende erfolgt der Weltcup-Auftakt im österreichischen Sölden. Sind Sie froh, dass es endlich los geht?
Ja, ich bin sehr froh, dass es endlich los geht. Ich bin voll motiviert und möchte, dass der Druck langsam ansteigt. Nur trainieren ist auf die Dauer nicht das Wahre.

Worauf wurde das Hauptaugenmerk während des Sommertrainings gelegt?
Hauptsächlich habe ich Slalom und Riesenslalom trainiert. In diesen Bereichen lagen in der vergangenen Saison meine grössten Schwächen, obwohl ich teilweise im Europacup gute Resultate erzielen konnte. Auch im Weltcup konnte ich mich hier zwei Mal für den zweiten Lauf der besten dreissig qualifizieren. Aber dabei habe ich jeweils nicht unbedingt durch gute Technik brilliert. Dies galt es nun während den Sommermonaten zu verbessern, damit ich konstanter werde. Eine Folge war, dass ich sehr viel Zeit ins Krafttraining investiert habe. Ich bin mit dem Verlauf des Sommertrainings zufrieden und bin überzeugt, dass ich dadurch in den technischen Disziplinen mehr Konstanz erreichen werde.

Haben Sie hauptsächlich alleine oder mit der Mannschaft trainiert?
Das Training auf den Skiern erfolgte jeweils mit der Mannschaft. Im konditionellen Bereich konnte ich zusammen mit Fränzi Aufdenblatten, Sylviane Berthod und Catherine Borghi eine Trainingsgruppe bilden. Dabei haben wir oft drei- bis viertägige Zusammenzüge organisiert. Der Grossteil der Konditions-Vorbereitung konnte ich aber zu Hause absolvieren. Die Trainingspläne wurden uns dabei jeweils von einem Konditionstrainer vorgegeben.

Sie werden in diesem Jahr erstmals dem A-Kader angehören. Was ändert sich dadurch für Sie im Vergleich zum Vorjahr?
Wesentliche Veränderungen gibt es nicht. Mein letztjähriger Trainer ist beispielsweise mit mir aufgestiegen. Wovon ich natürlich stark profitieren kann, ist die Tatsache, dass ich nun mit Fahrerinnen wie Aufdenblatten, Borghi, Styger und Berthod zusammen trainieren kann. Da profitiert man enorm. Sie sind allesamt sehr starke Persönlichkeiten und weisen eine grosse Erfahrung auf.

Im letzten Jahr gewannen Sie im Europacup die Disziplinenwertung in der Abfahrt und wurden Gesamtdritte. Was dürfen wir von Ihnen in diesem Jahr im Weltcup erwarten?
Das ist schwierig zu sagen. Ziel ist es, nur Weltcup zu fahren und auf den Europacup zu verzichten. Diese Stufe habe ich im letzten Jahr eigentlich sozusagen bestanden, so dass ich jetzt versuchen werde, mich im Weltcup zu etablieren. Da ich letztes Jahr die Abfahrts-Gesamtwertung gewonnen habe, aber eigentlich Slalomfahrerin bin, wissen die Trainer wohl auch noch nicht so recht, wie sie mich einschätzen sollen. Wir haben nun zusammen entschieden, dass ich mich hauptsächlich auf die technischen Disziplinen konzentrieren werde. Trotzdem werde ich aber auch jeweils die Super-Kombinationen fahren. Diese kann man aber nur bestreiten, wenn man auch die Abfahrtstrainings absolviert, sonst hat man keine Chance. Sollte ich hier gute Leistungen zeigen, werde ich vielleicht auch einige Abfahrten bestreiten. Aber ich muss von Rennen zu Rennen schauen.

