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Pierre-Albert „Gabet“ Chapuisat, Trainer des FC Sitten
„Wir müssen uns für den Europacup qualifizieren“


 

Sitten / Martigny / Im Alter von 58 Jahren erhält Pierre-Albert, genannt „Gabet“, Chapuisat erstmals die Möglichkeit, ein Team der Super League zu trainieren. Und dies ausgerechnet beim FC Sitten, wo die Trainer des öfteren als Sklaven von Präsident Christian Constantin bezeichnet werden. Dennoch gibt sich der impulsive Romand zuversichtlich.

Von Markus Pianzola

Gabet Chapuisat, seit wenigen Tagen sind Sie Trainer des FC Sitten. In welchem Zustand haben Sie Ihr neues Team vorgefunden?
Die Mannschaft war sicher gezeichnet von den drei aufeinanderfolgenden Niederlagen. Auch die Trainerwechsel haben für Zweifel gesorgt und waren für das Selbstvertrauen nicht förderlich. Ich möchte aber nicht sagen, dass sie in einem schlechten Zustand war. Es waren eher mentale denn physische Probleme. Es galt, den Spielern die Freude am Fussball wieder zu vermitteln.

Sie sprechen davon, dass Sie der Mannschaft die Freude am Fussball wieder vermitteln mussten. Wie muss man sich das vorstellen?
Der Trainer ist immer auch ein Animateur. Fussballer haben grosses Glück, ihr Beruf ist gleichzeitig auch ihre Leidenschaft. Sie müssen nur rund 15 Stunden pro Woche arbeiten. Das ist nicht dasselbe wie der normale Arbeiter, der jeden Tag acht oder neun Stunden vollen Einsatz geben muss und seinen Job vielleicht nicht einmal sonderlich mag. Also muss man den Spielern klar machen, dass sie privilegiert sind und dass sie davon profitieren müssen. Offenbar ist diese Botschaft beim Team angekommen.

Sie sind bereits 58-jährig. Weshalb haben Sie sich entschieden, in diesem Alter erstmals die Herausforderung Super League anzunehmen?
In der Vergangenheit hat man mir nie die Chance gegeben, in der höchsten Liga ein Team zu trainieren. Ich bin nun seit mehr als zwanzig Jahren im Trainermetier tätig. Wenn sich einem eine solche Möglichkeit bietet, muss man sie beim Schopf packen. Das Alter ist für mich nur eine Zahl in meinem Personalausweis. Es kommt auf die geistige Frische darauf an. Und da ich ständig von jungen Menschen umgeben bin, fühle ich mich auch um einiges jünger, als ich in Wirklichkeit bin.

Wie würden Sie Ihre Philosophie als Trainer beschreiben?
Es gibt keine Philosophie, um Spiele zu gewinnen (lacht). Man muss seriös arbeiten, kein Detail ausser Acht lassen, ehrlich sein und die richtige Einstellung vermitteln. Mit der richtigen Einstellung kann man die Differenz machen, denn Qualität ist in der Mannschaft zweifelsohne vorhanden. Aber natürlich bin ich auch – wie alle Trainer – mit gewissen Problemen konfrontiert. So haben wir in Sitten beispielsweise ein sehr breites Kader. Es ist praktisch unmöglich, alle Spieler zufrieden zu stellen. Darum ist es von grösster Wichtigkeit, das Team richtig zu führen.

Sie sind bereits der dritte Trainer des FC Sitten in dieser Saison. Weshalb sollte man davon ausgehen, dass Sie auch am Saisonende noch an der Seitenlinie dieses Clubs stehen werden?
Die Öffentlichkeit ist der Meinung, dass Christian Constantin extrem viele Trainer verschleisst. Die Zukunft wird zeigen, wie lange ich FC Sitten-Trainer bleibe. Im Übrigen bin ich bereits der vierte Trainer dieser Saison, wenn man das kurzfristige Engagement von Christophe Moulin auch mitrechnet. Ich glaube, beim Rücktritt Nestor Clausens lag der Fehler nicht beim Präsidenten. Bei Nachfolger Schällibaum klappte es nicht, weil Constantin nun einmal Siege erwartet. Das ist logisch, bei dem, was er in den Club investiert. Ich weiss, was von mir erwartet wird. Das Team muss sich für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Daran werde ich gemessen, das ist klar.

Kurz vor Schluss der Herbstrunde spielt ihr Team munter an der Tabellenspitze der Super League mit. Was erwarten Sie für das letzte Spiel gegen Zürich?
Zürich erzeugt wohl bei jedem Gegner Respekt. Sie spielen wohl den derzeit besten Fussball in der Schweiz. Vor allem im Angriff verfügen sie über einige Ausnahmekönner, die Spiele entscheiden können. Aber ich weiss genau, wie man gegen Zürich auftreten muss, um Erfolg zu haben. Zusätzlich freue ich mich auch auf ein Wiedersehen mit meinem Freund Lucien Favre. Wir gehen nicht nach Zürich, um ein Spektakel zu veranstalten. Wir wollen ganz einfach die Punkte mit nach Hause ins Wallis nehmen. Ich glaube, wir haben durchaus die nötigen Mittel, um diesen Exploit zu realisieren.

