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Ried-Brig / Raron / Autofahrer aufgepasst: Die Walliser Polizei macht Jagd auf Raser. Mit einer Laserpistole werden Automobilisten, die zu schnell unterwegs sind, „abgeschossen“. Wir haben den „Scharfschützen“ bei ihrer Arbeit zugeschaut.
Von Walter Bellwald
Dienstag, 28. November 2006, kurz nach 13 Uhr: Wachtmeister Fredy Imfeld (39) macht sich auf den Weg, um Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Im Blickfeld des Geschehens: Die Region Brigerberg und Gampel/Raron.
Radarkontrolle in Ried-Brig
Seit zehn Jahren ist Imfeld als sogenannter Operateur unterwegs. Heute wird er innerorts von Ried-Brig eine Radarkontrolle durchführen. Nach welchen Prinzipien wählt er seinen Standort aus? „Das ist sehr unterschiedlich, vielfach legen wir ganz willkürlich einen Ort fest. Es kann aber auch vorkommen, dass wir uns aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung für einen Standort entscheiden“, erklärt Wachtmeister Imfeld, während er seinen Wagen mit integriertem Radargerät auf einen Parkplatz in der Dorfmitte lenkt. „Hier sind viele Schulkinder und andere Fussgänger unterwegs. Darum ist es wichtig, dass die Geschwindigkeitslimiten eingehalten werden.“
Drei Autos zu schnell
Mittlerweile ist es 13.25 Uhr. Noch kurz das Standortprotokoll ausgefüllt, die Kamera kalibriert – und das Radargerät ist einsatzbereit. Während wir auf den ersten „Temposünder“ warten, rechtfertigt Imfeld die Geschwindigkeitskontrollen. „Für die meisten Automobilisten ist eine Radarkontrolle eine reine Schikane. Dabei wird vielfach ausser Acht gelassen, dass wir nur präventiv handeln. Uns geht es in erster Linie darum, die Sicherheit im Strassenverkehr zu erhöhen.“ Noch während der Polizeiwachtmeister redet, blitzts ein erstes Mal. 60 km/h zeigt die Digitalanzeige im Wageninneren. Nach Abzug der Messunsicherheit bleibt eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 5 km/h – das heisst 40 Franken Busse. „In den meisten Fällen bewegen sich die Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts zwischen fünf und zehn Stundenkilometern“, meint Imfeld. Nur selten sei ein Automobilist noch schneller unterwegs. „Innerorts wird das Tempolimit überraschend gut eingehalten.“ Das bestätigt auch die laufende Radarkontrolle, die nach einer halben Stunde abgebrochen wird. Bei 68 Fahrzeugen, die unseren Standort passierten, waren gerade mal drei Autos zu schnell unterwegs. „Das ist guter Durchschnitt“, stellt Imfeld zufrieden fest.
Auf der Jagd nach Rasern
Für die zweite Radarkontrolle an diesem Nachmittag haben Imfeld und seine Kollegen die Kantonsstrasse zwischen Gampel und Raron ins Auge gefasst. Ihr Auftrag: Die Raser auf dem besagten Streckenabschnitt aus dem Verkehr zu ziehen. „Bei dieser Kontrolle werden bewusst nur Tempobolzer angehalten und verzeigt“, so Imfeld. Dabei hilft ihm ein ultramodernes Gerät, dass mittels Laserstrahl die Geschwindigkeit eines Autos auf eine Entfernung von bis zu 400 Metern exakt bestimmen kann. Die Raser werden dabei im eigentlichen Sinne abgeschossen. Mit der Laserpistole wird der Laserstrahl auf die Autokennzeichen gerichtet, der binnen Sekundenbruchteilen die exakte Fahrgeschwindigkeit ermittelt.
„Permisentzug auf der Stelle“
Imfeld versteht sein Handwerk. Flink und behände verankert er das Stativ im Boden und stellt das Radargerät auf. Nicht zum ersten Mal bedient er das Lasergerät. Fahren wir Walliser und Walliserinnen wirklich so schnell, wie es unsere Deutschschweizer Kollegen immer wahrhaben wollen? „Geblocht wird überall, nicht nur bei uns. Aber die Walliser sind sicher keine Langsamfahrer“, bestätigt Imfeld. Wie um seine Aussage zu unterstreichen, zielt er mit der Laserpistole auf ein vorbeiflitzendes Auto und misst die Geschwindigkeit. 132 km/h zeigt die Radarmessung an – und das in der 80er-Zone! Das entspricht nach Abzug der Toleranzgrenze einer Geschwindigkeitsüberschreitung von sage und schreibe 47 km/h. Dieses horrende Tempo verschlägt sogar unserem Fachmann für einen Moment die Sprache. „Das ist jenseits von Gut und Böse“, schüttelt er den Kopf und setzt sein Funkgerät an, um seine Kollegen, die weiter vorne postiert sind, zu informieren. „Schwarzer Opel, 132 km/h, Permisentzug auf der Stelle.“ Mit welchen Folgen muss der Raser rechnen? „Der Mann muss seinen Führerausweis für mindestens drei Monate abgeben“, weiss Imfeld. „Dazu kommt eine saftige Geldbusse von rund 2000 Franken.“ Keine zehn(!) Minuten später schnappt die Radarfalle erneut zu: Ein weisser Mercedes ist zu schnell unterwegs. 133 km/h zeigt die Radarmessung an – „trauriger Rekord“ an diesem Nachmittag! Auch diesem Raser, einer Frau, wird der Fahrausweis auf der Stelle entzogen.
Unnötiges Risiko
Für Fredy Imfeld hat die Raserei auf unseren Strassen vor allem mit einem zu tun: Unvernunft. „Die Leute haben keine Ahnung, was für Folgen ein Fahrunfall mit solchen Tempi haben kann.“ Auch die immer schnelleren und technisch besseren Fahrzeuge würden dazu beitragen, dass immer schneller gefahren werde. Gerade und vor allem darum würden Junglenker in der Fahrpraxis dazu angehalten, sich den Strassengegebenheiten anzupassen und die Geschwindigkeitslimiten einzuhalten. Aber nicht nur die jungen Automobilisten gehörten zu den Verkehrssündern, betont Imfeld. „Auch ältere Semester drücken gerne mal aufs Gas.“
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