Sie gelten als Allrounderin. Haben Sie trotzdem eine Lieblingsdisziplin?
Eigentlich schon Slalom. Aber es ist halt auch so, dass man diejenige Disziplin, in der man Erfolg hat, ebenfalls gut mag. Dadurch, dass ich im letzten Jahr in der Abfahrt dermassen erfolgreich war, ist mir diese schon auch ans Herz gewachsen. Hier steht man beim Rennen am Start und weiss genau, dass man nur eine Chance hat, seine beste Leistung abzurufen. Das ist ein gutes Gefühl. Bis vor zwei Jahren habe ich mich völlig auf den Slalom konzentriert. Als ich dann hier in einem Tief war, habe ich erstmals auch Abfahrten bestritten. Hier stellte sich der Erfolg recht schnell ein. Heute fällt es mir schwer, eine Lieblingsdisziplin zu benennen.

Nebst dem fahrerischen Können ist im Skirennsport auch der mentale Bereich äusserst wichtig. Trainieren Sie diesen Aspekt speziell?
Eine Zeit lang habe ich autogenes Training gemacht, aber momentan trainiere ich in dieser Hinsicht nichts Spezielles. Wichtig ist, dass man von Zeit zu Zeit von jemandem daran erinnert wird, welche Gedanken man haben sollte. Es sind grundlegende Sachen wie beispielsweise das Vermeiden von negativem Denken, private Probleme und Gedanken ausklammern, aufgestellt sein und ähnliches. Alles logische Sachen, die jeder schon einmal gehört hat. Aber manchmal vergisst man diese Sachen wieder und man muss daran erinnert werden. Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch, aber auch ich habe natürlich meine Hochs und Tiefs. Momentan mache ich mir selber auch nicht allzu viel Druck. Aber wer weiss, vielleicht ändert sich dies nach den ersten Rennen.

Im internationalen Vergleich sind Sie mit Ihren 22 Jahren eher eine Spätzünderin im Weltcup. Hatten Sie in der Vergangenheit jemals Zweifel, ob Sie den Sprung nach oben schaffen würden?
Ich bin eher ein realistischer Mensch und habe nicht das Gefühl, dass ich jetzt die kommende Weltmeisterin bin. Ich nehme alles Schritt für Schritt und schaue, was sich dabei ergibt. Der Weltcup ist für mich eine grosse Chance. Aber daneben habe auch die Matura absolviert und habe nun mit einem Fernstudium begonnen. Zusätzlich habe ich eigentlich mein Hobby zum Beruf machen können. Das ist sehr schön, obwohl es manchmal natürlich auch stressig sein kann. Vor allem als ich früher Schule und Sport unter einen Hut bringen musste.

In den letzten Jahren musste das Schweizer Team nach Misserfolgen vor allem in den Medien bös unten durch. Können Sie gut mit Kritik umgehen?
Medienkritik musste ich bislang noch nicht am eigenen Leib erfahren. Solange man es nur von aussen sieht, ist es einem nicht so bewusst, was das wirklich bedeutet. Trainer hingegen müssen kritisieren, sonst sind sie keine guten Trainer. Ich könnte mit niemandem zusammen arbeiten, der mich immer nur lobt. Ich brauche manchmal eine harte Hand. Betreffend Druck von aussen: Schlussendlich fahre ich für mich Ski und nicht für jemanden anders. Natürlich wäre es schön, wenn die Schweiz wieder herausragende Skifahrer hätte. Aber ich glaube nicht, dass es allein an mir liegt, dies zu bewerkstelligen.

Bei Erfolg sind die Schulterklopfer jeweils nicht weit. Bei Misserfolg sieht dies anders aus. Wer gibt Ihnen Halt in sportlich schwierigen Zeiten?
In erster Linie meine Familie, die immer hinter mir gestanden ist. Auch meine Kollegen gehören dazu. Diese wissen auch, dass ich während der Saison ständig unterwegs bin und der Kontakt deshalb nicht so intensiv ist. Vielleicht ab und zu eine SMS oder ein Anruf, viel mehr liegt nicht drin.

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