Wenn man die bisherige Herbstrunde betrachtet, gab es vor allem durch die Trainerwechsel doch einige Turbulenzen beim FC Sitten. Zudem ist man Aufsteiger in die höchste Klasse. Trotzdem hält das Team mit den Besten des Landes mit. Sind Sie davon überrascht?
Nein. Der Präsident hat sehr gut gearbeitet und die Mannschaft gut verstärkt. Das ist auch nötig, wenn man aus einer unterklassigen Liga aufsteigt. Vielleicht wird das Team über Weihnachten noch einzelne Retouchen erfahren, damit wir unser Ziel erreichen können.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Teams?
Die Schnelligkeit ist einer unserer Trümpfe. Vor allem im Angriff, wo wir mit Kuljic über einen Goalgetter verfügen. Auch können wir offensiv jeweils zwischen einigen Möglichkeiten auswählen, was unser Spiel variabler macht. Aber es ist auch wichtig, hinten sicher zu stehen. Für eine gute Defensive müssen alle Spieler mitarbeiten, auch die Stürmer.

In welchen Bereichen müssen noch Fortschritte gemacht werden?
Man kann sich immer verbessern, das ist klar. Dies gilt für das Kollektiv wie auch für die individuellen Fertigkeiten jedes Einzelnen. Die Verpflichtung von punktuellen Verstärkungen während der Winterpause ist ebenfalls eine Möglichkeit, stärker zu werden.

Sie erwähnten bereits, dass das Ziel die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb ist. Welches sind die härtesten Konkurrenten im Kampf um diese begehrten Plätze?
Sicherlich die beiden Zürcher Mannschaften. Ebenfalls Basel, auch wenn sie dieses Jahr ein wenig Mühe haben. Bei der Überraschungsmannschaft St. Gallen wird man sehen müssen, ob sie die ganze Saison durchhalten werden. Und schliesslich muss man sich auch vor den Berner Young Boys in Acht nehmen. Die Konkurrenz ist sicherlich stark und zahlreich, aber in erster Linie müssen wir den Fokus auf uns selber richten. So müssen wir zuhause so lange als möglich unsere Ungeschlagenheit wahren und dürfen in den Direktbegegnungen auf fremdem Terrain keine Punkte abgeben. Wir sind auf alle Fälle bereit für diese Herausforderung.

Ein wenig Wirbel gab es zuletzt um Ihre Person, weil Sie auf der Trainerbank rauchten. Verstehen Sie diese Aufregung?
Wenn man sich nicht am Rauchen stören würde, missfiele einigen vielleicht die Farbe meines Hemdes oder ähnliches. Es ist kein Problem für mich, in Zukunft werde ich darauf achten, dass so etwas nicht mehr passiert. Aber die Polemik ist für mich unverständlich, es gibt Dinge im Leben, die um einiges wichtiger sind: Es gibt Kinder, die an Hunger leiden, im Irak herrscht Krieg, Aids ist nach wie vor ein grosses Thema, die Krankenkassenprämien steigen ständig – wenn man diese Tatsachen betrachtet, so gibt es doch wirklich schwerwiegendere Probleme in der Welt als das Rauchen einer Zigarette auf der Trainerbank.

Auf der internationalen Bühne wurde der FC Sitten durch Bayer Leverkusen eliminiert. Auch Basel und GC schieden zuletzt ziemlich sang- und klanglos aus. Wo sehen Sie die Schweiz derzeit im internationalen Vergleich?
Die besten Schweizer Spieler sind im Ausland unter Vertrag. Als Folge davon haben unsere Clubs auf europäischer Ebene Mühe. Zürich hätte meiner Meinung nach weiter kommen müssen, GC und Basel hingegen waren leider ziemlich deutlich unterlegen. Das sind sicher keine erfreulichen Nachrichten, dennoch hoffe ich, dass wir im Europa-Ranking nicht zu viele Plätze verlieren werden.

Im Gegensatz dazu spielt die Nationalmannschaft derzeit erfolgreich. Als grosses Ziel wurde der EM-Titel 2008 vorgegeben. Ist dies Ihrer Meinung nach realistisch?
Das ist ein sehr schöner Traum. In der Vergangenheit haben die Gastgeberteams meist erfolgreich gespielt an den Endrunden. Aber es ist klar, wenn man den Europameistertitel anstrebt, muss man qualitativ noch einen grossen Sprung machen. Die Nati ist auf einem guten Weg, erreicht derzeit gute Resultate, aber für ganz an die Spitze reicht es momentan sicher noch nicht. Aber vielleicht kann man für Überraschungen sorgen.

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